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Seefeld: Ein Modell-Athlet mit Ahnung

Seefeld : Ein Modell-Athlet mit Ahnung

Erster Test auf dem Dorf. Eine dreiviertel Stunde nach dem Schlusspfiff eine einsame Fan-Traube auf dem Rasen von Borussia Freialdenhoven.

Mittendrin Thomas Helveg, Borussia Mönchengladbachs namhaftester Neuer. Der Ex-Profi von AC und Inter Mailand gibt noch Autogramme.

Nicht einmal der Dauerregen im Trainingslager in Seefeld kann die Geduld des überzeugten Autogrammschreibers erweichen. Bei solchen Gelegenheiten pflegen viele Fußball-Profis ihre Sprintqualitäten zu beweisen - bei der Flucht vor den Fans.

Thomas Helveg ist da anders. Womöglich kommt ihm dabei zugute, dass er Däne ist. Und der hat nicht nur nach landläufiger Meinung nett zu sein. „Es stimmt schon”, gibt der 34-Jährige zu, „wir sind sehr offen.” Und nach kurzem Grübeln schickt er eine Erklärung hinterher. „Wir sind bereit, viele Dinge zu probieren. Wir sind ein so kleines Land, dass du rausgehen musst, wenn du etwas anderes kennen lernen willst.”

Diese Neugier hat dem Seefahrervolk zu neuen Horizonten verholfen. Die der Fußball-Profis liegen überwiegend in Italien und England. Natürlich lernt man sich auch selbst am Besten kennen unter ungewohnten Bedingungen. Das gibt die nötige Ruhe - auf dem Fußballplatz, aber auch außerhalb.

Gladbach hofft davon zu profitieren. „Wenn du jung bist, willst du dich zeigen, willst du alles geben, alles machen und immer laufen. Auch ich habe wild angefangen. Wenn du älter bist, machst du das gleiche, aber der Weg ist ein anderer. Du musst beispielsweise nicht mehr zehn Meter laufen, sondern ahnst schon, dass der Ball dort hinkommt. Das ist die Erfahrung.”

Netter Däne

Spieler mit dieser Ahnung sind gesucht. Aber auch solche Exemplare erhalten nicht zwangsläufig den Friedensnobelpreis. „Ich denke nicht, dass ich ein harter Spieler bin. Aber ich tue auch schon mal einem weh. Es ist ein Nehmen und Geben. Aber ich freue mich darüber, noch keinen ins Krankenhaus geschickt zu haben.”

Dabei setzt der Däne seine angeborene Athletik und Kompaktheit durchaus Respekt einflößend ein. „Wichtig ist, nicht über Grenzen zu gehen. Aber es gibt Situationen, die einem nicht gefallen. Und wenn du dann gewinnen willst ...”

Schlecht gespielt zu haben, macht den Skandinavier schon mal böse. Auf sich selbst. Dann lässt ihn seine Frau in Ruhe. Sie kennt ihn. „Immerhin sind wir seit 18 Jahren zusammen. Ein tolles Team.”

Der nette Däne mit dem zornigen Herzen: Es gibt Situationen, da springt auch ein Thomas Helveg aus der Schublade. „Wenn ich sehe, dass jemand Fehler begeht, aber die Verantwortung dafür nicht übernehmen will, werde ich sauer.”

Auch auf dem Fußballplatz sprengt der Routinier das Bild vom stillen Dänen. „Da kann ich nicht ruhig sein. Ich dirigiere immer.” Dafür wurde er gekauft. Und für die Innenverteidigung. Was einige Beobachter skeptisch macht, da er in seinen Klubs überwiegend auf der rechten Seite spielte. „Aber auch im Mittelfeld, rechts und links.” In der Nationalmannschaft als Kapitän eben zentral in der Kette. Und überhaupt! „Gladbach holt doch nicht einen für eine Position, die er nicht spielen kann.”

Er ist vielseitig. Und macht auch auf dem Laufsteg eine gute Figur. Seit drei Jahren trägt er die Kollektionen seines Freundes Dirk Bikkembergs zur Schau - „eine nette Abwechslung”. Der belgische Designer möchte sogar, dass sein Fußball-Modell das professionell macht. „Nööö”, lautet die dänische Antwort. Noch.

Aber lockt denn nicht der Umgang mit den Kolleginnen? „Die Männermode wird getrennt vorgestellt”, sagt Helveg. „Außerdem bin ich glücklich verheiratet.” Und Dänen lügen ja bekanntlich nicht.