1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Mönchengladbach: Ein Leben unter Beschuss: Claus Reitmaier feiert auf dem Tivoli 40. Geburtstag

Mönchengladbach : Ein Leben unter Beschuss: Claus Reitmaier feiert auf dem Tivoli 40. Geburtstag

Neuer Torwart, alte Leier: Auch Claus Reitmaier erlitt nach dem 0:1 in Bochum die komplette Interpretationsbreite, die sein Handeln oder Nicht-Handeln auslöste.

„Ich weiß nicht, ob er rauskommen musste”, kommentierte Borussia Mönchengladbachs Trainer Holger Fach die Vorgeschichte zum Eigentor von Sladan Asanin.

Das Los des letzten Mannes, ob er Jörg Stiel oder Reitmaier heißt: ein Leben mit dem Konjunktiv oder - nur Bälle kann man abwehren. „Damit muss man leben, wir stehen eben immer unter Beschuss”, sagt Borussias neue Nummer 1.

Er hat für sich eine „Faust”-Regel erstellt: „Nur wenn ich hundert Prozent überzeugt bin, ich komme an den Ball, gehe ich raus. Fehlen nur zehn Prozent, bleibe ich auf der Linie, weil ich weiß, dass ich da stark bin.”

Im Training lässt er schon mal die Schützen verzweifeln ob seiner Reaktionsfähigkeit. Und dennoch will er sich nicht in die Schublade „Linien-Hocker” einordnen lassen.

„Auch in Bochum habe ich bewiesen, wenns nötig ist, komme ich raus.” Aber ähnlich wie bei seinem ersten Einsatz unter Fach gegen Hannover wurde Reitmaier kaum gefordert.

Dass er aus bloßer Langeweile seine Abwehr-Kollegen zu mehr Zurückhaltung aufgefordert und Eigentorschütze Sladan Asanin das etwas überinterpretiert hat, ist natürlich nur ein Gerücht. „Wenn er nicht so feste geschossen hätte, wäre ich noch drangekommen.”

Seine Arbeitssucht aber geht nicht so weit, dass er sich zum 40. Geburtstag am Mittwoch im Pokal auf dem Tivoli unbedingt ein Elfmeterschießen wünscht. „Nach 90 Minuten ohne große Angst weitergekommen zu sein - das wäre das größte Geschenk.”

Ansonsten aber liebt er die Maloche, die im Training und auch die für die längerfristigen Ziele. „Wenn du etwas hundertprozentig willst, alles dafür tust, verwirklichst du deine Träume.”

Dass der für den Konkurrenten zum Alptraum werden kann, drückt ihn wenig. „Nein, ich habe kein Mitleid mit Jörg Stiel. Er hatte vorher auch keins mit mir. So ist das Geschäft.”

In dem hat sich der derzeit älteste Spieler der Bundesliga erst spät durchgesetzt. „Mit 22 Profi, mit 27 erst in die Erste Bundesliga. Das wollte ich unbedingt.”

Die Liga in Österreich, wo er für den Wiener SC spielte, zählte nicht. Sein Rezept: Immer mehr tun als andere. Und so plant er schon die nächste Etappe: „Ich denke immer in Zweijahresplänen. Gladbach will mir ein Jahr geben - auch kein Problem. Dann habe ich es selbst in der Hand, noch eins zusätzlich zu bekommen.”

Um den Rekord von Uli Stein zu knacken: Der stand mit 42 Jahren noch im Tor.