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Mönchengladbach: Ein historischer Mönchengladbacher Erfolg

Mönchengladbach : Ein historischer Mönchengladbacher Erfolg

Historischer Sieg für Borussia Mönchengladbach: Nicht, weil das 1:0 über den 1. FC Köln das letzte Spiel gegen diesen Gast auf dem Bökelberg war.

Mehr, weil der Erfolg über den Lieblingsgegner wohl der glücklichste in der Geschichte der Rhein-Derbys war.

Ewald Lienen muss einen Papst in der Tasche gehabt haben, auch wenn das bei seiner (politischen) Vergangenheit schwer vorstellbar ist. Die geschlossene Mannschaftsleistung, das durchdachtere Spiel zeigte der Aufsteiger.

Borussia dagegen deutete nur in der Mitte der ersten Hälfte an, dass in der Ansammlung von Einzelspielern durchaus Potenzial steckt. Eindeutig überlegen waren die Hausherren nur in Sachen Unkonzentriertheit.

Eine Rote Karte für Moses Sichone (Foul an Marcel Ketelaer/62.), erstickte das ansehnliche Spiel des FC, der zu diesem Zeitpunkt gerade daran war, sich eine Feldüberlegenheit zu erkämpfen und zu erspielen.

„Es passiert nicht oft, dass ich nach einer Niederlage mit dem Auftreten meiner Mannschaft zufrieden bin”, zeigte sich Kölns Trainer Friedhelm Funkel gefasst.

Verständlich: Mit sechs Neuzugängen in der Startelf - Gladbach nur zwei - war „schon erstaunlich viel Harmonie im Team. Darauf können wir aufbauen”.

Besonders zufrieden konnte der Fußball-Lehrer mit seiner starken Innenverteidigung (Dogan/Sichone) sein, die Arie van Lent komplett abmeldete. Funkel-Kollege Lienen erkannte, „dass wir uns sehr schwer getan haben, das Spiel zu machen”.

Mit einem wenn dann nur - aber nicht am Sonntag - defensivstarken Ojigwe hatte er nicht unbedingt auf Technik und Kreativität gesetzt. Die Korrektur mit Ulich kam eigentlich zu spät.

Glutofen Bökelberg, Gladbachs Ex-Präsident Karl-Heinz Drygalski, Dozent an der Sporthochschule Köln, fürchtete gar um das Leben der Profis. „Die Ozonwerte sind zu hoch. Wenn einer eine kleine Infektion hat...”

Etliche Fans waren da wohl eher Herzinfarkt gefährdet. Ab der 35. Minute. Da nahm sich die Lienen-Elf eine mentale Auszeit.

Erste Dehydrierungssymptome? Eher Konzentrationsmängel, die in einer Riesenchance für die Kölner mündete. Doch Jeff Strasser kratzte den Schuss von Christian Springer von der Torlinie (37.), nachdem zuvor Peer Kluge und Marcel Ketelaer sich mit dem Status als Zuschauer begnügt hatten.

Die Ordnung der Gladbacher war gefährlich verloren gegangen. Dabei schien die Heimelf kurz zuvor auf dem besten Wege, sich endgültig die Dominanz zu erschießen. Zweimal war es Bernd Korzynietz, der an FC-Keeper Stefan Wessels scheiterte (26./27.).

Womöglich hatte ein Urteil seines Gegenspielers Andrej Voronin Borussias Rechtsverteidiger angestachelt. „Er hat keine Erfahrung auf dieser Position. Ich glaube nicht, dass er ein gutes Spiel macht”, verkündete der ehemalige Gladbacher öffentlich.

Voronin selbst aber wurde bis dahin nicht nur von Korzynietz, sondern auch seinem Mit-Stürmer Marius Ebbers in den Schatten gestellt. Erst titschte der Kopfball des Ex-Duisburgers auf die Latte, kurz drauf streichelte Ebbers den Ball nach einem Lottner-Freistoß Stiel in die Arme (14./23.).

Die Hekto-Liter an Apfelschorle, die die Borussen zur Halbzeit zwangstrinken mussten, reichte nicht für einen klaren Kopf: Das Spiel franste weiter aus. Notdürftig geflickt wurde es ausgerechnet von einem Kölner.

Sichone grätschte den davon stürmenden Ketelaer von den Beinen. Schiedsrichter Merk zückte rot. „Die Karte war berechtigt. Moses hätte mitlaufen müssen. Es war nicht bösartig, aber er kam einfach zu spät”, befand Friedhelm Funkel und stellte fest: „Das Spiel war innerhalb einer Minute entschieden.”

Auch dafür sorgte ein Kölner. Matthias Scherz bugsierte den von Korzynietz nach dem Sichone-Foul geschlagenen Freistoß ins eigene Netz (62.)

Aber auch die Folgezeit nutzte Gladbach nicht, sich den Sieg zu verdienen. Zwar war durch die Einwechslung von Ivo Ulich für den enttäuschenden und vom Publikum zum Buhmann erkorenen Pascal Ojigwe etwas an Spielkultur ins Borussen-Spiel eingezogen.

Doch überlegenes oder gar überzeugendes Spiel sieht anders aus. „Klar war es heiß. Aber das war es für die Kölner auch”, mochte Arie van Lent nicht in eine Ausrede flüchten.