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Kaiserslautern: Ein Freundeskreis für „arme Teufel”

Kaiserslautern : Ein Freundeskreis für „arme Teufel”

Sein Vater hat ihm früher immer die Bundesliga-Videos besorgt. Doch da können die Pfälzer Theater-Stücke eigentlich dabei gewesen sein.

Wie sonst kann sich Mikael Forssell so über sein annulliertes Erstlingstor für Borussia Mönchengladbach wundern: „Ich gehe in die Box, mache drei Gegner nass und schieße den Ball ins Tor. In England hätte mein erstes Tor für Borussia bestimmt gezählt”, glaubt der Finne.

Die bizarren Gesetzmäßigkeiten am Kaiserslauterner Betzenberg und die ebenso bizarren Wahrnehmungen des Herrn Peter Sippel, des so genannten Unparteiischen bei der 0:2-Niederlage der Gladbacher Gäste, sind bis zum 9. Februar 2003 an Borussias Leiharbeiter vorbeigegangen.

Nicht an Christian Hochstätter, Sport-Direktor des Niederrhein-Klubs. „Herr Sippel hat ja auch von seinen sieben Roten Karten, die er bislang in der Bundesliga gezeigt hat, fünf gegen Gladbach gezogen.”

Derlei Auftritte von Schiedsrichtern waren zuletzt selten geworden auf der einst auch deshalb so gefürchteten Pfälzer Trutzburg. Doch schon beim 2:2 vor einer Woche auf Schalke hatte Referee Michael Weiner den Freundeskreis „Rettet die armen (roten) Teufel” gegründet.

Seine Stiftungsgeschenke: ein Tor von Agali annulliert, die Abseitsstellung beim 2:2 übersehen. Da ließ sich Peter Sippel nicht lumpen.

In Absprache mit seinem Assistenten entschied der Münchner auf Sichtbehinderung des Pfälzer Torwarts Wiese durch Ivo Ulich beim Forssell-Tor. Da muss dem Keeper wohl auf Höhe des rechten Ohres ein drittes Auge gewachsen sein.

Noch bunter trieb es Sippel mit Steffen Korell. In Halbzeit 1 zeigte er bei einem Zweikampf eine Schwalbe eines Pfälzers an - und gab Korell Gelb.

Nach der Pause erhöhte der Schiedsrichter auf Gelb-Rot, als der Gladbacher ohne Foul den Ball eroberte. „Ich dachte, ich spinne”, schüttelte Korell den Kopf.

Das absurde Theater ging weiter: Drei Minuten vor Schluss foulte sich der eingewechselte Teber selbst, Sippel aber sah ein Touchieren des kreuzenden Jeff Strasser: Miroslaw Klose durfte per Strafstoß zum 2:0 seine Torflaute beenden.

Dafür hatte Sippel gleich zu Beginn einen Kontakt zwischen Borussias Torhüter und Klose - Stiel: „Ich wollte mir seine Schuhe einmal anschauen” - übersehen.

Soweit, so schlecht die Schiedsrichter-Geschichte. Die muss nicht per se den Lauf der Bundesliga-Kugel allein bestimmen. Doch auch die Gladbacher traten dem Freundeskreis der Möchte-gern-Retter der Pfälzer bei.

Morten Skoubo vergab die Führung für die Gladbacher kläglich. Drei Minuten später nutzte Aleksander Knavs eine Unkonzentriertheit zum überraschenden 1:0 für den 1. FCK (35.).

Trotzdem blieb Borussia überlegen, die Angst der Gastgeber war selbst in Überzahl greifbar. Doch wie schon so oft fehlte die Tiefenschärfe und der letzte Wille, den Rückstand umzubiegen.

Zum Naturell kam ein objektives Handicap: Den Besten, Ivo Ulich, Peer Kluge und auch Forssell - alle Monate lang ohne Spielpraxis - schwanden mit zunehmender Spieldauer die Kräfte.

„Mit 10 haben wir Harakiri gespielt, was uns gut gelungen ist. Aber wir konnten unseren Vorteil nicht in Druck umwandeln”, analysiert Torhüter Jörg Stiel.

Doch der Schweizer ist zuversichtlich. „Wir müssen uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.”

Für die Aktion Münchhausen, die Sonntag gegen Hertha gestartet werden soll, verzichtet Stiel auf die Reise mit der Schweizer Nationalmannschaft nach Slowenien. „Köbi Kuhn hat dafür vollstes Verständnis”, lobt der Kapitän seinen Nationaltrainer.

Hochstätter und Forssell telefonierten zudem gestern mit dessen finnischem Kollegen. Der Deal: Der Stürmer kommt in Nordirland maximal 45 Minuten zum Einsatz.