Mönchengladbach: Dzeko für Arme gibt´s für Gladbach nicht

Mönchengladbach: Dzeko für Arme gibt´s für Gladbach nicht

Michael Frontzeck ist ein ehemaliger Verteidiger. Und davon profitieren auch seine Spieler. Auch oder gar speziell nach so ärgerlichen Niederlagen wie das 1:2 beim VfB Stuttgart. „Ich weiß nicht, wo wir hin sollen?”, fragt er inquisitorisch.

Und gibt vor, wovon Borussia Mönchengladbach anno 2010 noch meilenweit entfernt ist: „Sollen wir Stuttgart in Grund und Boden spielen?” Das momentan speziell auswärts auf Konter angesetzte „tiefe” Spiel seiner jungen Mannschaft ist für den Borussen-Trainer selbst bei spielstärkeren Teams üblich. „Auch Manchester United steht in München 35 Meter vorm Tor und Wayne Rooney erledigt Abwehrarbeit. Und die Bayern werden es am Mittwoch in Manchester auch nicht anders machen. Barca bildet da eine Ausnahme.”

Borussia ist nicht Barca

Borussia ist also nicht Barca, und auch nicht ManU. Borussia ist noch immer ein Grundschüler in der höchsten deutschen Spielklasse. Und die Lernziele werden Schritt für Schritt angegangen. Der nächste könnte und müsste sein, in der neuen Saison bei einem spielerisch stärkeren Gegner wie dem VfB die Konter besser zu setzen. „Wir haben die Räume nicht konsequent genutzt”, vergisst Frontzeck für wenige Sekunden einmal sein „Gluckenverhalten”.

Um etwaiger Kritik in Richtung Einstellung seiner „Küken” gleich aber einen Riegel vorzuschieben. „Sie haben sich mit Händen und Füßen gegen die Qualität der Stuttgarter gewehrt.” Mit mehr Qualität könnte auch der nächste Schritt einfacher werden. Durchschlagskraft im Sturm fehlt nach wie vor. „Struktur”-Stürmer Roberto Colautti soll durch einen Angreifer mehr als ersetzt werden, der ein Plus an Gradlinigkeit und Strafraumpräsenz bieten soll.

Genug Tempo-Stürmer

„Tempo vorne haben wir genug mit Reus, Matmour und Bobadilla”, sagt Frontzeck. Der Neue muss weiter sein in der Entwicklung als eben Bobadilla, kopfballstärker und dennoch kombinationsfähig wie Colautti. Verbunden mit einer erwiesenen Torjäger-Qualität ist sehr schnell klar: Auf dem deutschen Markt wird Sportdirektor Max Eberl Mister X mit dem Geld, was ihm zur Verfügung steht, kaum finden. Ein Dzeko für Arme ist hier nicht existent.

Der Prozess hin zur Spielbestimmung ist ein langwieriger. Der neue Stürmer könnte ein Schrittmacher sein, zumindest auch zu Hause einmal den Gegner früher zu stellen, die Kompaktheit ein Stück nach vorne zu schieben. Doch für all dies mahnt der Borussen-Trainer Geduld an. „Es gibt etliche Wege, den nächsten Schritt zu machen, aber er ist brutal schwierig.” Man könne es wie Wolfsburg machen und viel Geld in die Hand nehmen. Die andere Möglichkeit sei ein Überraschungscoup, wie ihn der VfL Bochum schon geliefert habe, als er sich im Jahr 2004 sensationell für den Uefa-Cup qualifiziert hat. Vorbild für Gladbach aber sei Eintracht Frankfurt. „Sie sind immer mal wieder kurz unten reingerutscht, aber haben sich doch relativ konstant geworden und haben mit viel Selbstvertrauen und spielerischer Qualität nun sogar die Chance, oben anzuklopfen.”

Da passt es, dass justament die hessischen „Vorturner” am Freitag im Borussia Park zu Gast sind. Die haben Frontzeck schon beim Sieg in Bochum imponiert. Dem VfL war die Niederlage gegen die souverän auftretende Skibbe-Elf um die Ohren gehauen worden. „Weil es Frankfurt war. Das wäre so nicht passiert, wenn der Gegner HSV oder Bremen geheißen hätte.” Gladbach ist also gewarnt, und Fußballlehrer Michael Frontzeck hat am Freitag eine hervorragende Möglichkeit zu beweisen, dass Lernfortschritte auch in den letzten fünf mal anderthalb Unterrichtsstunden möglich sind.