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Eindhoven: Drei Momente Dortmunder Klasse

Eindhoven : Drei Momente Dortmunder Klasse

Borussia Dortmund knipste im Philips-Stadion die Lichter für den PSV Eindhoven in der Champions League wohl schon aus.

„Ich bin Realist”, stellte Guus Hiddink mit tapferem Blick in die TV-Kameras fest, schluckte und sprach desillusioniert weiter: „Wir sind enttäuscht, aber das wirft uns nicht um.” Eine Woche nach dem 0:4 gegen Arsenal London auch gegen den Deutschen Meister verloren.

Das war mehr, als der Durchschnitts-Fan in Brabant verkraften konnte. Gnadenlose Pfiffe für das eigene Team und eine Massenflucht aus dem Stadion, als Borussias Torjäger Marcio Amoroso in der Nachspielzeit das 3:1 erzielt hatte.

„Wir müssen taktisch und mental lernen”, sagte Guus Hiddink. „Wir haben einige Jungs, die auf dieser Ebene noch keine Erfahrung haben. Und das macht den Unterschied zu den wirklich großen Mannschaften aus.” Zu diesem illustren Kreis zählt er auch die Dortmunder.

„Die haben uns gezeigt, was international ab geht. Die Realität in der Champions League ist eben eine andere”, fasste Südkoreas WM-Held und Ehrenbürger seine Sicht der Dinge zusammen.

Und das war wohl nicht nur die Höflichkeit des Gastgebers, die Hiddinks Diktion bestimmte. Vielmehr hatte ihn die Art und Weise beeindruckt, wie Dortmund aufgetreten war. Taktisch diszipliniert, laufstark und engagiert. Was den derzeit bestbezahlten Fußballlehrer der Niederlande immer schon am deutschen Fußball beeindruckt hat.

Doch diesmal kam eine entscheidende Komponente hinzu: Genialität, die die individuelle Klasse eines Tomas Rosicky oder Marcio Amoroso ausmacht. Wie der schmächtige Tscheche mit dem kantigen Bögelund den Kasper machte und so abspielte, dass Jan Koller einfach nicht mehr vorbei schießen konnte, oder ein Solo übers halbe Feld mit dem 2:0 abschloss - Rosickys Esprit war an diesem Abend allein schon das Eintrittsgeld wert.

Oder wie Amoroso vor seinem Treffer mit einer Körperdrehung die komplette PSV-Abwehr matt setzte. Dortmunder Momente mit Klasse.

„Wir haben phasenweise schon besser gespielt als zuletzt”, befand auch BVB-Trainer Matthias Sammer. Jetzt noch ein Sieg am 22. Oktober gegen Eindhoven, und die Zwischenrunde wäre so gut wie erreicht. „Ich hoffe, dass wir diese Position nicht mehr her geben.”

Doch Sammer wäre nicht Sammer, hätte ihn dieser Auftritt bei PSV nicht zu Gedanken grundsätzlicher Art animiert. „Ich hoffe, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben”, holte der 35-Jährige aus, um dann den Borussen-Anhang aus allen Träumen zu reißen: „Wir sind dabei, uns zu stabilisieren. Was bis jetzt in dieser Saison passiert ist, ist Kokolores. Das sind nur Momentaufnahmen. So richtig interessant ist es doch, was im Oktober und November passiert.”

Dann dürfte der letzte PSV-Strohhalm schon geknickt sein. „Aus meiner Sicht sind die beiden ersten Plätze an Arsenal und Dortmund vergeben”, kommentierte Guus Hiddink die Situation in der Gruppe A.

Die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu verringern - dieses Ziel hat sich Hiddink für den Rest der Saison gesteckt. Der Mann wirkte ernüchtert. Denn nationaler Erfolg allein reicht ihm und auch den PSV-Mächtigen nicht.

Den hatten sie auch ohne Hiddink. Und Hiddink haben sie geholt, weil sich dort, wo er war, auch der internationale Erfolg eingestellt hat.

Über das mutmaßliche Aus in der Champions-League-Vorrunde tröstet auch die makellose nationale Bilanz nicht hinweg: Sechs Spiele, sechs Siege. „Die Ehrendivision allein kann für PSV nicht der Maßstab sein”, sagt Hiddink. Er will PSV wieder ins rechte Licht rücken.