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„Diese Entwicklung ist auch für mich eine kleine Genugtuung”

„Diese Entwicklung ist auch für mich eine kleine Genugtuung”

„Vergesst die Alten nicht”, warnte Arie van Lent schon früh in der Saison. Als Borussias damaliger Trainer Ewald Lienen mehr oder weniger unter Zwang dies beherzigte, war es zu spät.

Sein Nachfolger Holger Fach setzte von Anfang an auf die Borussen-Oldies van Lent (33) und Torhüter Jörg Stiel (35). Beide dankten es ihm mit herausragenden Leistungen, beide stehen für den Aufschwung der letzten Wochen. Mit Gladbachs altem und neuem Torjäger Arie van Lent sprach unser Redakteur Bernd Schneiders.

Mit Ihrer Vorlage zur Führung und dem Tor zum 2:1 bei 1860 haben Sie die Vertragsverlängerung Ihres Trainer forciert. Ihren eigenen Kontrakt nicht?

Van Lent: Holger Fach hat mir gleich in der Kabine gesagt: Arie, du Wahnsinniger! Was hast du gemacht?! Aber im Ernst, ich freue mich unheimlich, dass er verlängert hat.

Aber wie siehts bei Ihnen aus?

Van Lent: Ich möchte gerne noch zwei Jahre spielen. Deshalb hoffe ich, dass sie mich mich bald ansprechen.

Also war es auch ein Tor in eigener Sache?

Van Lent: Ich habe nicht optimal gespielt, war aber zweimal beteiligt. Wenns aber so läuft, spiele ich gerne mal schlecht.

Es war das zweite Spiel in Folge, in dem ihr nicht sonderlich gutgespielt, aber trotzdem gewonnen habt. Ist das eine neue Qualität der Borussia?

Van Lent: Das mag sein. Manchmal war es auch nur das berühmte Quäntchen Glück, was vorne fehlte. Die Sechziger konnten ihre Chancen nicht nutzen, wir wohl. Dabei hieß es doch zuerst: Die Stürmer schießen keine Tore, dann waren wir plötzlich in zwei Wochen alle erfolgreich. Dann hieß es: Das Mittelfeld ist nicht torgefährlich - und plötzlich traf das auch. So schnell kanns gehen. Deshalb darf man sich freuen über die letzten Wochen. 19 Punkte, damit hat kaum einer noch gerechnet.

Was ist für diese Mannschaft noch machbar?

Van Lent: Ich halte mich mit Prognosen zurück. Deshalb war mich für mich das Ziel Platz 9 zu Beginn der Saison auch Blödsinn. Wir müssen zusehen, dass es in den kommenden Monaten so positiv weitergeht wie zuletzt. Dann können wir hoffentlich auch mal ganz ganz vorsichtig nach oben schielen. Für mich aber ist ein Platz 9 dann wurscht. Dann doch lieber gleich auf einen UEFA-Cup-Platz.

Was macht denn diese Mannschaft aus?

Van Lent: Sie ist intakt. Und das sorgt für Extra-Punkte. Seit Jahren ist das schon so. Es gab immer nur ein, zwei Querulanten, die dann auch weggegangen sind.

Aber auch Sie kamen zu Anfang der Saison nicht zum Zuge. Van Lent: Als ich außen vor war, bin ich trotzdem nie in die Öffentlichkeit damit gegangen. Ich habe auf die Chance gewartet, mich zu beweisen. Jetzt fühle ich mich sehr wohl. Auch weil wir mit Holger Fach einen Trainer haben, der genau weiß, wie die Spieler sich fühlen.

Ewald Lienen war der Ansicht, die Alten wie Sie und Jörg Stiel müssten noch mehr trainieren, um die Leistung zu bringen. Was kam dabei heraus?

Van Lent: Man fühlt sich ständig müde, wenn man mehr macht und wird immer schlechter. Ich bekam nur noch Kurzeinsätze von 20 Minuten. Nur gegen Köln war ich in der Startformation, aber da fehlte mir in den entscheidenden Momenten die Kraft. Unter Fach kommt die Mannschaft immer besser in Schuss. Und auch vom Laufen her haben wir die Gegner bisher alle beherrscht. Und der Abschluss in München war Wahnsinn. Ich weiß, dass in der ersten Phase der Spielzeit bei mir nicht alles optimal war. Ich weiß aber auch, dass ich nicht so schlecht war. Klar ist die Entwicklung dann auch eine kleine Genugtuung für mich.

Weil plötzlich aus zwei Wackelkandidaten zwei Führungsspieler geworden. Fühlen Sie sich als solcher?

Van Lent: Weiß ich nicht. Vielleicht bin ich einer, der normal geblieben ist. Ein paar Jahre im Verein ist, Tore schießt und mit dessen Namen man, wenn man ihn im Fernsehen oder Radio hört, Mönchengladbach verbindet. Auf jeden Fall bin ich kein Schreihals, und auch Jörg nicht. Der kann sich zudem noch gut artikulieren. Und besitzt obendrein noch mehr Erfahrung als ich.

Aber mit dem Führungsspieler verbindet man eben auch die großen Gesten und das entsprechende Gehabe.

Van Lent: Die Zeit der Feldherren ist vorbei. Man muss sich gegenseitig helfen. Auch ich brauche Hilfe. Ich habe überhaupt nichts dagegen zu laufen. Und wenns persönlich nicht gut läuft, muss ich zumindest laufen und versuchen zuzumachen oder Löcher zu reißen. Und wenn du läufst, dann bekommst du irgendwann auch wieder deine Tor-Chance.

Ihr Ex-Kollege Peter Nielsen wird Trainer. Wann ist es für Sie Zeit aufzuhören?

Van Lent: Ich spiele noch zwei Jahre. Peter war damals unter Hans Meyer topfit. Genauso macht das nun Holger Fach mit mir. Ich brauche mittlerweile ein bisschen länger zum Regenerieren. Aber dann kann ich 90 Minuten voll gehen.

Viele haben Probleme damit, den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören zu erkennen.

Van Lent: Man muss selbstkritisch sein. Das bin ich. Allerdings kann es auch so mal passieren, dass es zwei, drei Monate nicht optimal läuft. Wenn man dann älter ist, heißt es gleich - der bringts nicht mehr. Dabei kann es ein ganz normales Formtief sein.

Martin Max ist bereits 35, macht immer noch seine Tore. Hat er einen Vorteil durch seinen eleganteren Stil?

Van Lent: Ich spiele aufwändiger, das stimmt. Aber ich brauche das. Ich bin nicht der Schnellste. Ich bin ein Arbeiter. Einer, der immer in Bewegung sein muss für die entscheidende Zehntel-Sekunde. Aber das tue ich gerne. So war ich immer schon. Sogar damals bei den Bremer Amateuren.

Eine sehr deutsche Eigenart.

Van Lent: Ja. Aber mein Vater ist auch so. Er gibt immer 100 Prozent, auch wenn es fast nie klappt.