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Mönchengladbach: Die Wahl der Qual: Gähnen oder Tränen

Mönchengladbach : Die Wahl der Qual: Gähnen oder Tränen

Je nach Naturell kann der geneigte oder auch inzwischen ungeneigte Anhänger von Borussia Mönchengladbach den kommenden Spieltag unterschiedlich kommentieren.

Mit einem Gähnen, weil es für beide Mannschaften eigentlich um nichts mehr geht - es sei denn den abzuliefern, trotz aller Tiefschläge, eine gesunde Portion an professioneller Einstellung zu besitzen. Oder aber mit ein, zwei Tränen in den Augenwinkeln, angesichts eines Traditionsduells, das in grauen Vorzeiten Spannung, Dramatik, hohe Fußballkunst und heißes Ringen um die Meisterschaft verhieß.

Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München also, das Duell eines Alt- mit einem inzwischen ebenfalls ehemaligen Abo-Meister. Da wundert´s kaum, wenn „Alt”-Trainer Ottmar Hitzfeld für das fröhlich Treiben im Borussia-Park ankündigt: „Wir sind im Umbruch. Die aus dem zweiten Glied können zeigen, was sie drauf haben”, sagte der Mann, der vor wenigen Wochen ausgezogen war, den Münchnern neue alte Stärke einzuhauchen und beim Reanimier-Versuch feststellen musste, dass sowohl bei ihm als auch den Spielern die Puste für jedwede erfolgreiche Titeljagd fehlte.

Eine halbwegs mit Stammkräften getunte B-Auswahl, der Preis des seit Wochen ausverkauften ehemaligen Schlagers wird nicht mehr angepasst werden können. Wohl auch deshalb verspricht Jos Luhukay, die Partie nicht zum Experimentierfeld zu missbrauchen. „Das Spiel muss man mit aller Ernsthaftigkeit angehen”, fordert der Borussen-Trainer.

Natürlich fällt neben Torhüter Kasey Keller und Oliver Neuville auch Steve Gohouri (gelbrot-gesperrt) aus. Doch „die, die auflaufen, sind die, die auf ihren Positionen die beste Qualität besitzen”, sagt der Niederländer. In der Innenverteidiger glaubt Luhukay sogar die Qual der Wahl zu haben: Zé Antonio steht seit Montag wieder im Mannschaftstraining und könnte gemeinsam mit Bo Svensson wieder das alte Innenverteidiger-Paar bilden, für dessen Scheidung Steve Gohouri verantwortlich ist.

„Eine gute Alternative ist auch Robert Fleßers, der immerhin U21-Nationalspieler und voll im Rhythmus ist.” Dazu stoßen die Nachwuchskräfte Marko Marin und Moses Lamidi. Der Wunsch des Gladbacher Trainers: „Wir sind es den Fans schuldig, ein gutes Spiel zu zeigen. Und Bayern ist ein Gegner, gegen den du immer motiviert sein und bereit sein musst, alles aus dir herauszuholen.”

Eine Verpflichtung den 53.000 Zuschauern im Borussia-Park gegenüber also, Hitzfeld erhöht die Frage der Ehre um ein Mehrfaches. „Ich erwarte von der Mannschaft den Stolz, dass sich jeder bewusst ist, dass wir 13 Millionen Fans haben. Wenn wir nicht gut spielen, müssen wir aber läuferisch alles geben.” Die Münchner müssen auf die Verletzten Willy Sagnol, Lukas Podolski, Sebastian Schweinsteiger, Valerién Ismael und Owen Hargreaves sowie die gelb-gesperrten Mark van Bommel und Hasan Salihamidzic verzichten.

Zudem darf sich Michael Rensing schon mal einüben auf die Post-Kahn-Ära. Der 22-Jährige spielt für die Torhüter-Ikone Oliver Kahn. „Ich will damit keinen Konkurrenzkampf anheizen. Kahn ist gesetzt in der nächsten Saison, er bleibt die Nummer 1. Das weiß auch Michael Rensing”, erklärt der Bayern-Coach.

Die Nummer 1 in der Borussen-Hierarchie ist auch weiterhin der in die Kritik geratene Präsident Rolf Königs, der vor einer Woche vom Aufsichtsrat wiedergewählt wurde. Der Gladbacher Klub-Chef aber lässt es sich als guter Gastgeber nicht nehmen, den eigentlich hochkarätigen Besuchern aus dem Süden der Republik beizustehen. „Natürlich wäre es schöner, wenn das Spiel unter anderen Vorzeichen stattfinden würde. Auch die Bayern haben eine für ihre Verhältnisse unbefriedigende Saison gespielt. Dennoch habe ich wenig Verständnis für die Kritik, die es momentan an der Vereinsführung der Münchner gibt”, erklärt der Gladbach-Boss im Vereinsheft „Fohlenecho”. „Nach allem, was dort in den letzten Jahren geleistet wurde, müssten Uli Hoeneß und Karlheinz Rummenigge eigentlich außerhalb jeder Kritik stehen. Doch wer Erfolg hat, hat auch viele Neider, und die kommen nun zum Vorschein.”

Möglicherweise schwingt in diesen Worten eine leichte Sehnsucht mit: Auch einmal jammern zu dürfen auf hohem Niveau. Und immerhin ist es ja nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Borussia nicht nur einen verbalen Beitrag leistet zur Aufrüstung des angeschlagenen Branchenführers. Wenn man etwa Marcell Jansen - für gutes Geld versteht sich - Richtung Isar ziehen lässt.