Mönchengladbach: Die Suche nach der Mitte geht weiter

Mönchengladbach: Die Suche nach der Mitte geht weiter

Er hätte Größe beweisen können nach dem Studium von Fernsehbildern, doch Dr. Jochen Drees hatte aus seiner Sicht alles richtig gemacht.

Weder das Handspiel von Mönchengladbachs Roel Brouwers im eigenen Strafraum, noch den Check von Frankfurts Maik Franz gegen Mohamadou Idrissou ordnete der Allgemeinmediziner vom SV Münster-Sarmsheim als elfmeterwürdiges Vergehen ein, was ein Großteil seiner Kollegen getan hätte. Und weit mehr als der Großteil aller erstklassigen Schiedsrichter, mutmaßlich 99 Prozent, hätten Idrissous Kopfball nicht die Anerkennung verweigert.

Borussias Stürmer habe Eintracht-Torwart Oka Nikolov zu hart angegangen, behauptete indes Drees, gab aber partout nicht preis, bei welchem Fernsehsender er sich seine exklusive Meinung angeeignet hatte. Diese Bilder hätte man auch einmal gerne gesehen...

Idrissou führte nach seinem einwandfreien Einsatz als Zeugen namentlich den zu hart Angegangenen selbst, dazu Marco Russ, Franz und Halil Altintop an: Sie alle hätten ihm erklärt, dass es ein reguläres Tor gewesen sei. Es wäre in diesem Moment der Ausgleich zum 1:1 gewesen (34. Minute), statt dessen stand es 120 Sekunden später 0:2.

„Ein Knackpunkt” sei das gewesen, ordnete Max Eberl diese 120 Sekunden bei der happigen 0:4 (0:2)-Niederlage von Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt ein. Den Knackpunkt fand Borussias Sportdirektor aber natürlich nicht spielentscheidend, es war nicht so, dass Eberl seiner Mannschaft an diesem Tag wirklich etwas zugetraut hätte: „Wir hätten noch drei Stunden spielen können, ohne ein Tor zu erzielen.” Dann hätte die Borussia halt „nur” 1:4 verloren. Sie hätten aber auch noch viel höher verlieren können, wenn sich die fußballerisch, taktisch, technisch, läuferisch und kämpferisch an diesem Tag vorzüglichen Hessen nicht nach dem vierten Treffer (64.) mit dem Verwalten des satten Vorsprungs begnügt hätten.

Max Eberl hatte noch ein paar Banalitäten parat, „das ist Fußball” und „die Bäume wachsen nicht in den Himmel”. Dort hatten sie für manch einen schon Wurzeln geschlagen nach dem furiosen 6:3-Triumph in Leverkusen vor zwei Wochen. Auch in den Köpfen der Spieler?

„Das wäre aberwitzig”, urteilte Trainer Michael Frontzeck, „keiner im Verein hat Frankfurt auf die leichte Schulter genommen.” Frontzecks Augen funkelten gefährlich bei diesen Aussagen; der Trainer weiß genau, dass nach den zweiwöchigen Jubelfeiern nun die einwöchige Miesmacherei folgt. „Es gibt Spiele, die so laufen, das müssen wir hinnehmen.”

Vielleicht hatten im Unterbewusstsein die Lobeshymnen aber doch für ein bisschen Sorglosigkeit gesorgt, denn das Zweikampfverhalten aller Borussen war einfach schlecht, die Räume wurden nicht zugemacht, zu oft wurde eine komplizierte statt eine einfache Lösung gesucht, kurz: Die Mannschaft war nicht organisiert.

Die Mitte finden zwischen den Leistungen bei den Spielen gegen Nürnberg und in Leverkusen wollte der Trainer bei der Partie gegen Frankfurt, die Findungsphase ist verlängert worden; in Stuttgart am kommenden Samstag geht die Suche weiter. 1:1, 6:3, 0:4, noch ist die Borussia eine Wundertüte. In der steckt zwar einiges an Offensivpotenzial, aber nach 270 Liga-Minuten ist nicht zu übersehen; die Defensive ist längst nicht so stabil, wie sie sein müsste, um ein sorgenfreies Dasein fristen zu können.

Bei allen Frankfurter Toren durch Benjamin Köhler (24.), Theofanis Gekas (36. und 64.) sowie Patrick Ochs (50.) offenbarte die Abwehr eklatante Schwächen - wie Dr. Drees an der Pfeife. Der gab am Ende eines für ihn und die Borussia einfach schlechten Tages immerhin zu, bei der Foul-Entscheidung gegen Idrissou „habe ich die falsche Gestik gewählt”, indem er zunächst eindeutig ein Tor angezeigt hatte.

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