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Aachen: Die Emanzipation vom SC Paderborn

Aachen : Die Emanzipation vom SC Paderborn

Zunächst einmal ging der junge Mann am Donnerstag auf Wohnungssuche. In der City müsse es nicht gerade sein, da bevorzuge er etwas Ruhe vor den Toren Aachens. Mit 21 Jahren zieht Daniel Brinkmann zum ersten Mal raus aus dem gewohnten Umfeld, aus der Beschaulichkeit von Ostwestfalen.

Etwas zu bewahren vom Lebensgefühl, das ist ein verständlicher Wunsch, erst recht, wenn es in den letzten Wochen der noch jungen Karriere des Profifußballers Brinkmann vorbei war mit der Ruhe. Nun muss er sich völlig neu orientieren, seit Sonntag ist er in der großen, fremden Stadt und seit drei Tagen der „Frischling” in einem ihm unbekannten Kader. Alemannias Zugang vom SC Paderborn überlegt und formuliert bedächtig - erst mal die Lage peilen.

Ab Januar darf Daniel Brinkmann wieder eingreifen in den Ligabetrieb. „Ich will mich schnellstmöglich in die Mannschaft spielen und mit dem Team Erfolg haben”, sagt der aktuelle Jörg-Schmadtke-Fang aus der Kategorie „jung, deutsch, entwicklungsfähig”. In Paderborn zählte er schon als 19-Jähriger zum Stamm, Anfang 2007 schaffte er es gegen Italien sogar zum U21-Nationalspieler, eine weitere Einladung von Dieter Eilts folgte, „aber da musste ich wegen Bänderriss passen”.

Seine ehemaligen Trainer loben die Schnelligkeit, Ballbehandlung, die Offensivstärke als Flankengeber, „Daniel ist universell einsetzbar”, sagt sein neuer Coach Guido Buchwald. Als „Sechser”, als offensiverer Part in der „Doppel-Sechs”, rechts im Mittelfeld oder auch in der Viererkette - Brinkmann hat schon einige Aufgaben erledigt. „Ein talentierter Fußballer”, bescheinigt Holger Fach.

Doch ohne Zukunft in Paderborn: Ende Oktober wurde Brinkmann suspendiert, nachdem er sich - so der Vorwurf des Vereins - geweigert haben soll, in der zweiten Mannschaft zu spielen. Von nachlässiger Moral und Egoismus war zu hören, ein „Wiederholungstäter”, den Pavel Dotchev bereits zwei Jahre zuvor freigestellt hatte. Die Beteiligten blocken: „Für Außenstehende ist das schwer zu beurteilen, ich möchte auch nicht mehr darüber reden, es wäre nicht sinnvoll”, sagt Brinkmann. „Vielleicht ist der Wechsel der richtige Schritt für Daniel, um aus der gewohnten Umgebung rauszukommen”, sagt Fach, „und damit meine ich nicht den sportlichen Aspekt.”

Ein sozialer Pflegefall? „Man kommt gut klar mit mir”, versichert Brinkmann und verweist auf das „Super-Verhältnis zu Jos Luhukay, ein Trainer, der viel Wert auf Disziplin legt”. Natürlich habe es Kontakt zum jetzigen Trainer von Borussia Mönchengladbach gegeben, nachdem der Vertrag in Paderborn aufgelöst war. Es gab konkrete Angebote anderer Klubs, der FC Augsburg und die SpVgg Greuther Fürth buhlten um Brinkmann - Alemannia erschien als die beste Wahl. Erster Eindruck: „Ich komme in eine total intakte Mannschaft, ich wurde toll aufgenommen.” In der Rückrunde will die Nummer 14 in den neuen Farben „oben angreifen. Natürlich geht da noch was.” Die Emanzipation vom SC Paderborn: „Neun Jahre war ich da. Relativ solide für ein Problemkind...”