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Leverkusen: Die drei Phasen des Abschieds vom europäischen Traum

Leverkusen : Die drei Phasen des Abschieds vom europäischen Traum

„Es war ein kurioses Spiel”, befand Marcell Jansen. Eine 1:2-Niederlage in Leverkusen, nicht weiter überraschend bei der notorischen Auswärtsschwäche der Mönchengladbacher Borussen.

Aber nicht nur ihr Nationalspieler sortierte das Match in die Rubrik „nicht alltäglich” ein. „Wir müssen 90 Minuten guten Fußball spielen. Nicht nur 15 Minuten zu Anfang und am Ende”, forderte Bayer-Coach Michael Skibbe für die nahe Zukunft, in der Leverkusen die eigentlich verdorbene Saison noch mit einem Uefa-Cup-Platz geschmacklich aufpeppen soll.

Dieses Drei-Phasen-Spiel also bescherte den Gästen den endgültigen Abschied von europäischen Träumen. Die Borussia musste als Tabellenzehnter sogar den Nürnberger Club ihres ehemaligen Trainers Hans Meyer an sich vorbeiziehen lassen.

Phase 1: Leverkusen forsch, Gladbach konfus, die quirligen und rochier-gierigen Bayer-Stürmer legten die Mängel der Borussen-Abwehrspieler beim Übernehmen schonungslos bloß. Trotzdem nur ein Treffer durch Simon Rolfes (11.). „Wir haben die Tore selbst geschossen”, vereinnahmte ein aufgebrachter Jansen auch den Auftakt für sein Team. „Ein solches Tor darfst du in 34 Spielen nicht ein Mal kriegen.”

Hauptbeschuldigter: Ze Antonio, der einen Querpass von Jeff Strasser verarbeiten statt wegschlagen wollte und Dimitar Berbatov bediente, dessen Pfostenschuss von Rolfes endgültig verwertet wurde. „Fehler passieren nun mal”, murmelte der portugiesische Unglücksrabe. Gefüttert worden aber war er mit einem Risiko-Pass des Luxemburgers.

Der kämpfte als „Mit-Täter” wenig erfolgreich gegen sein Image und für Entlastendes. Warum er den Ball nicht weggeschlagen habe? „Dann heißt es wieder, der Strasser haut nur lange Bälle. Ich habe einen normalen Ball gespielt, das wars”, wusch der Verteidiger seine Füße in Unschuld.

Phase 2: „Der Bruch kam mit der Gelb-Roten Karte. Wir waren nicht mehr so aggressiv, jeder dachte, er kann einen Schritt weniger machen und war nicht mehr so konzentriert”, beschrieb Michael Skibbe das allseits bekannte Phänomen: Zehn gegen neun - und der Vorteil liegt bei den zahlenmäßig Unterlegenen.

Niels Oude Kamphuis hatte den Bayer-Profis diese Suppe eingebrockt. Der niederländische Mittelfeldspieler spielte den selbsternannten Rächer. Jens Nowotny hatte Eugen Polanski aus dem Spiel und wohl auch aus der Saison gegrätscht. Der Gladbacher Jungspund zog sich bei dem nur mit Gelb geahndeten Foul des Routiniers eine Knochenabsprengung im Fußwurzelbereich zu.

Oude Kamphuis suchte erst den Körper-Kontakt mit dem Übeltäter, dann musste Carsten Ramelow stellvertretend für die Rachegelüste des wenig später fliegenden Holländers herhalten (Gelb). Letzte Station war die Umarmung Rolfes, die der Niederländer anders als Schiedsrichter Babak Rafati interpretierte. „Hassan (El Fakiri) spielt Foul, und der Gegenspieler fällt mir sozusagen in die Arme. Das sah nach Gelb aus, war es aber nicht.”

Leiden musste unter dem Platzverweis nur die Werbebande, die Oude Kamphuis beim Abgang malträtierte. Seine Kollegen profitierten: Der Gelb-Rote Ruck, der durch die Borussen ging, mündete im Ausgleich durch den Ex-Leverkusener Oliver Neuville (48.).

Phase 3: Zwei Trainer, zwei Entscheidungen, die Entscheidung: Skibbe legte mit der Einwechslung von Jacek Krzynowek (63./für Voronin) und Marko Babic (77./für Ramelow) vor. Horst Köppel zog nach und den Kürzeren: Kahé (68./für Nando Rafael) und Bo Svensson (79./für Neuville). Leverkusens Spiel wurde breiter, gefährlicher - Gladbach schaffte es mit nur einem Stürmer nicht mehr, sich zu befreien.

„Oliver hat gesagt, er sei platt”, rechtfertigte der Trainer seine defensive Einwechslung. Der Stürmer war zwei Mal zur Seitenlinie gelaufen, um mit Köppel zu diskutieren. „Ich wollte raus”, bestätigte Neuville einen Teil der Gespräche. Zu einem möglicherweise anderen Thema „sage ich nichts”. Etwa einem Protest gegen die zu defensive Ausrichtung.

„Das hatte ich auch erst gedacht, als Olli kam. Aber das war nicht so. Und das geht ihn auch nichts an”, wölbte Köppel seine Trainer-Brust. Ein starker Trainer, eine starke Leverkusener Schlussphase, ein starker Abgang: Rolfes erzielte Treffer Nr. 2 (84.) und wird sich auch nicht über Peer Kluges Einordnung grämen: „Das war ein Ping-Pong-Tor.”