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Hamburg: Die Angst der Trainer vor den Kameras

Hamburg : Die Angst der Trainer vor den Kameras

Gladbachs Trainer Hans Meyer genoss die „Ruhe” und die herrliche Aussicht in der mit 51 616 Zuschauern gut gefüllten AOL-Arena.

Das Tohuwabohu der Kamerateams spielte sich zehn Meter weiter südlich der Seitenlinie ab. Dort, wo HSV-Coach Kurt Jara auf seinem „wackeligen” Stuhl Platz genommen hatte und im Blitzlicht-Gewitter mit den Wimpern zuckte.

„So schön bist Du doch gar nicht”, frotzelte Meyer später in Richtung seines Antipoden. „Ich bin froh, dass der hässlichere gewonnen hat”, konterte der Österreicher - 1:0 für Jara.

Genauso hatte es auch nach 90 Minuten gestanden. Ein Kopfball aus gut 20 Metern entschied ein schlechtes Bundesligaspiel (48.). Torschütze Erik Meijer konnte sein Glück kaum fassen: „Wenn du einen dicken Kopf hast, geht so ein Ball eben auch mal rein.”

Dass der HSV zuvor nicht einmal gefährlich vor das Gladbacher Tor gekommen war und nach dem Treffer noch einen Gang zurückschaltete, gefiel jedoch auch dem Niederländer nicht wirklich: „Wir, auch ich persönlich, haben nicht gut gespielt. Aber ich habe das Siegtor gemacht, das war entscheidend. Diese drei Heimpunkte sind sehr wichtig, denn auswärts holen wir ja im Moment nichts.”

Was die Hamburger schlecht machten, konnten auch die Gladbacher nicht besser. Schöngerede wie Markus Münchs „wir haben hinten nicht viel zugelassen und es Hamburg so sehr schwer gemacht, also haben wir gezeigt, wie stark wir sind” wollte Sportdirektor Christian Hochstätter nicht stehen lassen: „Das war ein verdienter Sieg für den HSV. Wir haben es nicht geschafft, aus der offensichtlichen Nervosität der Hamburger Kapital zu schlagen. Es gibt neben dem nach hinten auch ein nach vorne.”

Und in diese Richtung lief bei den Borussen herzlich wenig zusammen. Hans Meyer hatte Marcel Ketelaer erneut draußen gelassen und auf die Flügel-Karten Aidoo und van Houdt gesetzt.

Trümpfe hatte er nicht gezogen. Beide gehörten zwar zu den besseren Gladbachern, verhungerten aber mangels „Futter” aus dem Mittelfeld, aus dem sich Peer Kluge, der auch gegen 1860 München ausfällt, bereits nach einer halben Stunde mit einer Scheinbein-Reizung verabschiedet hatte.

Markus Hausweiler war nicht zu sehen, und die Nr. 3 im Kreativ-Zentrum, Marcel Witeczek, unterstützte mehr die Abwehr, als dass er das Spiel nach vorne ankurbelte. „Das war zu wenig Fußball von uns, wir haben die Bälle nur geschlagen”, konstatierte der Kapitän, „das Tor kurz nach der Pause hat einen Strich durch unsere Kontertaktik gemacht, da haben wir geschlafen.”

Zu Witeczeks 400. Bundesligaspiel gab es zumindest von Co-Trainer Michael Frontzeck einen warmen Händedruck und Glückwunsch - „Willkommen im Klub!”

Kurt Jaras Trainerstuhl wackelt nach dem Erfolg nun ein bisschen weniger. „Jetzt müssen wir gegen 1860 München gewinnen, sonst stehen die Kameras bald vor meiner Trainerbank”, fürchtet Hans Meyer.

Jara wird die neue „Ruhe” freuen: „Ich wäre froh, wenn die Kameras nun weg wären. Denn in diesem Spiel bin ich um Jahre gealtert.”