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Leverkusen: Die Ära Toppmöller endet wie immer...

Leverkusen : Die Ära Toppmöller endet wie immer...

In den Katakomben der BayArena war es kalt. Eiskalt. Klaus Toppmöller stand in einer Ecke, in gewohnter Manier vor den Namenszügen der Sponsoren postiert. Die lesen ihr Logo auch nach 1:2-Niederlagen gegen Hansa Rostock gerne.

Mit stoischer Ruhe ergab sich Toppmöller dem Schicksal des Verlierers. Bohrende Fragen, quälende Antworten.

Toppmöller kennt die Fragen, hat Antworten. Die gleichen wie in der letzten Woche. Und davor. Und davor. Doch diesmal ist es anders.

Es sollten die letzten öffentlichen Amtshandlungen des Fußballtrainers Klaus Toppmöller in Namen seines Arbeitgebers Bayer 04 Leverkusen sein.

Toppmöllers Worte waren kämpferisch: „Ich sage den Spielern immer, dass sie nie aufgeben sollen. Und ich bin genauso.” Doch der Ton seiner Stimme, die Kälte seiner Gesichtszüge erzählen die Geschichte von Platz 15, von fünf Niederlagen in Serie, von 119 Tagen ohne Heimsieg.

Dann ist Schluss. Toppmöller schleicht wie ein geprügelter Hund in den Kabinentrakt. Auf dem Fernseher über seinem Haupt schießen die Bayern ein Tor. Wen interessieren in Leverkusen noch die Bayern?

Zwölf Stunden später griffen die Mechanismen des Geschäftes. Das Training am Sonntagmorgen leiteten Toppmöllers Assistenten Peter Hermann, Ralf Minge und Toni Schumacher.

Geschäftsführer Reiner Calmund - im schwarzen Anzug, Marke Bestattungsunternehmer - verkündete mit kleinen Augen die bittere Botschaft: „Ab sofort ist Klaus Toppmöller nicht mehr Cheftrainer bei Bayer 04 Leverkusen.”

Es war die Konsequenz der Negativserie. Nach „ordentlichen” (Calmund) Gesprächen war der Abschied beschlossen. „Uns blieb keine andere Wahl. Die Uhr hat auf Zwölf gestanden, und wir konnten keine Sekunde mehr warten”, erklärte Calmund.

Für den Dienstag in der Champions-League gegen Newcastle United wird Amateurtrainer Thomas Hörster auf die Trainerbank zitiert, möglicherweise auch für Samstag in Hannover. „Er ist ein guter Taktiker, ein erstklassiger Trainer”, lobt Calmund vorab. Über eine endgültige Beförderung wurde noch nicht gesprochen. Hörster für Toppmöller - so lautet die Kurzversion.

Klaus Toppmöller kennt diese Mechanismen. Er kennt sie gut. Er kennt sie aus Salmrohr, aus Ulm, Mannheim, Frankfurt, Bochum und Saarbrücken. Und der 51-Jährige aus Rivenich an der Mosel kennt den toppmöllerschen Erfolgszyklus. In Salmrohr, Ulm, Mannheim, Frankfurt und Saarbrücken war spätestens im zweiten Jahr Schluss.

Nun also Leverkusen. Begeisterung und Schwung des ersten Jahres waren weg, Missverständnisse pflasterten den Weg. Wochenlang wurde die dramatische Situation verharmlost, Fehleinkäufe (Franca, Simak) stark geredet.

Gegen Hansa Rostock präsentierte sich das Team spielerisch unterirdisch, nervlich angeschlagen. Doch Schweden sind nette Menschen, und Peter Wibran verzichtete auf Tore zu einem eventuellen Kantersieg.

Bachirou Salou lief zweimal die 50 Meter in beachtlichem Tempo, Carsten Ramelow steckte im Rückwärtsgang fest - 2:1. Nur Marko Babic wehrte sich erfolgreich. Zu wenig für den Trainer.