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Aachen: Der Traum vom Bundeskanzler unter den Schiedsrichtern

Aachen : Der Traum vom Bundeskanzler unter den Schiedsrichtern

„Als ich in der Jugend gepfiffen habe, hat man mich noch eher klein gekriegt”, erinnert sich Yvonne Bengfort, die mit nur 21 Jahren jetzt ihre ersten Spiele in der Frauen-Bundesliga pfeift.

Heute beweist sie mehr Durchsetzungsvermögen, hat sich weiterentwickelt, auch dank der unzähligen Spiele, die sie in den Amateurklassen bis zur Verbandsliga bei den Männern geleitet hat.

„Am Anfang ist es eigentlich so, dass man mehr Männer pfeift als Frauen”, berichtet sie aus dem Alltag einer Schiedrichterin im deutschen Fußball.

Einen Vorteil hat ein weiblicher Schiri zwischen den Herren der Fußballschöpfung schon: „Da ist die Hemmschwelle, eine Frau anzuschreien, höher als bei einem Mann.” Viele Trainer sind begeistert, weil die Jungs „so friedlich” bei ihr sind.

Spott und Sprüche - vor allem von den Rängen - sind allerdings an der Tagesordnung. „So ein Mädchen auf dem Platz hat doch keine Ahnung” oder der „Tipp”, lieber an den Herd zu gehen, sind dabei noch harmlos. Teilweise geht es auch „unter die Gürtellinie”.

Die aktuelle Diskussion um die Schiedsrichter beschäftigt Bengfort, die seit ihrem 13. Lebensjahr mit Trillerpfeife aufläuft.

Seitens der Spielleiter renne man mit dem vierten Unparteiischen, der auf die Trainerbänke achten soll, offene Türen ein: Eigentlich wollte man ihn schon zu Saisonbeginn einführen, was allerdings an den Kosten scheiterte, die die Liga nicht übernehmen wollte. „Warum sollten wir dagegen sein?”, meint sie zu der Erleichterung.

Ihr großer Traum, einmal die Profis in der Bundesliga zu pfeifen - allein wegen der Atmosphäre in den großen Stadien und der namhaften Stars - ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch sieht sie „keine realistische Chance”.

Das sei so, als träume ein Kommunalpolitiker vom Job des Bundeskanzlers, vergleicht Bengfort, die derzeit eine Ausbildung zur mathematisch-technischen Assitentin in Aachen macht.

Genau wie ihre männlichen Kollegen muss sie aufsteigen, sich also beobachten und dann beurteilen lassen. Die Möglichkeiten für männliche Kollegen, zu den höchsten Weihen Bundesliga vorzustoßen, sind schon sehr gering - noch kleiner sind sie allerdings für die zwei Prozent der Frauen unter den 75 122 registrierten Unparteiischen.

Beim Foul-Verhalten der weiblichen Kicker gäbe es Unterschiede zu unfairen Attacken der Männer. „Mal eben Schubsen, mal eben am Trikot ziehen”, beschreibt Bengfort diese „zickigen Fouls”.

Als Fußballerin versuchte sich die Niederrheinerin aus Krechting bei Rhede nie ernsthaft, obwohl ihre Tante und ihre Cousine kicken. „Dafür war ich viel zu schlecht ”, so Bengfort, die Fußball nur als gutes Training sieht.

Ihr großes Familienvorbild, ihren Vater, hat sie mittlerweile überrundet: Der durfte nur bis zur Bezirksliga pfeifen. Und vielleicht wird sie ja doch noch ein Bundeskanzler unter den Schiedsrichtern.