Velden: Der konsequente Herr Soldo

Velden: Der konsequente Herr Soldo

An der Straßenecke steht ein Jaguar E, auf dem Hotelparkplatz ein Rolls Royce Cabrio. Und zwischendrin laufen knapp zwei Dutzend junge Männer in Sportkleidung mit dem Geißbock auf der Brust herum. Der 1. FC Köln ist im exklusiven Park´s Hotel in Velden am Wörthersee angekommen und im Straßenbild sehr präsent.

Bei hochsommerlichen Temperaturen in Kärnten genießen die Spieler zwischen den intensiven Trainingseinheiten ihre knappe Freizeit. Ob bei einem Bad im kalten See - natürlich am Privatstrand - oder im Hotel an der Play Station.

Zweimal täglich bittet Trainer Zvonimir Soldo seine Kicker auf den Übungsplatz. Doch da wird nicht etwa Kondition gebolzt. Der 42-Jährige stellt sein Programm fast ausschließlich aus spielnahen Übungen zusammen. Der Kroate lässt gewisse Situationen immer wieder wiederholen. Die Automatismen müssen sich entwickeln, Laufwege einstudiert werden. Denn das sind die Grundlagen jedes taktischen Konzeptes.

Am Dienstag, dem ersten kompletten Tag in Kärnten, konnte auch Lukas Podolski wieder mit der Mannschaft trainieren. „Poldi” hat die Zerrung überwunden. Zu Freude von Soldo. „Ich habe ihm gesagt, dass er noch ein bisschen vorsichtig sein muss”, berichtete der Trainer nach den 80 morgendlichen Übungsminuten bei 30 Grad Celsius, die selbst die Zuschauer ins Schwitzen brachten. „Gott sei dank ist nichts geschehen und Lukas ist wieder fit.”

Der FC hat sich im Trainingscamp also eingerichtet. Insgesamt zehn knüppelharte Tage hat Soldo seinen Profis versprochen. Und auch in dieser Zeit steht beim Kroaten Disziplin über alles. Keine Frage, dieser Übungsleiter ist äußerst gradlinig. „Wir sind eine Mannschaft, da kann nicht jeder machen was er will”, streicht er das Gruppenerlebnis hervor.

Und weil Soldo so ist, hat er auch schon einen Strafenkatalog aufgesetzt. „Darüber rede ich aber noch nicht, weil ich darüber noch nicht mit der Mannschaft gesprochen habe”, sagt der Ex-Profi. Nur soviel ist bereits durchgesickert: Jede Minute Verspätung zum Training oder zum Spiel soll 100 Euro in die Mannschaftskasse bringen. Ob Soldo in seiner aktiver Zeit selbst so diszipliniert gewesen ist? Die Selbstauskunft: „Ich habe bis 39 gespielt. Wenn du da nicht diszipliniert bist, schaffst du das nicht.”

Soldo, den der FC schon 2006 als Spieler verpflichten wollte, fühlt sich in seiner neuen Rolle wohl. „Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß”, sagt der Kroate. „Am Anfang war es alles ein bisschen hektisch.” Das hat sich gelegt. Er hat das Jahr eins nach Christoph Daum souverän, locker und selbstbewusst begonnen. Und anders als sein Vorgänger schwingt sich Soldo auch nicht zu großen, ausschweifenden Reden mit „artistischen” Formulierungen auf.

Der neue Cheftrainer sagt das, was er zu sagen hat, sachlich. Und so hat auch in den Zwiegesprächen mit den Spielern ein neuer Ton Einzug gehalten. „Er weiß einfach, wie er die Mannschaft ansprechen muss”, sagt beispielsweise Sebastian Freis. Fußballer unter sich.

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