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Köln: Der FC und „Schäfers Knoll”

Köln : Der FC und „Schäfers Knoll”

Gewiss, sein Ruhm datiert von einem Nachkriegs-Sonntag zwischen 17 und 19 Uhr. Jenem legendären 4. Juli 1954, als geschätzte 60 Millionen Deutsche in ihre teils noch uralten Radios krochen, um ja keine Silbe der Direktübertragung aus dem Berner Stadion zu verpassen.

„Schäfer, nach innen geflankt, Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt! Tor! Tor! Tor! Tor! Tor für Deutschland!” 3:2.

Das war´s. Der Sieg über die damals seit 32 Länderspielen ungeschlagenen Ungarn um den Fußball-Major Ferenc Puskas. Ach was, ein Sieg wie es später keinen mehr geben sollte. Eine Sensation. Deutschland war Weltmeister. Mehr als das. Deutschland war wieder wer, wie im Rückblick die meistbenutzte Redewendung lautete.

Hans Schäfer, der Kölner, den die Experten danach als besten Linksaußen des WM-Turniers feierten, hatte seinen Teil dazu beigetragen. Verdammt lang ist das schon her.

Am Samstag wird er 75 Jahre alt. Kinder, wie die Zeit vergeht . . . Gewiss, Schäfer zählt zu jener verschworenen Elf, der „das Wunder von Bern” zu verdanken ist. Einmal Weltmeister, immer Weltmeister.

Als „Weltmeister” - eine Lieblingsvokabel der Kölner - fühlt sich im Überschwang der Gefühle hierzulande schon, wer durch ein Törchen den Abstieg in die Kreisliga verhindert hat oder im Spendenskandal unentdeckt geblieben ist.

Um sich die Popularität bei seinen Landsleuten über Jahrzehnte zu erhalten, muss einer schon mit seinem guten Namen für die großen Zeiten des 1. FC Köln bürgen, in denen dieser Klub zu den besten Adressen Europas zählte.

So wie der Straßenfußballer Hans Schäfer, den seine Landsleute bis zum heutigen Tag „die Schäfers Knoll” rufen. Darin schwingt ein zärtlicher Respekt mit, der sich Nicht-Kölnern allerdings nur schwer erschließt.

Respekt gegenüber einer gradlinigen Karriere, die dem Charakter des Spielers entsprach, der zunächst für die DJK Rheinland (später umbenannt in Rot-Weiß Zollstock) die Stiefel schnürte, dann sein Herz an den „Geißbock”- Klub verschenkte, dessen Trikot er trotz lukrativer Wechselangebote nicht wieder hergeben mochte. 1965 trat er nach einem Spiel des FC in Dortmund in den sportlichen Ruhestand.

Wenn Schäfer mit ausladender Geste die Ärmel hochkrempelte, wusste der Gegner, was ihm blühte. Aber auch die eigenen Spielkameraden. Ob in Müngersdorf oder fern der Heimat, Kölns Nr. 10 war einer, der nie ein Spiel vor dem Abpfiff verloren gab.

Wer nicht mitzog, riskierte einen Anschiss, der bis in die obersten Reihen der Hauptkampfbahn zu vernehmen war. Zweimal wurde er im FC-Dress Deutscher Meister (1962 und 1964). Mit 711 Wettkampfeinsätzen ist er immer noch der Marathon-Mann.

Dass ihm die Spätfolgen der Kickerei Probleme bereiten, lässt er sich selten anmerken: „An meinen beiden Knien ist der Knorpel total weg. Aber im Sitzen und im Liegen habe ich keine Schmerzen.”

Seit 14 Jahren ist es schon nichts mehr mit dem geliebten Tennissport, mit Joggen oder Wandern.

Natürlich ist Hans Schäfer Stammgast bei seinem FC. Blickt er über den Tag hinaus, macht ihm das Potenzial der aktuellen Mannschaft aber Sorgen: „Wenn die Aufsteiger am Ende der Saison zusammengezählt werden, müssten wir auf jeden Fall dabei sein. Das ist klar. Aber was wird dann?

Es sind nicht so viele prädestiniert für die 1. Liga. Ich hab schon beim ersten Aufstieg gewarnt. Damals hat man für viel Geld, das heute gar nicht mehr zur Verfügung stehen würde, eine Reihe von Leuten geholt, die nichts taugten.”

Hans Schäfer, der Realist. Seine Lebenseinstellung hilft ihm auch, wenn er immer wieder Mitspieler der Berner Elf auf dem letzten Weg begleitet. Zuletzt Fritz Walter. Jetzt sind sie nur noch vier: Ottmar Walter, Horst Eckel, Helmut Rahn und eben Hans Schäfer, der dafür sorgt, dass die Kontakte nicht abreißen.