Aachen: Den Bayern gelingt die Pokalrevanche

Aachen: Den Bayern gelingt die Pokalrevanche

Kurz bevor Aachens Spieler aufliefen, wurde es dunkel in der Kabine. Der Trainer hatte den heiligen Abend genutzt, um ein Film-Drehbuch für den bayrischen Abend zu schreiben.

So wurden Aachens Profis an die Pokaltriumphe gegen Mainz und Frankfurt erinnert, zuletzt tauchte noch Erik Meijer im Film auf, köpfte den Sieg gegen den großen FC Bayern. Und dann stürzten sich die aufgeputschten Alemannia-Spieler in die Realität. Auftrag: das Unmögliche möglich machen.

Das Drehbuch in der Wirklichkeit hatten dann allerdings nicht Peter Hyballa, sondern die Bayern geschrieben: Sie wurden ihrer Favoritenrolle sehr gerecht und siegten mit 4:0. „Die waren im Großen und Ganzen zu gut für uns”, bilanzierte Hyballa.

Bayerns große Attraktion blieb zunächst an der Kette. Arjen Robben nahm vergrippt auf der Bank Platz, so dass Timo Achenbach statt auf Robben auf WM-Torschützenkönig Thomas Müller traf, was die Sache nicht gravierend erleichterte.

20 Minuten brauchte diese Partie keinen Torwart. Die Gäste waren überlegen, ließen das Bällchen von rechts nach links, von vorne nach hinten und zurück laufen, sonderlich gefährlich war das nicht. Alemannias Trainer hatte vor der Abwehr noch eine defensive Dreierkette drapiert, die die Bundesliga-Prominenz zunächst nicht überwinden konnte.

Erst nach 20 Minuten war Aachens Keeper David Hohs erstmals gefordert, Kollege Tobias Feisthammel brachte ihn mit einem scharfen Rückpass in Not. Die überfrachtete Partie nahm endlich Fahrt auf. Stehle eroberte den Ball im Mittelfeld, Höger steckte durch für Auer. Aachens Sturmführer lief tatsächlich Luiz Gustavo davon, sein Schuss schrammte knapp vorbei (21.). Aber die Aachener wusste nicht so recht, wohin mit ihren Kombinationen. Allzu schnell verlegten sie sich auf den weiten Pass, der nur selten Abnehmer fand.

Auffälliger Gomez

Das erste Tor erzielten die Gäste auf einfache Art. Luiz Gustavo durfte unbedrängt von links flanken, Gomez unbedrängt zum 0:1 einköpfen (26.). Dieses Tor dimmte auch im proppenvollen Tivoli die Stimmung sofort runter.

Die Aachener ließen sich lange vom Gegner treiben. Mit seinem Kreuz verhinderte Feisthammel den zweiten Gästetreffer, er blockte einen Müller-Schuss ab (30.). Der auffällige Gomez stellte seine gute Winterform noch einmal unter Beweis. Der Nationalspieler drehte sich um Feisthammel, fand aber in Hohs seinen Meister (36.).

„Meine Mannschaften sind eklig”, hatte Hyballa vor dem Spiel gesagt. Diese Mannschaft war allerdings ungewohnt brav unterwegs, Schiedsrichter Weiner brauchte nicht einmal eine Ermahnung. Die Spieler erstarrten vor dem Gegner wie Vorschulkinder vor Pappfiguren in der Geisterbahn. Für alle Aachener war dieses Viertelfinale der bisherige Karrierehöhepunkt, und die Last wog schwer.

Und doch hätten die handzahmen Aachener einen Treffer erzielen können. Luiz Gustavo erwischte Benny Auer im Strafraum an der Wade (34.). Der mögliche Strafstoß blieb aus. „Wir sind nicht undankbar, dass es keinen Pfiff gab”, atmete Bayerns Manager Christian Nerlinger zur Pause auf.

Halbzeit, Hyballa versuchte, den Mutregler hochzuziehen. Und langsam befreite sich seine junge Mannschaft. Die Bayern halfen mit, dass diese Partie nicht frühzeitig abgeheftet werden konnte. Müller spielte Gomez frei, doch der scheiterte aus elf Metern wieder am vorzüglichen Hohs (53.).

Alemannia legte Gulliver erste Ketten an, und der Meister machte den Gastgebern durchaus Hoffnung, die Abwehr war schnell gestresst. Der Ausgleich war nach Aachens erster Ecke beschlossene Sache, doch Feisthammels Kopfball wischte Keeper Thomas Kraft mit einem Reflex weg (62.). Es war Aachens beste Viertelstunde in dieser Partie.

Bayerns Trainer Louis van Gaal schaute nicht länger zu und wechselte den zielstrebigen Robben ein. Der bekam seine angestammte Position wieder, und Müller wechselte auf die linke Seite. Der Schachzug wirkte sich schnell aus. Aachens Verteidiger stürzten sich auf den niederländischen Flitzer, von dessen Vorarbeit profitierte Müller freistehend: Nach 75 Minuten war diese Partie entschieden.

Der WM-Torjäger erzielte das 2:0. Drei Minuten später konnte er locker zum 3:0 erhöhen, Feisthammel fälschte ab. Es war noch nicht das letzte Wort an diesem Abend, Robben durfte noch zum 4:0 abstauben. Hyballas finales Fazit: „Hätte, Wenn und Aber - alles Rhabarber.”

Insgeheim hatte Alemannia auf den dritten Streich nach den beiden Pokal-Erfolgen über die Bayern gehofft. Die Verhältnisse an diesem Abend waren diesmal zu eindeutig. Und doch wurde die Nachwuchsmannschaft mit viel Beifall verabschiedet.

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