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München: „David” Gladbach hat die Schleuder vergessen

München : „David” Gladbach hat die Schleuder vergessen

Im Oktober 1995 machte Stefan Effenberg 50 Liegestütze vor dem grün-schwarzen Fan-Block, nach Borussia Mönchengladbachs einzigem Sieg bei den Münchner Bayern. Am Sonntag blieb den Profis vom Niederrhein nur ein artiges „Tschüss-Klatschen” in Richtung Anhängerschaft.

Die 0:3-Niederlage gab nicht mehr her an extra-körperlicher Ertüchtigung. Wenn man weiß, dass beim Duell David mit Goliath der David zudem nicht zu Hundert Prozent bei Kräften ist, greift man schon mal gerne auf die aufbauende Wirkung der Statistik zurück.

Dann bitte schön: Seit dem Wiederaufstieg der Borussia haben die Bayern gegen die Elf vom Niederrhein noch kein Tor erzielt, dabei einmal 0:1 verloren, zweimal torlos gespielt. Solch Psycho-Stimulans bringt Hans Meyer auf die Palme: „Eine Mannschaft wie die Bayern kann jederzeit mit so einem Firlefanz aufräumen.”

Dazu braucht man nicht viel Phantasie, wenn man bedenkt, dass bei Gladbach nach dem Ausfall der Kreativ-Abteilung Ulich, Kluge und Münch im Zentrum nur noch Igor Demo im Olympiastadion das spielerische Feigenblatt des Außenseiters bildete.

Auf der anderen Seite kam der Rekordmeister mit der geballten Fußball-Intelligenz von Ze Roberto, Michael Ballack und Mehmet Scholl daher.

Nach knapp 14 Minuten meldete sich denn auch erstmals Kreativ-König Scholl zu Wort. Feiner Pass auf Elber. Doch der Brasilianer schlenzte den Ball knapp über den Winkel. Also versuchte Scholl es mal allein, doch seinen Aufsetzer fischte Borussen-Keeper Jörg Stiel aus dem Eck (18.).

Also zurück zur Position des Vorarbeiters: Der Ex-Nationalspieler schickte Owen Hargreaves steil, Bernd Korzynietz schaltetet zu spät, und der Engländer beendete mit einem wuchtigen Schuss Stiels 295-minütige Nuller-Bilanz (25.).

Und dann folgte der Gegen-Entwurf zur Fußball-Philosophie des Borussen-Trainers, den Gegner möglichst weit vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Die Bayern verpassten den nun verunsicherten Gästen eine Zwangsjacke, aus der sie sich nicht befreien konnten.

Und so sehnten sich die mitgereisten Fans schon nach 40 Minuten lautstark nach Arie van Lent, der erstmals wieder auf der Bank saß. Als könnte sich der Torjäger nach seinem Kreuzbandriss auch noch die Vorlagen selbst geben! Denn ein Angriffsspiel, das diesen Namen verdient, fand bei der Borussia nicht statt.

Das änderte sich ansatzweise in Halbzeit 2, ob durch eigenes Dazutun oder bayrische Schlampertheit blieb unklar. Zumindest reichte es, dass Hans Meyer die Karte van Lent zog (63.).

Die dickste Torchance aber wurde dessen Gegenüber, Giovane Elber kredenzt. Lizarazu scheiterte an Stiel, Elbers Nachschuss schlug Strasser von der Linie (73.).

Anschauungsunterricht lieferte ihm der eingewechselte Zickler: Einen von Stiel abgewehrten Hargreaves-Schuss kickte er zum 2:0 ins Netz (85.). Da fühlte sich auch Elber animiert: 3:0 (89.) mit der Hacke nach einem schönen Zuspiel von Ze Roberto.