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Köln: Daum bleibt nach dem Aufstieg ein Rätsel

Köln : Daum bleibt nach dem Aufstieg ein Rätsel

Beim Schlusspfiff brachen alle Dämme im RheinEnergieStadion. Tausende stürmten offenbar nicht nur freudetrunken von den Tribünen auf den Rasen und suchten die Nähe zu ihren Helden. Die Jubelorgie in Rot und Weiß bahnte sich ihren Weg und ließ sich auch von den Ordnungskräften nicht aufhalten.

An diesem Pfingstsonntag, um 15.48 Uhr, hatte sich die Sehnsucht einer ganzen Region erfüllt. Der 1. FC Köln war zurück in der Bundesliga. Roda Antar hatte seine Mannschaft mit zwei Treffern (22. und 67.) zum 2:0 (1:0)-Erfolg gegen den FSV Mainz 05 und zurück in die Eliteliga geschossen.

Die Protagonisten tanzten mit dem Anhang, verordneten sich gegenseitig die mittlerweile obligatorischen Bierduschen und verteilten ihre Arbeitskleidung unter den Fans. In der Kabine beförderten sie Manager Michael Meier und Trainer Christoph Daum in voller Montur ins Entmüdungsbecken. Zumindest der Coach gab dabei eine eher traurige Figur ab.

Und während in der Stadt die Party zum vierten Bundesligaaufstieg der Vereinsgeschichte abging, philosophierte Daum in den Stadionkatakomben wortreich darüber, warum er nichts zu sagen gedenke. „In der Stunde des Erfolges werden immer die tollsten Sachen verkündet”, führte der 54-Jährige aus. „Die Zukunft wird gleich in entspannten Feierlichkeiten weitergehen. Darauf freue ich mich, das haben wir uns alle verdient.”

Doch einmal auf Touren gekommen, machte Daum in bekannter Diktion weiter. „Meine Mission war es, den 1. FC wieder in die Erste Liga zu führen. Dieses Versprechen habe ich heute eingelöst.”

Es klang fast schon wie eine Abschiedsrede. Davon wollte der Trainer mit einem gültigen Vertrag bis 2010 und einseitiger halbjährlicher Kündigungsfrist nichts wissen. „Ich habe immer gesagt, wenn die Saison vorbei ist, setzen wir uns zusammen. Das werden wir zeitnah tun. Ob das diese Woche ist oder nach dem letzten Spieltag, kann ich noch nicht sagen.”

Fest steht wohl, dass Daum mit Millionenforderungen in die Gespräche mit Präsident Wolfgang Overath und Manager Michael Meier gehen wird. Und es gibt nicht wenige Insider, die vermuten, dass der Aufstiegstrainer die Summe, die er für neue Spieler fordern wird, bewusst unerfüllbar hoch ansetzen wird. Um gehen zu können, ohne sein Gesicht zu verlieren.

Daum wirkt ausgebrannt, unter der Hand wurde die Kritik an seiner Arbeit seit Monaten stärker. Und aus seinem Umfeld hörte man schon in der Winterpause, dass er sich entschieden habe, im Sommer zu gehen.

Der Mann, der am 27. November 2006 das Amt von Hanspeter Latour übernommen hatte und von über 10.000 Zuschauern bei der ersten Trainingseinheit gefeiert und als Retter begrüßt worden war, ist müde.

Daum ließ sich nach dem Aufstieg nicht einmal zu der Aussage verleiten, dass er ergebnisoffen in die Gespräche mit den FC-Gewaltigen gehe. „Ich werde erstmal alles sacken lassen”, sagte er.

Bewenden ließ er es dabei nicht. Auf die Fragen nach der Zukunft und der Erstliga-Tauglichkeit des Teams, ließ er die Katze teilweise aus dem Sack. „Auch Köln wird den Weg über Transfers und innerbetriebliche Verbesserungen gehen. Aber es würde den Spielern, die unbedingt in die Bundesliga wollten und das auch geschafft haben, nicht gerecht, jetzt, in dieser Freudenstimmung, darüber zu reden. Die Realität wird einige sehr schnell einholen. Sowohl die Spieler als auch den Verein.”

Daum macht eben überall und immer sein Ding. Und er sucht nicht die Nähe zu den Spielern. Der Mann setzt Prioritäten. So verließ er auch fluchtartig beim Abpfiff den Stadion-Innenraum und eilte, während sich der Rest des Kaders in den Armen lag und tanzte, auf die Tribüne, um Gattin Angelika die Gelegenheit zu geben, erste Gratulantin zu sein.