Mönchengladbach: Das südamerikanische Duo ist ein Versprechen

Mönchengladbach: Das südamerikanische Duo ist ein Versprechen

Fußball-Fans sind ambivalente Wesen. Sie sind sehr schnell enttäuscht, aber sie sind ebenso schnell bereit, Kredit zu geben, wenn sie etwas spüren. Selbst wenn sie es noch nicht - allzu - deutlich sehen. Darin unterscheiden sie sich vom Event-Publikum, das auch so häufig sein Unwesen im Borussia-Park treibt.

Beim ersten Testspiel im Trainingslager der Borussia gegen Panathinaikos Athen gab es solche Momente, gemischt mit Vorfreude.

Raul Bobadilla schoss kein Tor, Juan Arango spielte nicht den tödlichen Pass oder wuchtete einen Freistoß in die Maschen. Aber dennoch quittierten die Gladbach-Anhänger unter den 1411 Zuschauern einige Sequenzen aus ihrer 65-minütigen Vorstellung mit frohlockendem Zungeschnalzen.

Ganz klar: Das südamerikanische Duo ist ein Versprechen. Wenn Arango den Ball in der Luft mit dem dicken Zeh weiterleitet, wenn Bobadilla vier Gegenspieler überrollt und dann am fünften hängenbleibt, spult man den Film nach vorn und sieht den Argentinier, wie er in der Bundesliga auch den fünften Mann aus dem Weg räumt und trifft.

Auch Michael Frontzeck war durchaus zufrieden mit der Premiere seines Duos. „Beide waren schon spritziger. Arango war schon viel unterwegs. Er hat ein paar gute Aktionen gehabt. Im Zusammenspiel hat ab und zu noch ein Zentimeter gefehlt. Wenn ich an den einen Pass von Arango denke, da fehlten fünf Zentimeter - und Bobadilla wäre alleine durch gewesen. Jetzt fehlt noch etwas die Feinabstimmung.”

Eine Menge zu übersetzen, wenn die Offensiv-Kräfte von ihrem (An)Sprechpartner Jörg Stiel wissen wollen, was ihr Trainer von ihnen hält. Das Lob-Light ist dennoch angenehmer als die Variante, die der Schweizer weisungsgemäß (Von Max Eberl) im Ernstfall den beiden übersetzen muss: „Has jugado una mierda - Du hast Scheiße gespielt!”

Stiel hat diesen Satz im Angebot. Doch bisher noch keinen Anlass, ihn zu nutzen. Stattdessen muss er weltbewegende Fragen übersetzen. Die schier Sensationelles zu Tage fördern. So ist für den Argentinier Bobadilla Diego Maradona der größte aller Fußballer. Und Arango hat ein Sicherheitsproblem in der Heimat. Sein Haus in Venezuela muss bewacht werden - von seinem Schwager. Sicherheitsstufe 1 - doch die Schublade klemmt etwas: Wenige Wochen zuvor wurde das Haus von Rob Friend inklusive Auto von Einbrechern leergeräumt - in Mönchengladbach. Nicht auszuschließen, dass sich potentielle Gangster einen Besuch bei Bobadilla zwei Mal überlegen.

Der 85-Kilo-Mann weiß seinen Körper bestens einzusetzen. Also besser kontrollieren, ob er wirklich außer Haus ist. Sein Kollege Arango wird in seiner Heimat zwar „der Hurrican der Karibik” genannt. Doch Bobadilla ist vom Naturell her noch etwas stürmischer. „Ja, wenn es nicht so läuft, dann kann es schon mal klick machen”, gesteht der 22-Jährige. Er gilt als Karten-Sammler - Farbe Gelb.

„Wenn die Pässe nicht richtig ankommen, ich kein Tor machen kann, dann kotzt mich das an. Ich bin halt impulsiv.” Aber auch selbstbewusst: Arango wird gefragt, welche Positionen er alle schon gespielt hat. Der Venezolaner ist weit rumgekommen - auf dem Spielfeld. „Torhüter auch?” frotzelt Bobadilla. „Ja, aber nur für 15 Minuten.” Länger aber im Sturm. Der „Hurrican” bedroht den argentinischen „Bullen”? „Nee”, grinst Bobadilla, „keine Konkurrenz.”

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