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Mönchengladbach: Das „Fußballtier” und sein Ex-Assistent

Mönchengladbach : Das „Fußballtier” und sein Ex-Assistent

Fünf Jahre ist es her, dass Hans Meyer Borussia Mönchengladbach erstmals verlassen hat. Der inzwischen 66-Jährige hat sich verändert. Damals kämpfte er noch mit den technischen Errungenschaften wie Handys. Mit deren Tücken hatte er häufig mehr Probleme als mit der Taktik der Gegner.

Heute ist er auch in diesem Bereich recht souverän, obwohl die Handhabung der neuen Modelle mit ihrem Hang zum Zwergentum für seine Pranken eine erhöhte Herausforderung darstellen. In den letzten zwei Tagen aber sollen die digitalen „Drähte” seines Taschentelefons geglüht haben - wenn man Hans Meyer glaubt. Was man tunlichst in 99 von hundert Fällen nicht machen sollte. „Werde ich noch machen, drei bis vier Mal noch bis zum Spiel”, parierte Meyer die journalistische Enttäuschung auf die Frage, ob er in den letzten Tagen mit seinem Kollegen Fred Rutten telefoniert habe. „Dann werde ich alle Details über Taktik und Personal mit ihm besprechen.”

Rutten ist mittlerweile Trainer von Schalke 04, dem Auswärtsgegner der Borussia. Nicht unbedingt ein Grund, mit ihm zu telefonieren. Doch der Niederländer war ab 1996 Co-Trainer unter Hans Meyer bei Twente Enschede, seinem Einfallstor zum „goldenen Westen”. „Er hat mir mit seiner loyalen Art damals richtig geholfen”, sagt der Borussen-Trainer, „und das, obwohl ich ihn als Interimstrainer abgelöst habe.”

Der holländische Fußball war damals neu für ihn als „DDR-Coach”. Womöglich auch die unvoreingenommene und buchstäbliche Assistenz seines Cos. Doch auch von Ruttens fachlichen Qualitäten als Cheftrainer ist er überzeugt. „Er hat jahrelang mit unterschiedlichen Trainern gearbeitet, hat viel Erfahrung, ist Fußballer mit Leib und Seele und war eine richtige Hilfe für junge Spieler wie damals Arnold Bruggink, Vennegor of Hesselink & Co..”

Schon damals profitierte der West-Neuling auch von den fußballerischen Qualitäten Ruttens. „Ein guter Ausbilder, mit guten Ideen, taktisch gut ausgebildet, ein richtig guter Ansprech-, Diskussionspartner und auch Kummerkasten.” Also die Meyersche Beschreibung des Mijnheer Fredericus Jacobus Rutten. Und der revanchiert sich: „Hans ist ein Fußballtier; man könnte sagen, dass er einfach nicht von der Droge Fußball loskommt.” Bevor der einmalige niederländische Nationalspieler auf Schalke anheuerte, zapfte er denn auch „Junkie” Meyer an, um sich über den Traditionsklub und die Bundesliga zu informieren.

Beide stehen für offensiven, aber gut strukturierten Fußball. Darin sieht der Gladbacher Coach das Erfolgsrezept seines Nachfolgers bei Twente. „Freds Mannschaften sind immer gut organisiert”, erklärt Meyer. „Daher auch der sensationelle Erfolg, es mit mit Enschede bis in die Champions-League-Qualifikation zu schaffen. Das war nur auf Basis dieser Organisation möglich.”

Auf Schalke hat Rutten personell hochwertigeres Personal zur Verfügung. Dennoch klemmt es zur Zeit, erst recht nach der Niederlage in Leverkusen. Und das bei den hohen Ansprüchen im Umfeld des einstigen „Meister der Herzen”. Die gelungene Transplantation auf den echten Titelgewinn lässt für viele zu lange auf sich warten, und auch Rutten tut sich schwer als Sofort-Operateur. Davon hofft sein ehemaliger Chef zu profitieren. „Wenn du dort ein bisschen sauber bleibst, wird das Publikum unruhig”, prophezeit Hans Meyer.

Allerdings schwant ihm wohl, dass sein fast 56-jähriger ehemaliger Assi die Fähigkeit besitzt, die Zeit seit der blamablen Vorstellung in Leverkusen fruchtbar zu nutzen. „Er ist bodenständig, hat sich alles hart erarbeiten müssen. Eine gute Voraussetzung, jungen Leuten, die sehr leicht viel Geld verdienen, den richtigen Maßstab zu vermitteln.”

Müssen die Gladbacher geläuterte Kuranyi & Co. fürchten? Ruttens Sorgen um das gefährliche Wirken seines Kollegen sind verfrüht: „Hans ist nicht zuletzt in der physischen Arbeit gut. Davon habe ich mir einiges abgeschaut.” Doch dafür blieb in den vier Wochen seit dessen Arbeitsantritt nicht allzu viel Zeit. „Umgekehrt wird Hans sicherlich auch etwas von meiner Arbeitsweise übernommen haben”, glaubt der Niederländer. Die ironische Replik des ehemaligen Vorgesetzten wird folgen. Nach dem Spiel - womöglich per Handy.

Meyer hofft auf Filip Daems

Borussia Mönchengladbach wird mit einem 19er-Kader zum Spiel nach Schalke reisen. Die Entscheidung, ob Innenverteidiger Filip Daems (Kapselriss im Sprunggelenk) zum Einsatz kommt, wird erst am Samstag fallen.

Als „zusätzlicher” Spieler nimmt Trainer Hans Meyer Alexander Voigt/Sebastian Svärd mit. Der ehemalige Schalker Alexander Baumjohann freut sich auf das Wiedersehen. „Das ist das erste Mal, dass ich in die Arena zurückkehre.” Wie auch sein Trainer hofft der 21-Jährige auf „negative” Unterstützung aus dem gegnerischen Lager. „Das Publikum fängt schnell an zu murren.”

Steve Gohouri wird wohl wieder in der Innenverteidigung spielen. Für die linke Seite in der Viererkette bleiben nur Johannes van den Bergh oder Jundspund Christian Dorda übrig.