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Mönchengladbach: Dampfwalze Hausweiler macht Schalke platt

Mönchengladbach : Dampfwalze Hausweiler macht Schalke platt

Der Fußball gefällt sich darin, auch das Toreschießen zu sezieren. Statistische Erhebungen informieren den Leser, mit welchem Körperteil der Schütze getroffen hat: mit Links, mit Rechts oder gar per Kopf.

Eine Rubrik fehlt: die Willenskraft als ausführendes Organ! Der rechte Fuß des Mönchengladbachers Markus Hausweiler wird diese Degradierung verkraften - sein Blitztor beim 2:0 über Schalke war ein Triumph der Moral, sein Bein nur tumbes Werkzeug. Prellball mit Sven Vermant, durchgewurschtelt und abgezogen: Das 1:0 des Mittelfeldspielers nach 49 Sekunden machte brennglasartig sichtbar, mit welchem Pfund die Bökelberg-Elf im Abstiegskampf wuchern kann.

Der (erfolgreiche) Aufstand des Mittelmaßes gegen die fußballerische Überlegenheit, die Schalke an diesem Tag demonstrierte: „Ich hab gedacht, das Ding muss rein.” Kein Schlenzer, kein Winkel-Schuss - die Mental-Dampfwalze bahnt sich ihren eigenen Weg - und sei es durch die Mitte. „Zur Not geht der Torwart mit durchs Netz, ohne Rücksicht auf Verluste”, schwärmt auch Holger Fach von dieser Tugend.

Und auch die Begleitumstände des 2:0 konnten ihn nicht davon abhalten, den Sieg der Borussia nicht als glücklich einzustufen. „Die Schalker haben sehr gut gespielt. Aber wir hatten nicht weniger Torchancen als sie. Man darf eben nicht jeden Schuss aus 20 Metern mitzählen. Und was hatte unser Torhüter zu halten?”

Da stand in der Tat Frank Rost mehr im Brennpunkt. Und lief nach dem Foulelfmeter zum 2:0 richtig heiß. „Wahrscheinlich hat der Schiedsrichter in Borussen-Bettwäsche geschlafen. Das war nie und nimmer ein Strafstoß”, polterte der Schalke-Keeper. Doch er verstieß gegen die ungeschriebene Regel: Ins Tor-Aus rutschende Spieler, hier Vaclav Sverkos, soll man nicht aufhalten. Der 20-jährige Tscheche hatte sogar noch die Chuzpe, den Elfer selbst zu versenken (44.).

Schiedsrichter Florian Meyer bekam die Wut des Schalke-Trainers zu spüren. „Eine Unverschämtheit”, machte ihn Jupp Heynckes beim Pausengang in die Kabine an. Für seine Profis aber fand der ehemalige Mönchengladbacher nur lobende Worte. „Kein Vorwurf: Wir haben fußballerisch, läuferisch und von der Organisation her überzeugt. Gladbach hat über 90 gut verteidigt, aber wer was von Fußball versteht, weiß, dass es einfacher ist, auf Konter zu spielen als das Spiel zu machen.”

Diese „Zurückgezogenheit” der Gladbacher ging gut, etlichen Zuschauern aber wohlmöglich auch auf die Nerven. Auf dem Bökelberg schwingt normalerweise die Borussia den Taktstock. Aber der neue Dirigent blieb unbesorgt. „Ich hatte während der zweiten 45 Minuten nie das Gefühl, dass noch etwas schief gehen könnte”, gestand Thomas Broich.

Da muss er Bernd Korzynietz übersehen hatte, der kurz nach der Pause fast fünf Minuten mit einem Wechsel beschäftigt war - seines Schuhwerks. „Unglaublich! Ich musste in den 20 Jahren meiner Profi-Karriere nicht einmal die Schuhe wechseln”, schimpfte Holger Fach. Gladbach überstand auch die numerische Unterlegenheit. Und Heynckes urteilte fast erleichtert: „Das war ein Meilenstein für den Klassenerhalt.” Doch sein junger Kollege hatte auch am Tag danach noch Lust zum Kontern: „Wir sind keinen Schritt weiter - nur einen Spieltag.”