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Leverkusen: CL: Bayer erreicht wieder die Fleischtöpfe

Leverkusen : CL: Bayer erreicht wieder die Fleischtöpfe

Die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen hatten wahrlich einen enormen Aufwand betrieben, um die entscheidende Partie um den Einzug in die Gruppenphase der Champions League mit einer emotionalen Kraft zu versehen, wie sie in der hübschen Arena am Rhein nur selten entsteht.

Natürlich wussten sie vor dem am Ende hochverdienten 3:0 (1:0)-Sieg gegen Lazio Rom ganz genau, dass Fußballspiele hier traditionell der Gefahr ausgesetzt sind, ohne die ganz große Wucht des Publikums absolviert zu werden. „Wir brauchen einen Hexenkessel“, hatte Stefan Kießling daher an prominenter Stelle im Stadionmagazin gefordert, zudem wurde vor der Partie eine besondere Version der Vereinshymne gespielt: Statt einer Rockband lieferte ein klassisches Orchester den musikalischen Hintergrund für die Schnulze, das bewegte die Leute. Und als der Anpfiff ertönt war, boten die Spieler einen derart mitreißenden Kampf, dass tatsächlich eine ungewohnte Intensität entstand.

Bayer war eindeutig besser, nicht nur fußballerisch, auch Einsatzbereitschaft und Willenskraft waren imponierend. Schon zur Halbzeit hätten sie höher führen können als 1:0, doch Karim Bellarabi (7.) und Hakan Calhanoglu (17.) verfehlten das Tor knapp, bevor Stefan Kießlings Kopfball in der 25. Minute das Lattenkreuz traf. Defensiv agierte die Mannschaft von Roger Schmidt derweil souverän und konsequent. Natürlich kam der starke Keita Baldé, der schon im Hinspiel zum 1:0-Sieg für die Römer getroffen hatte, ein paar mal im Strafraum an den Ball, aber klare Chancen hatte der Senegalese nicht in dieser starken ersten Halbzeit, die durch Calhanoglus Treffer zum 1:0 gekrönt wurde.

Wie eine Flipperkugel war der Ball in der 40. Minute an diverse Knie im Strafraum geprallt, landete dann auf dem Fuß des Deutsch-Türken, der sein erstes Tor aus dem Spiel heraus seit dem vergangenen Februar erzielte. Da war zwar Glück dabei, aber dass Calhanoglu endlich mal wieder traf, ohne einen Freistoß zu benötigen, ist kein Zufall. Der Mittelfeldspieler ist fußballerisch gereift, spielte viele kluge Pässe und taucht viel häufiger in Räumen auf, wo er zum Torabschluss kommt als in der vorigen Saison.

Geradlinig statt verspielt

Wobei die Spielweise von Trainer Roger Schmidt weiterhin schnörkellos und geradlinig statt verspielt und künstlerisch ist. Das 2:0 war ein perfektes Beispiel dafür: Abstoß Bernd Leno, ein gewonnener zweiter Ball, der bei Bellarabi landete, dessen Pass Admir Mehmedi erreichte, der kraftvoll einschoss (48.). Nun brauchten die Italiener ein Tor, das Spiel bestimmende Team blieb aber Leverkusen.

Calhanoglu (51.), Lars Bender (53.) und Bellarabi (65.) hatten gute Möglichkeiten auf das dritte Tor, und als Mauricio mit einer Gelb-Roten Karte in die Kabine geschickte worden war, schien der Weg in die Gruppenphase für Bayer Leverkusen endgültig frei zu sein.

Aber das erlösende dritte Tor wollte einfach nicht fallen, so dass es noch einmal richtig spannend wurde, bis Bellarabi einen tollen Konter über den eingewechselten Julian Brandt zum 3:0 vollendete (88.).