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Köln: Cichon: „Das hier ist Abstiegskampf pur”

Köln : Cichon: „Das hier ist Abstiegskampf pur”

Der 1. FC Köln überwintert auf Rang 16 und damit auf einem Abstiegsrang. Der Verlauf der Hinrunde hat wohl auch dem optimistischsten Hardcore-Fan des 1. FC Köln sieben Monate nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga gezeigt, worum es in dieser Saison geht.

Daran hat auch der versöhnliche 3:0-Sieg gegen Hertha BSC Berlin im letzten Spiel vor der Winterpause nichts geändert.

Mit Thomas Cichon, der nach der Verbannung von Dirk Lottner ins zweite Glied die Kapitänsbinde trägt, unterhielt sich unser Redakteur Günter Kirschbaum über ein Jahr mit mehr sportlichen Tiefen als Höhen.

Lange Zeit marschierte der FC souverän durch die 2. Liga. Dann verlor Köln die letzten vier Spiele vor dem Aufstieg. Deutete sich da schon an, dass es in der Bundesliga schwer werden würde?

Cichon: Den Knacks erlitten wir ganz klar in München, wo wir im Pokal-Viertelfinale bei den Bayern mi 0:8 verloren. Und in der Folge war der Druck von außen enorm groß, weil wir zwar souverän aufgestiegen sind, aber spielerisch selten so aufgetreten waren, wir es viele von uns verlangt hatten. Trotzdem sind wir eindrucksvoll durch die 2. Liga marschiert und 29 Mal ungeschlagen geblieben.

War denn nun das 3:0 gegen Hertha BSC in letzten Spiel tatsächlich die Wende zu wieder erfolgreicheren Zeiten?

Cichon: Das letzte Spiel war weniger symptomatisch für das ganze Jahr. Aber wir sind viermal in Folge ungeschlagen geblieben, haben in der Defensive sehr gut gestanden und nach vorne hin Fortschritte gemacht. Die Berliner hatten Angst vor uns. Dennoch wäre es vielleicht zu früh, schon von einer Wende zu sprechen, aber ich glaube, dass es spürbar aufwärts geht.

Die Saison ist bisher nicht rund gelaufen. Vor allem auf deshalb, weil sich die FC-Abwehr teilweise Fehler leistete, die sogar Amateurspieler ohne Umweg auf die Ersatzbank befördern würde. Wie zum Beispiel beim Gegentreffer in Rostock, als sich Florian Kringe und Christian Springer gegenseitig neutralisierten.

Cichon: Man kann das negativ oder positiv formulieren. Ich bevorzuge die positive Variante. Die baut uns stärker auf. Klar sind solche Fehler wie in Rostock ärgerlich. Aber sie werden gemacht. Deshalb analysieren wir diese Dinge genau und versuchen sie abzustellen. Dass unser bisheriges Abschneiden enttäuschend ist, darüber muss man nicht reden. Aber wir hatten in der Bundesliga-Hinrunde nur zwei ganz schlechte Spiele (Anmerk. d. Red.: Gegen Bremen und in Bochum). Und wir hätten die Saison innerhalb von einer Woche retten können.

Bei den Bayern hatten wir kurz vor Schluss die große Siegchance, drei Tage später hätten wir uns gegen Fürth für das Pokal-Viertelfinale qualifizieren müssen und dann auch gegen Leverkusen im Derby siegen müssen. So haben wir in den Bundesligaspielen aber nur je einen Punkt geholt und haben uns im Pokal blamiert.

Dabei hatten viele dem FC nach dem Aufstieg doch eine gute Rolle in der Bundesliga zugetraut.

Cichon: Wir hatten uns ja selbst auch einiges zugetraut. Dann spielst du auch noch eine gute Vorbereitung und kriegst in den ersten drei Spielen dreimal bitter einen vor den Bug. Daran knabbert man schon.

Und immer wieder gab es Rückschläge durch Verletzungen von Stammpersonal im Defensiv- bereich...

Cichon: An ein solches Verletzungspech vor allem in einem Mannschaftsteil kann ich mich nicht erinnern. Ich selbst hatte zuvor noch nie einen Muskelfaserriss. Doch diesmal hatte es mich auch erwischt. Wie wichtig eine eingespielte Abwehr ist, konnte man bei uns ja in den letzten Spielen sehen. Da sah es doch schon viel besser aus.

Kam der Trainerwechsel von Friedhelm Funkel zu Marcel Koller nach Meinung der Mannschaft zur rechten Zeit?

Cichon: Friedhelm Funkel hatte es schwer in Köln. Er hatte im Umfeld keine Lobby. Die Mannschaft hatte mit ihm überhaupt keine Probleme. Wir haben ja auch bis zum Schluss für ihn gespielt.

Aber auch unter Koller sah es zunächst gar nicht gut aus.

Cichon: Ein neuer Trainer bedeutet auch immer eine Umstellung. Eine andere Spielweise, eine andere Taktik. Aber es hat sich da etwas entwickelt. Jetzt trägt unser Spiel schon seine Handschrift. Und nach dem Sieg gegen Hertha kommt die Winterpause einerseits zum falschen Zeit, weil wir gerne weitergespielt hätten, aber andererseits ist es gar nicht so schlecht, auch einmal abzuschalten. Denn in Köln stehst du unter anderem Druck als anderswo.

Doch nicht für alle läuft es unter Koller gut. Dirk Lottner zum Beispiel wurde in die zweite Reihe rückversetzt

Cichon: Es ist für jeden einzelnen Spieler erst einmal komisch, wenn ein neuer Trainer kommt. Aber ab dem 4. Januar geht in die Vorbereitung auf die Rückrunde. Da kann sich jeder zeigen und den Trainer durch Leistung überzeugen.

Das Motto, mit dem der FC in die Vorbereitung geht, lautet offensichtlich mit neuem Mut und neuen Gesichtern...

Cichon: Da muss man erst einmal abwarten, was sich da wirklich verändert. Bisher ist ja nur sicher, dass Markus Feulner kommt. Aber von ihm darf man auch keine Wunderdinge erwarten. Klar, er kommt vom FC Bayern und ist gut ausgebildet. Aber hier ist Abstiegskampf pur. Ich hoffe aber, dass er uns helfen kann, da unten rauszukommen.

Welches war für Sie das positivste, welches das negativste Erlebnis im Kalenderjahr 2003?

Cichon: Das positivste Erlebnis des Jahres war der Aufstieg in die Bundesliga. Auf der negativen Seite könnte man einige Punkte nennen. Zum Beispiel der Pokal-K.o. gegen Fürth und das enttäuschende Abschneiden in der Bundesliga. Mit dem Sprung vom letzten auf den 16. Platz haben wir tatsächlich nur das Allerschlimmste vermieden.

Mit welchen Zielen und Erwartungen gehen Sie in die Rückrunde?

Cichon: Wir steigen nicht ab. Platz 15 ist Pflicht, eine bessere Platzierung wäre uns sehr willkommen.