Mönchengladbach: Borussias Kompakt-Aufgabe Nummer zehn ...?

Mönchengladbach: Borussias Kompakt-Aufgabe Nummer zehn ...?

Zwei Tage blieben Michael Frontzeck Zeit für eine kleine Sensation: Nur wenig verändern, um viel zu verändern. Nach 27 Gegentoren und nur sechs Punkten in der Liga soll und muss Borussia Mönchengladbach, mittlerweile schon als Schießbude der Nation verhöhnt, ausgerechnet im Pokal und ausgerechnet gegen Bayer Leverkusen beweisen, dass er und seine Mannschaft eine Idee haben, wie sie die Tage der offenen Türen endgültig abstellen können.

„Wir werden nicht zusätzlich drei Abwehrspieler bringen”, verkündete der Coach vorsichtshalber. Er will am Spielsystem nichts ändern. Dafür gibt es - noch - Gründe. Panik-Aktionen bringen selten etwas, und seine ohnehin nicht vor Selbstbewusstsein strotzenden Schützlinge bedürfen gerade in dieser Krisensituation des Vertrauens ihres Trainers.

Zudem hat die Mannschaft bereits bewiesen, dass sie die gebetsmühlenartig eingeforderte Kompaktheit in die Wirklichkeit umsetzen kann. Etwa gegen Wolfsburg, weite Strecken auf Schalke und in der ersten Halbzeit in Hoffenheim.

Zwei Tage Gehirnwäsche für die Profis, die ausgerechnet gegen den jetzigen Gegner bereits bewiesen haben, zu welchen Offensiv-Taten sie fähig sind. Aber erst und nur auf der Grundlage einer stabilen Defensiv-Arbeit. „Defensiver denken”, heißt das Schulungsprogramm. Denn der Versuch, alles „spielerisch zu lösen, führt dazu, dass beim Kampf und der taktischen Disziplin einige Prozente fehlen”, führt Frontzeck aus. Das Wissen um die eigene spielerische Stärke trübte endgültig nach dem 6:3-Liga-Sieg in Leverkusen die Sinne der Spieler.

Das Gift ist ein schleichendes. Denn soweit weg von der 1:4 Klatsche gegen Werder am letzten Samstag war auch der 4:3-Erfolg in der letzten Saison nicht. Auch da waren die Abwehrprobleme schon evident, wurden aber neben der offensiven Potenz vor allem durch die Überform etwa eines Marko Reus übertüncht.

Wenig verändern, um viel zu verändern: Ein zweiter Ansatzpunkt ist das Personal. Nachdem sich zuletzt die Mannschaft fast von selbst aufgestellt hat, besitzt Frontzeck nun wieder Optionen. Alle drei Gesperrten stehen zur Verfügung: Juan Arango, Roel Brouwers und Sebastian Schachten. Auf Arango und Brouwers dürfte Frontzeck kaum verzichten wollen.

Kapitän Filip Daems könnte wieder raus nach links rücken, auch wenn Schachten dort seine Sache zuvor gut gemacht hat. Für die Doppelspitze hat er die Auswahl zwischen Reus und Igor de Camargo. Für den brasilianischen Belgier spricht seine Kopfballstärke, speziell als Verwerter von Arango-Flanken. Für Reus seine Laufbereitschaft und Defensiv-Qualitäten.

Die letztere Kombination würde zudem den Weg für Patrick Herrmann auf rechts ebnen, der ja auch beim 6:3 über Leverkusen brillierte. De Camargo wäre dann ein Faustpfand auf der Bank. Bis auf Anderson wäre es so ein eingespieltes Team: Wenig ändern, um viel zu verändern . . .

Voraussichtliche Aufstellung: Heimeroth - Levels, Brouwers, Anderson, Daems - Marx, Bradley - Herrmann, Arango - Bobadilla, Reus