1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Mönchengladbach: Borussia gewinnt - eine Mannschaft

Mönchengladbach : Borussia gewinnt - eine Mannschaft

Zornentbrannt stampfte Miroslav Klose durch den Spielertunnel in die Kabine. „Das ist doch Mickey Mouse hier, keine Bundesliga”, schimpfte der weiterhin gehemmte Torjäger von Werder Bremen. Für Borussia Mönchengladbach war es aber ganz großes Kino: Buchstäblich in letzter Sekunde hatte Nando Rafael das 2:2 erzielt.

Zwei Mal hatte die Elf von Jos Luhukay zurückgelegen, zwei Mal kam sie zurück, das letzte Mal extrem spektakulär. Es lief bereits die vierte und letzte Minute der Nachspielzeit, Federico Insua schlug mehr verzweifelt als überzeugt einen Freistoß in den Bremer Strafraum, der getackerte Steve Gohouri verlängerte per „Turban-Kopfball”, und Nando Rafael jagte aus spitzem Winkel den Ball zum Ausgleich ins Netz.

„Wir leben noch”

Den Norddeutschen den Sieg gestohlen, selbst mit der besten Saison-Leistung einen Punkt, aber vor allem eine Mannschaft gewonnen: „Wir leben noch”, freute sich auch Jos Luhukay über die möglicherweise Geburtsstunde eines echten Teams. Und auch sein Gegenüber Thomas Schaf lobte: „Borussia hat gezeigt, dass man sie nicht abschreiben darf.” Das Urteil bekam noch eine Aufwertung durch die Leistungs-Einstufung seiner eigenen Elf. „Meine Mannschaft hat sich gegenüber den letzten Spielen verbessert. Es ist noch nicht alles das Gelbe vom Ei, aber es ist der richtige Schritt.”

Drei Spiele hatte Luhukay die gleiche Mannschaft spielen lassen, sich das (Elend) angeschaut und vor dem beinah Endspiel gegen Werder die Konsequenzen gezogen. „Ich habe nach Leistung und Trainingseindrücken aufgestellt”, sagte der Niederländer. Das Wichtigste aber sagte er erst auf Nachfrage - auch nach Charakter. „Ja, das stimmt”, bestätigte Luhukay

Seinem Vorgänger Jupp Heynckes hätte man die Formation als erneuten Beweis von Rotationswut um die Ohren gehauen. Vorne setzte der neue Borussen-Coach auf eine Zweier-Spitze mit Federico Insua und Rafael. „Federico hat unglaublich gekämpft, Nando war immer anspielbar, fleißig, engagiert, hat sein bestes Spiel für Borussia gemacht. Jansen hat da gespielt, wo er seine größten Qualitäten hat.” Hinten links nämlich. Davor durfte wieder Peer Kluge spielen, Hassan El Fakiri nahm sich als Sechser erfolgreich Bremens Spiritus Rector Diego an, Bo Sevensson gab sein Debüt rechts im Mittelfeld als Abfangjäger für Tim Borowski.

„Ich habe doch nur für 15 Minuten Luft”, war der Däne noch vor zwei Wochen überzeugt, für diese Position nur beschränkt geeignet zu sein. Vor einer Woche schraubte er sein Luft-Vermögen theoretisch auf 20 Minuten hoch. Gestern bewies er in der Praxis 65 Minuten Laufvermögen. Auffälligster Gladbacher aber war Michael Delura. Der 20-jährige Leihspieler durfte hinter den Spitzen spielen und bedankte sich für das Vertrauen nicht nur mit dem 1:1 nach schönem Steilpass von Per Kluge (17.). Der als Heynckes-Liebling denunzierte Schalker wirbelte die Bremer Abwehr immer wieder durcheinander. „Er war in der ersten Halbzeit sehr gut, hat die richtigen Laufwege in die Tiefe gemacht”, lobte Luhukay.

Auf dem Zahnfleisch überstanden die Gladbacher nach der Pause ein Kräfte-Loch. Um dann doch noch das 1:2 durch den eingewechselten Jurica Vranjes zu kassieren (84.). Aber wieder schlug Gladbach, wie auch nach dem 30-Meter-Gewaltschuss von Pierre Wom? zum 1:0 (11.) zurück. Ein Remis gegen Bremen, ein Sieg über den inneren Schweinehund: Symbol-Gestalt war Steve Gohouri. Nicht weil der Abwehrrecke per Schädel-Kontakt erst Almeida und dann Per Mertesacker aus dem Spiel nahm - beide mussten zur Untersuchung ins Krankenhaus. Der Mann mit dem Elfenbein-Schädel legte per Kopf Rafael vor. „Das war ein Super-Gefühl”, schwärmte der Stürmer. Und meinte natürlich sein 2:2.