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Leverkusen: Bayer Leverkusen bejubelt die Franca-Show

Leverkusen : Bayer Leverkusen bejubelt die Franca-Show

In Brasilien ist Francoaldo Sena de Souza ein Idol. Einer wie Ronaldo. Das war auch so als es für Franca - so die Kurzform - nicht so lief.

Ein Jahr trainierte er im bösen, kalten Deutschland schlecht, spielte noch schlechter und saß sich auf der Leverkusener Reservebank Splitter in den Hintern.

Nun ist alles anders. Die Franca-Show ist eröffnet. Beim 4:0 über Hannover 96 reichten zehn Minuten, um die Fußballwelt vom „neuen” Franca zu überzeugen.

Der schmächtige Lockenkopf lief, wirbelte, versprühte Spielfreude pur. Er grätschte, setzte nach, arbeitete nach hinten. Und er machte das, was ein Fußballprofi in der Position eines Stürmers normalerweise macht: Nach zwei Minuten traf er selbst, nach neun legte er für Olli Neuville auf.

70 Minuten später sagte Franca artig „Danke”. Beim lieben Gott, bei Klaus Augenthaler und bei den 22.500 Zuschauern in der BayArena. Schüchtern blickte er hoch, rauf zu den Tribünen. Dort standen die Menschen - auch die Hannoveraner - und klatschten.

Zuvor hatte er noch bei Neuvilles zweitem Streich zuvorkommend die Beine geöffnet und Daniel Bierofka den Schlusspunkt aufgelegt. „Franca hat heute sensationell gespielt”, erkannte Sturmpartner Neuville. Kurz, knapp, aber wahr.

Nicht ganz so sensationell fand sein Trainer Augenthaler allerdings die Gesamtleistung seiner Elf. Die Igeltaktik mit den gefährlichen Stacheln Franca, Neuville, aber auch Ponte und Babic, bescherte zwar vier sehenswerte Tore, doch Bayer verschlampte weitere Ausrufezeichen.

Und hinten spielte neben den gewohnt starken Lucio und Juan sowie Placente und Balitsch auch der Leichtsinn mit.

Unterm Strich ist die Weste nach drei Siegen weiß, aber nicht porentief rein. „Unsere Sorglosigkeit verstehe ich nicht, nach dem 2:0 wollten wir nur noch zaubern”, kündigte Augenthaler vorsätzlichen Diebstahl bis zum nächsten Spiel an.

Denn er will und wird seinen Spielern den Zauberstab entreißen. Die Fußfesseln hat er eh schon ausgeworfen.

„Wir müssen die Kirche im Dorf lassen”, lehrte er den Akteuren die Bodenständigkeit. Die haben verstanden. „Das waren drei Spiele, die wir einfach gewinnen mussten. Nun müssen wir abwarten”, diktierte Neuville.

Alle haben sie „Auge” lieb. Der neue Trainer mit dem neuen, deutlich offensiver ausgerichteten 4-4-2-System sorgt für lachende Gesichter.

„Das System passt zu uns”, lobt Neuville den Trainer und tadelt zugleich die Übungsleiter aus dem Seuchenjahr. Babic blüht auf, Ponte zieht gekonnt die Fäden, Neuville trifft und Franca scheint praktisch alles zu gelingen.

„Er war im Urlaub in Brasilien keinen Tag untätig und lässt sich auch im Training keinen Tag hängen. Das zahlt sich jetzt aus”, freut sich „Auge” und fügt hinzu: „Aber wir haben ihn ja auch geholt, damit er Tore schießt und Tore vorbereitet.”

Allein der Glaube an diese Qualitäten war verloren. „Wir freuen uns über Francas Leistung. Aber er fordert noch mehr von sich selbst ein - bei ihm ist noch etwas drin”, warnt Sportdirektor Jürgen Kohler die Abwehrreihen.

Den Bayer-Fans solls recht sein, und in Brasilien werden sie gerne von Francas neuen Heldengeschichten hören...