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AZ-Kolumne von Hans Meyer: Auch mal Risiko nehmen

AZ-Kolumne von Hans Meyer: Auch mal Risiko nehmen

Das Tabellenbild kann derzeit nicht überraschen. Ab Platz 10 abwärts sind bis auf Kaiserslautern und Leverkusen nur aktuelle oder Aufsteiger der letzten zwei, drei Jahre zu finden. Sie verbindet, dass sie alle sportlich den Sprung geschafft haben, ohne aber das große Geld dafür zu besitzen.

Dabei steht meine Borussia noch recht gut da: Nürnberg etwa hatte nicht so viel Schulden wie Gladbach (30 Millionen Mark) und ist eigentlich viel souveräner aufgestiegen als wir.

Aber für all diese Klubs gilt: Immer wenn unvorhergesehene Momente wie Verletzungen oder Tumulte im Umfeld geschehen, sind sie besonders anfällig. Wenn das Schalke passiert, fällt der Verein nicht gleich ins Koma. Das ist soweit alles recht logisch. Was mit Leverkusen geschieht, ist etwas, was alle acht Jahre passieren kann.

Die Erwartungshaltung, eine phantastische Vorsaison, da wahrscheinlich über dem Limit gespielt, der Weggang von Ze Roberto und Ballack. Nur Pech mit Verletzungen kann es nicht sein. Immerhin haben sie erneut mit rund 20 Millionen richtig zugelangt und Leute wie Simak und Balitsch geholt. Das Abstiegsgespenst aber haben sie, wenn sie auch rechtzeitig angefangen haben darüber zu reden, nicht richtig ernst genommen.

Wenn Köln, Mainz oder Fürth jetzt hoch kommen, werden sie sich vielleicht im ersten Jahr halten. Im Jahr drauf aber steigen die Erwartungshaltungen, der Trainer bekommt die Köpfe der Spieler nicht mehr klar. Wie Ewald Lienen mit dem FC.

Er hat nur noch mit den Köpfen der Spieler zu tun gehabt, dazu kamen Misserfolgserlebnisse, die phantastische Boulevardpresse. Und dann fängt man an, aneinander zu zweifeln.

Diese Klassen-Mechanismen wirst du nur überwinden, wenn du abgesehen vom Glück dich auf deine eigenen Mittel konzentrierst, die Nachwuchsarbeit intensivierst, auf den guten Charakter einer Mannschaft bauen kannst und zwei echte Verstärkungen dazu holst.

Wie etwa vom Schlage Forssell. Der macht Borussia um 15 Prozent stärker, und dabei ist er nach seiner Verletzung noch nicht einmal richtig fit. Man muss auch mal Klasse kaufen. Wie etwa der VfB mit Meira. Wo aber ist die Grenze für ein vernünftiges Risiko? Als Trainer kannst du nur fordern, ohne zu wissen, ob das auch legitim ist.