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AZ-Kolumne: Hört auf mit der Treibjagd!

AZ-Kolumne: Hört auf mit der Treibjagd!

Wir Deutschen entwickeln uns in Sachen Schiedsrichter-Entscheidungen immer mehr zu Memmen. Was sollen diese Diskussionen auf dem Platz, diese Selbstjustiz?

Es ist eine völlig falsche Fährte, die Schiedsrichter zu den Buhmännern der Nation zu machen. Wir sollten viel mehr über unsere „unfehlbaren” Fußballer reden. Und die sollten mehr über sich selbst nachdenken, sich mehr auf ihr Spiel konzentrieren, anstatt rumzuboxen und zu stoßen.

Es kann doch keine Entschuldigung sein, dauernd auf den ach so immensen Druck hinzuweisen. Das ist albern. Aber daran ist natürlich auch das Umfeld schuld: Es beginnt mit dem Medien und endet bei den Spielern auf dem Platz.

Inzwischen wird über jeden Einwurf diskutiert. Dabei sollten sie sich eigentlich in die Ecke stellen und sagen: Da habe ich wieder schönen Mist gemacht. All dies hindert uns dran, im Fußball weiterzukommen. Es mangelt an Achtung vor dem Anderen, der auch mit im Boot sitzt.

Stattdessen wird eine Treibjagd auf die Schiedsrichter veranstaltet. Und während auf der einen Seite die sportliche Inkompetenz vieler Berichterstatter immer mehr zunimmt, zeigt man andererseits die diskutierten Szenen im Fernsehen immer und immer wieder, seziert sie solange, bis ein Fehler entdeckt ist.

Das hat doch mit dem wirklichen Fußball, mit seiner Schnelligkeit, nichts mehr zu tun.

Ich habe mich nach unserer Partie gegen Leverkusen bei Schiedsrichter Gagelmann für seine Leistung bedankt. Er hat zwar zum Schluss das Handspiel übersehen. Aber das kann immer passieren. Ansonsten hat er richtig souverän gepfiffen.

Ich gehe davon aus, dass die Schiedsrichter selbst kritisch genug mit sich umgehen. Schließlich sitzen doch immer erfahrene Unparteiische als Beobachter auf der Tribüne.

Die Schiedsrichter haben doch gar kein Interesse daran, zu den Buhmännern der Nation zu werden. Und das muss man auch als Trainer vorleben. Ich habe zu meinen Spielern noch nach keinem Spiel gesagt, wir haben verloren wegen dieses „Blinden”.