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Eupen: AS Eupen klopft laut ans Erstliga-Tor

Eupen : AS Eupen klopft laut ans Erstliga-Tor

Bei Heinz Gensterblum, Sportredakteur der Tageszeitung „Grenz-Echo” in Eupen, steht in diesen Tagen das Telefon nicht mehr still.

Laufend melden sich Kollegen aus Brüssel, um Auskünfte einzuholen über einen Fußballverein, der zurzeit als Spitzenreiter der zweithöchsten Klasse Furore macht.

Mit der AS Eupen könnte erstmals ein Klub aus dem deutschsprachigen Landesteil Belgiens erstklassig werden.

Schon träumt man in Eupen von Punktspielen gegen Brügge, Anderlecht, Standard Lüttich und Genk. In Ostbelgien, wo Kinder und Jugendliche mit Schals und Shirts von Bayern, Dortmund, Schalke, Mönchengladbach und Köln herumlaufen und samstags „ran” oder das „Sportstudio” schauen, wird man sich demnächst wohl mehr als bisher für den Fußball im eigenen Land interessieren.

Ein Durchmarsch der Allgemeinen Sportvereinigung Eupen von der dritten Klasse ins Fußball-Oberhaus wäre eine Sensation, denn der 1945 gegründete Verein hat nichts von einem Profiklub. Im Schnitt 1400 Zuschauer sehen die Heimspiele.

Das Stadion am Kehrweg bietet zwar Komfort, genügt aber nicht den Anforderungen der Profiliga. Im Fall eines Aufstiegs müsste eine neue Tribüne gebaut werden. Die Verwaltungsarbeit erledigen ein pensionierter Lehrer und eine Halbtagskraft. Der Manager ist von Beruf Polizeikommissar. Von den 21 Spielern des A-Kaders leben nur vier vom Fußball.

„Als einziger Zweitligist hat Eupen keinen anerkannten Fanclub”, spottete das „Voetbal Magazin”. Die fehlende Begeisterung in der Eupener Bevölkerung führt mancher darauf zurück, dass nur zwei Spieler deutschsprachig sind.

Einer von ihnen ist Stefan Bongard aus Konzen. Die meisten Kicker stammen vom Zweitliga-Konkurrenten FC Lüttich, bei dem der heutige AS-Trainer Claudy Chauveheid einst Jugendkoordinator war.

Schon vor fast 30 Jahren hatte Eupen die Chance gehabt, den Sprung zu schaffen. Im entscheidenden Spiel 1974 unterlag die AS in Lokeren mit 1:2.

Auf finanzielle Abenteuer werde man sich nicht einlassen, versichert Präsident Dieter Steffens: „Auch im Fall eines Aufstiegs werden wir nur die Mittel einsetzen, die uns zur Verfügung stehen.” Manager Manfred Theissen schlägt in die gleiche Kerbe: „Lieber direkt wieder in die zweite Division absteigen, als die Zukunft des Vereins aufs Spiel zu setzen.”

Momentan verfügt der Klub über einen Etat von 700 000 Euro. Bei einem Aufstieg soll das Budget verdreifacht werden. Auf Profis aus Deutschland wird man wohl weiterhin verzichten. „Mit den Gehältern, die in Deutschland selbst in der Regionalliga gezahlt werden, können wir nicht mithalten”, sagt Theissen.