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Herisau/Schweiz: Arie und Joris träumen vom „van-van-Sturm”

Herisau/Schweiz : Arie und Joris träumen vom „van-van-Sturm”

Er läuft, er schwitzt, und endlich trifft er auch wieder - Arie van Lent hat nur ein Ziel vor Augen: „Ich will wieder Stammspieler werden, alles andere ist mir zu wenig.”

Während das Matterhorn bröckelt, weil die Gletscher schmelzen, und so manch einer seiner Mönchengladbacher Teamkollegen in der schweizerischen Bullenhitze nach dem Sauerstoffzelt schreit, bleibt der fast 33-jährige Stürmer im Trainingslager im Appenzeller Land cool.

„Ach, mit dem Laufen hatte ich doch noch nie Probleme”, sagt er trocken. Dann fasst er sich allerdings besorgt an die immer höher werdende Stirn, „nur hier oben muss ich ein wenig aufpassen. Je heißer die Sonne, je weniger die Haare... ihr wisst schon.”

Arie lacht. Nein, jünger wird der gebürtige Niederländer nicht mehr. Seine Kontrahenten im Kampf um die Plätze im Borussen-Sturm sind alle eine ganze Ecke jünger, Joris van Hout sieben Jahre, Morten Skoubo zehn und Vaclav Sverkos sogar 13 Jahre.

„Ich hoffe, dass es hier nicht nach Alter geht. Mein alter Trainer Otto Rehhagel hat immer gesagt: ,Hauptsache die Leistung stimmt. Und genauso sehe ich es auch.”

Van Lent weiß, dass es in diesem Jahr nicht einfach wird, den Platz im Sturm der Borussia zu erobern - egal ob Trainer Ewald Lienen mit einem, zwei oder drei Stürmern spielen lässt. Sein Knie, in dem vor knapp einem Jahr das Kreuzband riss, ist jedenfalls kein Störfaktor mehr. „Ich vertraue meinem Knie. Es macht gar keine Probleme mehr, alles ist so wie es sein sollte.”

Das verlorene Jahr macht ihm allerdings noch zu schaffen. „Ich denke, dass ich im Moment bei 75 Prozent bin. Aber die Fitness kommt von Tag zu Tag zurück. Die kleinen Wehwehchen werden immer seltener. Und dann klappt es auch automatisch vor dem Tor wieder.”

So wie im Testspiel gegen den Schweizer Zweitligisten FC Winterthur, als van Lent mit einem wunderschönen Kopfball den 1:0-Siegtreffer erzielte.

Was in seinem Bewerbungsschreiben für einen Stammplatz stehen würde? „Hmm”, überlegt Arie, „ich kann wichtig sein, als Anspielstation und mit meiner Erfahrung. Ich werde ja nicht alles verlernt haben.”

Lobende Worte findet er allerdings auch für seine Kontrahenten, die er ohnehin viel lieber als Kollegen bezeichnet: „Vaclav ist ein großes Talent mit absolutem Torriecher. Morten ist viel lockerer geworden. Seine vier Tore zum Saisonende haben ihm Selbstvertrauen gegeben. Und Joris ist auf einem richtig guten Weg. Es macht mich glücklich, dass er wieder trainiert.”

Ja, mit Joris van Hout einen „van-van-Sturm” zu bilden, würde van Lent gefallen, „wir kennen uns mittlerweile richtig gut, und ich wünsche ihm, dass er alles erreicht, was er will”.

Im Juli letzten Jahres haben beide zuletzt nebeneinander auf dem Platz gestanden. Es war jenes schicksalhafte Vorbereitungs-Spiel bei Standard Lüttich, als van Lent das Kreuzband riss. Sechs Monate später ereilte van Hout das gleiche Schicksal.

„Es ist schon enorm wichtig, wenn man sich auf dem Platz hundertprozentig versteht”, sagt van Hout, der keinen Hehl aus seiner Sympathie für Arie macht, „aber der Trainer hat mit uns Vieren sehr viele Kombinationsmöglichkeiten. Wir können es alle miteinander.” Van Lent stimmt dem zu: „Probleme gäbe es sicherlich mit keinem.”

Kurz bevor der Trainer seine beiden „Vans” zum nächsten Waldlauf bittet, fällt van Lent noch ein Pluspunkt für seine Bewerbung um einen Stammplatz ein: „Wir spielen ja gleich am ersten Spieltag gegen Köln”, strahlt Arie und verweist auf seine „acht bis zehn Treffer” gegen die Geißböcke.

„Gegen die treffe ich immer. Wieso, weiß ich auch nicht. Es klappt einfach. Man könnte mich das ganze Jahr draußen lassen. Aber gegen Köln muss man mich bringen.”