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Köln/Aachen: Angelina Grün: „Wir haben eben Mut gehabt . . .”

Köln/Aachen : Angelina Grün: „Wir haben eben Mut gehabt . . .”

Belgrad ist Vergangenheit, Köln Gegenwart und Aachen (nahe) Zukunft. Volleyballerin Angelina Grün, die in der serbischen Hauptstadt eine grandiose Europameisterschaft zelebrierte, dabei ihre Länderspiele 276 bis 281 bestritt und im letzten dieser Auftritte den Titelgewinn knapp verpasste, erholt sich in ihrer Wahlheimat am Rhein.

Und dann tritt die annehmende Außenangreiferin ihren „Dienst” beim Bundesligisten Alemannia an. Wann die 31-Jährige genau zum Kader stößt, ist noch nicht entschieden. Im Vorfeld stand die in Du­shanbe (ehemalige sowjetische Teilrepu­blik Tadschikistan) geborene Athletin Max Eckstein zu aktuellen Fragen Rede und Antwort.

Wer Sie beim Aufschlag beobachtet, stellt schnell fest, dass Risiko für Sie ein Fremdwort ist. Handelte es sich bei Ihrer Rückkehr ins Nationalteam nach dreieinhalbjähriger Pau­se aber nicht um höchstes Risiko?

Grün: Das sehe ich keinesfalls so. Wenn wir davon reden wollen, dass ich mich einer neuen Herausforderung gestellt habe, passt mir das viel besser. Und es kann sich letztlich auch niemand darüber beklagen, wie die Geschichte gelaufen ist. Bundestrainer Giovanni Guidetti und ich haben eben Mut gehabt.

Sie haben Mut gehabt - und sich also doch Sorgen um Ihren großartigen Ruf gemacht?

Grün: Nein. Ich habe mir von Anfang an keinen Druck gemacht und nie Angst gehabt, mir selbst zu schaden. Zugegebenermaßen hat niemand damit rechnen können, dass es so gut laufen und ich von der Mannschaft so optimal aufgenommen werden würde.

Und wer dann noch vom Bundestrainer das absolute Vertrauen entgegengebracht bekommt, kann rund­um zufrieden sein . . .

Grün: Das ist keine Frage, obwohl diese Tatsache ja nicht überraschend kam. Immerhin war Giovanni Guidetti während meiner Zeit in Italien phasenweise mein Vereinscoach. Und auch, als ich mich dem Beachvolleyball verschrieben hatte, haben wir uns nie aus den Augen verloren.

Apropos Beach: In einem Interview mit dem nationalen Verband werden Sie zitiert, trotz des alles andere als optimal gelaufenen „Abstechers” viel gelernt zu haben. Was genau?

Grün: Vor allem jede Menge über mich selbst. Außerdem ist es schon ei­ne ganz besondere Sache, für das Team Verantwortung zu tragen - sei es auf dem Feld oder in der Organisation. Darüber hinaus durfte ich tolle Menschen treffen und neue Techniken kennenlernen, ja, sogar regelrecht eine neue Sportart.

Und in der „alten” sind Sie jetzt Vize-Europameisterin - nach Bronze im Jahr 2003 in Ankara. Haben Sie diesen Erfolg richtig feiern können, nachdem Sie so knapp am Titel vorbeigegriffen haben?

Grün: Auf alle Fälle, obwohl ich nicht abstreiten will, dass wir zunächst etwas traurig waren. An diesem Finaltag haben Nuancen entschieden - und das halt gegen uns. Zudem wurden die ohnehin schon starken Serbinnen von 9000 Zuschauern noch zusätzlich motiviert. Und wir haben in Teilbereichen nicht das abrufen können, was wir beim 3:1 in der Vorrunde gezeigt hatten.


Wie ordnen Sie dieses Finale, das Deutschland erstmals seit 1989 erreicht hatte, in Ihrer persönlichen „Rangliste” ein?

Grün: Ich bin nicht der Typ, der Wertungen vornimmt. Dass ein solches Spiel unvergessen bleibt, ist dennoch klar. Meine Hoffnung ist, dass noch viele Erfolge kommen.

Was ist das nächste große Ziel?

Grün: Unverändert - wie schon vor den Europameisterschaften - Olympia 2012 in London. 2000 in Sidney und vier Jahre später in Athen hatte ich dieses tolle Erlebnis schon und sehe eine realistische Chance, ein drittes Mal dabei zu sein. Für das Team ist jetzt eine greifbare Möglichkeit da, den wahnsinnig schweren Qualifikationsweg zu gehen. Und dafür werden wir alle Vollgas geben.

Darauf hoffen auch die „besten Fans der Liga”, wenn Sie künftig das Alemannia-Trikot tragen. Was weiß die neunmalige Volleyballerin des Jahres (2000 bis 2008) über die aktuelle Situation in der deutschen Eliteliga?

Grün: Mit den Details habe ich mich nie so wirklich beschäftigt, ich bin aber durchaus ein neugieriger Mensch. Und der ist sehr gespannt darauf, was sich getan hat, seitdem ich vor zehn Jahren Münster und die Bundesliga verlassen habe.

Und was wissen Sie über Aachen?

Grün: Es gab bislang noch keine Gelegenheit, irgendetwas zu beschnuppern. Ich freue mich riesig darauf, meine Mannschaftskameradinnen und das Umfeld kennenzulernen. Es wird sehr, sehr spannend zu sehen, wie der Verein und wir alle Überlegungen unter einen Hut bekommen, um das Optimale zu erreichen.

Was kann oder soll das genau sein?

Grün: Da halte ich es mit Trainer Stefan Falter: Wir werden gemeinsam darüber reden!