1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Aachen: „Als Buchhalter versagt, nicht in der Kabine”

Aachen : „Als Buchhalter versagt, nicht in der Kabine”

Beim ersten Kaffee danach entspannte sich Georg Scholl so langsam. „Jetzt haben wir Rechtssicherheit”, sagte der Vorsitzende von Germania Teveren. Der Fußball-Landesligist hatte vor der XII. Zivilkammer des Landgerichts Aachen gerade seine wichtigste Begegnung seit knapp drei Jahren gewonnen.

Der Vorsitzende Richter, Prof. Dr. Uwe Meiendresch, hatte die Klage des ehemaligen Germania-Sponsors Metallbau Schuler auf 300.000 Euro Schadensersatz in allen Punkten abgewiesen.

In Mittelpunkt von Verfahren und Urteilsbegründung stand der ehemalige Schuler-Buchhalter und Germania-Spielerobmann Heinz E., dessen Revision gegen seine Verurteilung in der Strafsache nach anhängig ist. In diesem Prozess war Heinz E. wegen Veruntreuung von Firmengeldern in Höhe von 900.000 Euro zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verdonnert worden.

„Der Klägerin ist vorzuhalten, dass sie ihren Buchhalter nicht genügend kontrolliert hat”, stellte Prof. Meiendresch einen wichtigen Punkt der Sache heraus. Seine Tätigkeit im Verein sei zwar möglicherweise ein Motiv für die Veruntreuung der Firmengelder gewesen, aber es sei zweifelhaft und nicht nachweisbar, dass das auch der Grund dafür gewesen wäre.

Der entscheidende Grund für die Kammer war die Tatsache, dass Heinz E. als Buchhalter die Gelder abgezweigt habe. „Er hat als Buchhalter versagt”, betonte der Vorsitzende Richter. „Er hat nicht in der Umkleidekabine versagt, sondern in der Firma.” Außerdem bekleidete Heinz E. kein Amt im Vorstand der Germania

In dem Verfahren hatte die Kammer zu prüfen, ob der Verein in diesem Fall haftbar gemacht werden könnte. Urteile, an denen man sich hätte orientieren können, gab es nicht.

Beantragt die Klägerin keine Revision beim Oberlandesgericht in Köln, hat in Aachen ein Musterprozess stattgefunden. Doch das wird sich erst in den kommenden Wochen herausstellen. Denn weder der persönlich haftende Gesellschafter Karl Schuler noch sein Rechtsbeistand waren am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Vorstand von Germania Teveren war selbstredend rundum zufrieden mit dem richterlichen Spruch. Seit Februar 2005, als die Verfehlungen des Heinz E. ans Tageslicht gekommen waren, schwebten Forderungen in einem Gesamtumfang von 800.000 Euro über dem Verein, der 2010 sein 100-jähriges Bestehen feiern will.

Denn neben der Schuler-Forderung machte das Finanzamt aus dem gesamten unterschlagenen Firmengeld eine Steuernachzahlung von 25 Prozent geltend. Der Rest wäre an Kranken- und Sozialversicherungsabgaben fällig gewesen. Eine Verurteilung wäre das Aus gewesen. „Jetzt kehrt endlich wieder Ruhe ein”, meinte Vorsitzender Scholl. „In dieser Zeit war die Post manchmal wichtiger als ein Spielergebnis.”

Und der Klub hatte in diesen 34 Monaten viel durchzustehen. „Es war eine schwere Zeit”, blickt Scholl zurück. Die Schadenfreude bei der Konkurrenz und der direkten Nachbarschaft habe schon sehr getroffen. Die Abweisung der Zivilklage machte das Teverener Glück vollständig. Denn die Forderungen des Finanzamtes waren vor Gericht schon vor geraumer Zeit abgeschmettert worden.

Jetzt ist die Sache für den Verein erst einmal ausgestanden. Und trotz einer möglichen Revision wollte sich Rotwein-Liebhaber Georg Scholl am Abend mit seiner Frau zu Hause im beschaulichen Heim in Geilenkirchen erst einmal einen guten Tropfen genehmigen.

Doch nicht für alle, die in die Sache involviert waren, gibt es Entwarnung. Gegen die ehemaligen Germania-Spieler Andreas K. und Paul J., die von Heinz E. über die Firma entlohnt worden waren, ist bereits ein Verfahren anhängig.