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Frankfurt: Alles dreht sich nur um Ullrich

Frankfurt : Alles dreht sich nur um Ullrich

Seit mehr als einer Woche sitzt Jan Ullrich wieder auf dem Rad. Gut erholt vom Urlaub in Florida, nutzte der demnächst 32-jährige T-Mobile-Star den Goldenen Herbst am Bodensee für die ersten Bewegungsfahrten fürs Gelbe Trikot.

Es sind zwar noch fast acht Monate hin bis zum Start der Tour de France am 1. Juli 2006 in Straßburg. Doch mit völlig neuer Struktur und ungewohnt emsigen Aktivitäten des T-Mobile-Teams hat das große Unternehmen „Tour 2006” bereits begonnen.

Im Jahr eins nach Lance Armstrong steht Jan Ullrich mehr denn je in der Pflicht, das größte Radspektakel nach 1997 zum zweiten Mal zu gewinnen - zumindest alles dafür zu tun. Keine Nachlässigkeiten duldet der neue Team-Besitzer Olaf Ludwig. „Ich fordere vollen Einsatz von Jan.”

Der Olympiasieger von 1988 geht mit Hans Hindelang als Partner seiner Firma „OLCycling GmbH” und 29 Rennfahrern in seine erste Saison als alleiniger Chef. Der Vertrag mit dem Sponsor T-Mobile läuft bis 2008. Alles wurde und wird getan, damit es dem erklärten Favoriten an nichts fehlt.

Intimfeind kehrt zurück

„Die Bedingungen und sein Umfeld werden hundertprozentig auf Jan ausgerichtet.” Ludwig glaubt, dass er mehr Einfluss auf seinen eigenwilligen und zur Bequemlichkeit neigenden Star hat als dessen schärfster Kritiker Godefroot. „Ich habe eine andere Bindung zu Jan als Walter.” Die erste Maßnahme und bedeutendste Veränderung: Nach dem Rücktritt von Walter Godefroot kehrt dessen Intimfeind Rudy Pevenage offiziell ins Team zurück mit mehr Kompetenzen als vor dem Nacht-und-Nebel-Wechsel wegen Ullrich 2003 zu Coast/Bianchi.

Der Belgier ist der allein verantwortliche Sportliche Leiter nur für Jan Ullrich und die Tour-Mannschaft. Mario Kummer stieg zum Sporttechnischen Direktor auf mit mehr logistischen Aufgaben und ist Vorgesetzter der vier Sportlichen Leiter Rudy Pevenage, Valerio Piva, Frans van Looy und Brian Holm.

Der radikale Austausch im Team - zehn Fahrer gehen, zwölf kommen - ist in erster Linie unter dem Aspekt Tour de France und des Abschieds von Erik Zabel und Alexander Winokurow vorgenommen worden. Das neue Dutzend: die Deutschen Linus Gerdemann, Andre Greipel, Jörg Ludewig, Patrick Sinkewitz, Thomas Ziegler, die Italiener Lorenzo Bernucci (Tour-Etappensieger 2005) und Eddy Mazzoleni (13. der Tour 2005), ferner Zeitfahrweltmeister Michael Rogers (Australien), einer dessen Vorgänger, Sergej Gontchar (Ukraine), Polen-Rundfahrt-Sieger Kim Kirchen (Luxemburg) sowie Scott Davis (Australien) und Frantisek Rabon (Tschechien).

Bemerkenswert ist der letzte Neuzugang - ein Schnäppchen. Linus Gerdemann (23), ein selbstbewusster Siegertyp mit großen Perspektiven, stand noch bis Ende 2006 beim dänischen Team CSC von Bjarne Riis unter Vertrag. Als der Westfale eher beiläufig anmerkte, dass er 2007 zu T-Mobile wechseln werde, schickte ihn Riis sofort weg. Er baue das Talent doch nicht auf und andere ernteten dann die Früchte seiner Arbeit, begründete Riis den Rauswurf.

Die Ausgeschiedenen: Zabel (Milram), Winokurow (Liberty Seguros), Torsten Hiekmann (Gerolsteiner), Jan Schaffrath (Milram), Tomas Konecny, Paco Lara und Sergej Jakolew. Ihre Karriere beenden Rolf Aldag, Tobias Steinhauser und Christian Werner.

Länger als je zuvor, vom 15. bis 21. November in München und Wien, trifft sich die neue Mannschaft zum Kennenlernen, zur Einkleidung, Material-Anpassung, Termin-Planung und zum Foto-Shooting. „Ich will die Fahrer auf die Mannschaft und aufeinander einschwören”, begründet Ludwig das einwöchige Zusammensein.

Vorab haben sich in seinem Schweizer Wohnsitz Scherzingen bereits Ullrich und Pevenage zu ersten Vorgesprächen getroffen. „Jan hat angefangen, sich zu bewegen”, berichtete Pevenage, „und freut sich über die beiden langen Einzelzeitfahren im Streckenplan der Tour.”

Am 28. November fliegt Ullrich zum privaten Trainingslager bis Weihnachten nach Südafrika. Im Januar folgt dann das zweiwöchige Trainingscamp auf Mallorca. Danach wird die Toskana wieder Trainingsdomizil. Der Saisonstart ist für Anfang März vorgesehen.

Um in die Routine-Vorbereitung für die Tour de France der letzten Jahre etwas Abwechslung und vielleicht auch Verbesserung zu bringen, verriet Rudy Pevenage, werde ein Start beim Giro dItalia als Alternative zur Tour de Suisse ernsthaft in Erwägung gezogen.