Aachen: Alemannias Sammelbecken für die Talente wird vergrößert

Aachen: Alemannias Sammelbecken für die Talente wird vergrößert

Mühelos schafft Alemannia nun diesen zweiten Platz. Vor dem Westklub wachte nur der SC Paderborn am Sonntag auf, seit gestern nun ist die Minipause auch am Tivoli beendet, Aachen nimmt als zweiter Profiverein die Arbeit wieder auf.

Und da wurde es gleich wieder stürmisch, so dass das erste Training vor etwa 400 Zuschauern im Gewitter gleich abgebrochen werden musste.

Kurzfristig hat Alemannia noch zwei Spieler für zwei Jahre verpflichtet. Mario Erb war der Kapitän von Bayern München II, das gerade die 3. Liga verlassen muss. Es wird kaum dienstältere Spieler beim Gerademalnicht-Meister geben.

Schon als Siebenjähriger wechselte der Münchener zum Verein, durchlief dort sämtliche Jugendmannschaften, häufig als Spielführer. Als „spielstarken Innenverteidiger mit einer überdurchschnittlich guten Spieleröffnung” preist Alemannias Manager Erik Meijer den U 20-Nationalspieler an. „Es ist der nächste Schritt”, sagt Erb, der aber beim Heimatverein noch hätte bleiben können.

In Aachen wird gerade ein großes Talente-Sammelbecken aufgestellt. Der TSV ist in diesen Monaten vor allem ein Talente Sport Verein. Der jüngste Profitrainer umgibt sich mit der jüngsten Mannschaft. „Wir haben dieses gute Image als Ausbildungsverein”, sagt Trainer Peter Hyballa. Von dem Plan, die Mannschaft mit erfahrenen Spielern zu verstärken, ist nicht viel übrig geblieben. Die eine oder andere Idee ist an den Kosten gescheitert, was Erik Meijer lapidar so kommentiert: „Ich würde auch gerne Ferrari fahren, fahre aber VW.”

Gekommen sind bis auf Bas Sibum (1. Liga Niederlande) und Kim Falkenberg (2. Liga) bislang junge Spieler aus der 3. und 4. Liga, allesamt versehen mit dem leuchtenden Stempel: jung, wild, hoffnungsvoll. Und aus unterschiedlichen Gründen ist die Karriere noch in den Startblöcken hängengeblieben.

Das gilt auch für Lennart Hartmann, dem man vor drei Jahren bei Hertha BSC vor allem eines prophezeite: eine große Karriere. Mit 17 Jahren und vier Monaten war Hartmann der jüngste Hertha-Spieler aller Zeiten in der Bundesliga. Für den Mittelfeldlenker hatte der Hauptstadtklub dann doch keine richtige Verwendung mehr, er wurde dort in der Regionalliga versteckt. „Ich passe hierhin”, sagt Hartmann nach ein paar Stunden Aachen. Beim Kumpel aus gemeinsamen Berliner Tagen, Shervin Radjabali-Fardi, hatte er sich informiert.

„Lennart hat 30 U-Länderspiele, Mario ein paar weniger. Von den Anlagen her sind beide keine Talente, sondern Top-Talente”, sagt der Talenteformer Hyballa. Im April überzeugte der 20-Jährige jedenfalls beim Tivoli-Casting, und zur Belohnung stellte ihm die Jury jetzt den Zweijahresvertrag aus. „Wir können uns keine Kracher leisten, aber wir können Kracher ausbilden”, meint der Trainer.

Der Kader platzt inzwischen aus allen Nähten. 28 Spieler sind dort gelistet, und das ist noch nicht das letzte Wort. Der Trainer sehnt sich noch nach einem weiteren Innenverteidiger und einem Spielmacher. Zudem fehlt ein neuer Torwart, und dann eventuell bald auch ein Ersatz für Marco Höger. Der Shootingstar der letzten Saison trägt zwar zu Wochenbeginn noch schwarz-gelb, doch mit dieser Farbkombination ist der FC Schalke 04 nicht einverstanden. Am Wochenende sind die Verhandlungen zwischen den Klubs wieder angelaufen, kurzfristig zeichnet sich der nächste Transfer ab. Der FC Schalke hat sein Angebot nach Informationen unserer Zeitung auf über eine Million Euro erhöht, zudem werden weitere Nachschläge bei entsprechendem Karriereverlauf diskutiert. Die Entscheidung über einen Wechsel in die Bundesliga soll zeitnah fallen.

„Erst einmal freue ich mich, die Jungens wiederzutreffen”, sagt Höger, der noch ein Weilchen in der Warteschleife bleibt.