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Aachen: Alemannia siegt mit „gebrauchtem Treffer”

Aachen : Alemannia siegt mit „gebrauchtem Treffer”

Nach dem Spiel schaute Frankfurts Trainer kopfschüttelnd noch lange in den Strafraum. Vielleicht spielte er sich die entscheidende Szene aus der 83. Minute noch einmal vor. Flanke Stieber, Kopfballtor Auer. Alemannia besiegt den FSV Frankfurt 2:1, weil der Mittelstürmer - jetzt 14 Tore - dem Gast einen gebrauchten Treffer andrehte.

Auf diese feine Art war das Sturmduo in dieser Saison schon mehrfach erfolgreich. Es war die finale Pointe, die von den 15.813 Zuschauern schon gar nicht mehr erwartet wurde. Die Vorteile lagen zu diesem Zeitpunkt bei den Gästen.

Aachens Trainer Peter Hyballa hatte die Elf der Vorwoche auf das rutschige Spielfeld geschickt. Die Remiskönige der Liga nahmen gleich Fahrt auf. Bis zur 15 Minuten wurden ihnen fünf Ecken und fünf Freistöße zugeteilt, die ein Schicksal teilten: Sie waren völlig ungefährlich.

Und doch war der Aachener Coach durchaus zufrieden mit der Darbietung im ersten Durchgang. „Die Jungens haben das sehr erwachsen, sehr abgeklärt gemacht in der ersten Halbzeit.” Nach den ersten 20 ungestümen Minuten atmete das Team durch, behielt aber die Ball- und Spielkontrolle.

Frankfurt punktete nur ganz selten. Der einzige Stürmer Sascha Mölders beschäftigte Aachens komplette Innenverteidigung durchgehend. Der Torjäger umkurvte nach 25 Minuten zwar den weit aus dem Strafraum herausgeeilten Keeper David Hohs, der Abschluss war nicht weiter bedrohlich.

Timo Achenbach hatte sich die 36. Minute des 22. Spieltags für seinen ersten Saisontreffer reserviert. Und was für ein Tor. An der Mittellinie erhielt er den Ball, sprintete los, um dann aus 31 Metern einen fulminanten Schuss abzufeuern. „Ein bisschen Fußballspielen und schießen kann ich auch”, grinste der Linksverteidiger später.

Seiner Mannschaft bekam die Führung nicht so gut, Frankfurt hatte unterm Strich die besseren Möglichkeiten. Noch vor der Pause rettete Hohs zweimal prächtig das Remis. Einen Schuss von Aziz Bouhaddouz drehte er um den Pfosten (42.), dann blieb er Sieger gegen Stefan Hickl, der fröhlich unbedrängt auf ihn zulief (43.).

„Wir hatten schon im ersten Durchgang die besseren Möglichkeiten durch unsere Konter„, bilanzierte Boysen nach dem Spiel, „in der zweiten Halbzeit war der Ausgleich hochverdient”.

Mit einer Führung im Rücken kann dieses junge Aachener Team noch nicht gut umgehen, sie wurden fahrig, gaben Räume frei. Frankfurt näherte sich dem Ausgleich, Mölders setzte seinen Kopfball noch an die Latte (56.).

Der Ausgleich fiel dann nicht mehr so unerwartet, er fiel allerdings aus einer Abseitsposition: Jürgen Gjasula konnte im Strafraum den Ball ungedeckt annehmen. Er zimmerte den Ball unter die Latte zum 1:1 (69.).

So trudelte die Partie dem Remis entgegen, Boysen wechselte schon einmal seine Stürmer Bouhaddouz und Mölders aus, und auch Hyballa hatte die Auswechslung des etwas kraftlosen Zoltan Stieber schon angezeigt.

Der kleine Ungar zündete aber noch einmal und bereitete das 2:1 gekonnt vor. „Wir haben nicht gut gespielt”, atmete Torschütze Auer später durch. Entschuldigen wollte sich für den glücklichen Sieg aber niemand mehr. Alemannia ist seit vier Spieltagen unbesiegt, hat die 30-Punkte-Hürde elegant übersprungen, und übernachtet nun auf einem einstelligen Tabellenplatz. „Wir sind super glücklich”, war das letzte Zitat von Peter Hyballa an diesem Nachmittag.