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Aachen: Alemannia meißelt die Null in Stein

Aachen : Alemannia meißelt die Null in Stein

Als das vierte torlose Remis in Serie feststand, machte sich das Team auf eine Ehrenrunde - und erntete Beifall. „Das Publikum ist angesprungen”, urteilte Manager Erik Meijer am Ende des Tages durchaus zufrieden.

Mit Unentschieden kennt sich Alemannia inzwischen aus. Glückliche, schlechte, gute, seltsame waren zuletzt darunter. Dieses 0:0 gegen den Tabellenführer Greuther Fürth war dagegen das beste in dieser Serie, mit der der Vereinsrekord (vorher drei torlose Spiele in Folge) souverän ausgebaut wurde.

Die Mannschaft ist seit einem Monat ungeschlagen, aber sie ist auch seit dieser Zeit ohne jeden Torerfolg. Ein Treffer in acht Ligaspielen ist ein seltenes Kuriosum: Nicht ein einzelner Spieler, sondern ein kompletter Kader trifft nicht.

Andere Taktik

Am Ende der nächsten, enorm turbulenten Woche bemühten sich alle Beteiligten, das Ergebnis als Fortschritt zu interpretieren. Die Partie lieferte in der Tat ausreichend Indizien für die These. Interimstrainer Ralf Aussem hatte dem Team einen anderen Marschbefehl erteilt.

Die Mannschaft stand tiefer, überließ dem Klassenprimus Ball und Raum, stellte die Passwege zu - und lauerte. Gegen die tempostarken Gäste hatte sich Aussem ebenfalls für eine möglichst schnelle Formation entschieden, Kapitän Benjamin Auer wurde auch diesmal von Sergiu Radu ersetzt.

Das schnelle Umschalten führt zu ersten Chancen, und nicht zufällig gingen sie an den Sprinter David Odonkor. Der Flitzer scheiterte nach einem Solo am starken Fürther Keeper Max Grün (8.), dann zischte sein Linksschuss nach präziser Vorarbeit von Achenbach am Tor vorbei (23.). Aachens Angreifer waren schwer zu fassen in der Anfangsphase, sie wechselten ständig die Positionen.

Bis hierher war es ein interessantes, intensives Ligaspiel, Schiedsrichter Tobias Sieler machte hieraus aber noch ein denkwürdiges. Der Rechtsreferendar hat die Roten Karten so locker sitzen wie früher John Wayne seinen Colt.

Das bekam als erstes Manuel Junglas zu spüren. Sein böser Tritt gegen das Knie von Stephan Fürstner ahndete Sieler sofort mit einem Platzverweis. Eine harte Entscheidung nach einem harten Einsteigen.

Gespielt waren erst 23 Minuten, aber nur vier Minuten später war wieder Gleichstand hergestellt. Edgar Prib stieg gegen Sergiu Radu direkt vor der Aachener Bank ein. Keine harte Attacke, aber Radu rollte aus dem Bild, das Stadion tobte, und Stieler verkündete erneut die Höchststrafe.

„Das geht gar nicht”, tobte Fürths Teammanger Rachid Azzousi, der sich später fast „freiwillig” auf die Tribüne verbannte. Bei seinem einzigen Liga-Einsatz in dieser Saison (Kicker-Note: 6) in der Partie Fürth gegen Dresden sprach Stieler ebenfalls zwei Platzverweise aus. Der 31-Jährige scheint seine Fälle bevorzugt mit Roten Karten lösen zu wollen.

Aachen blieb das zielstrebigere Team, was die Überraschung des Tages war. Der starke Radjabali-Fardi scheiterte noch einmal aus spitzem Winkel (41.).

Nur noch 14 867 Zuschauer waren an diesem Sonntag zum Tivoli gepilgert, sie beobachteten zufrieden, wie Alemannia diesmal Fußball arbeitete und weniger spielte. Hadouir scheiterte in seiner Spezial-Disziplin, seinen präzisen Freistoß schnippte Keeper Grün über die Latte (62.).

Die Zuschauer beobachteten aber auch das gravierende Dilemma dieser Mannschaft. Sie rackert, schuftet, aber vor dem Tor ist sie so zupackend wie ein Vegetarier vor einem Grillteller. Sonst wäre an diesem Aussem-Tag eine schöne Überraschung möglich gewesen. Olajengbesi köpfte einen Eckball knapp am Tor vorbei (68.), ein Sololauf von Stiepermann endete wieder bei Grün (80.).

„Im Training machen wir sie alle rein”, übertrieb David Odonkor nur ein bisschen. „Der Knoten wird platzen, aber wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns.”

Diese Partie hätte dann fast noch einen unverdienten Sieger gefunden, aber David Hohs fischte Sercan Sararer entschlossen das Tor vom Fuß (86.). Hohs war kurzfristig eingesprungen, weil sich Stammkeeper Boy Waterman am Samstagabend mit Hüftbeschwerden abgemeldet hatte.

Alemannia kennt das Gefühl eines Sieges schon seit Monaten nicht mehr, „aber wir werden besser”, beobachtete Radjabali-Fardi. „Wir lassen weniger zu, sind stabiler.”

Zufrieden beendete auch Ralf Aussem seine Mini-Karriere als Aachens Profi-Trainer. „Das war ein Fortschritt, auch wenn ein Punkt zu wenig ist. Es gab heute nur einen Spieler, den wir durchschleppen mussten. Die Mannschaft lebt.”

Dieser Tag endete noch mit einer kleinen Pointe: Trotz erneuter Null-Lösung verbesserte sich die schlechteste Mannschaft der Liga um einen Platz.