Ingolstadt: Alemannia: Mannschaft fühlt sich nach 3:3 verraten

Ingolstadt: Alemannia: Mannschaft fühlt sich nach 3:3 verraten

Das Spiel war vorbei, und der schnaubende Schiedsrichter Christian Fischer bekam Besuch aus Aachen. Nur mit Mühe konnten Alemannias Keeper Boy Waterman und sein Torwarttrainer Hans Spillmann abgehalten werden, noch zudringlicher zu werden.

Die beiden waren nicht die Einzigen empörten, die ihren Unmut freien Lauf ließen. Die Mannschaft fühlte sich verraten. „Jetzt stehst du hier und fühlst dich verarscht”, fasste der aufgebrachte Erik Meijer, der schon vorher auf die Tribüne verwiesen wurde, den österlichen Ausflug zusammen. 3:3 endete Alemannias Spiel beim FC Ingolstadt.

Und wer in die leeren Gesichter der Aachener Spieler an diesem Nachmittag später schaute, entdeckte da nur große Leere. Dieses Remis fühlte sich an wie eine Niederlage.

Es gab so viele schöne Geschichten aus Aachener Sicht an diesem Nachmittag. Von einem neuen Trainer, der seine Mannschaft vitalisierte, von einem bislang unentdeckten Stürmer, der plötzlich trifft. Und doch reduzierte sich dieser Nachmittag auf die eine Szene, als der Schiedsrichter nachhaltig in die Dramaturgie eingriff.

Aachens Trainer Ralf Aussem hatte das Team kräftig durchgewirbelt. Sein Plan: „schnell umschalten und schnell in die Räume kommen”. Dafür bedurfte es schnelle Spieler. Ergo purzelten Kapitän und Co-Kapitän, Benny Auer und Bas Sibum, aus der Startformation. Albert Streit übernahm die Organisation vor der Abwehr, und im Angriff durfte erstmals in dieser Saison Marco Stiepermann ran.

Viele Schachzüge des Trainers gingen auf an diesem Nachmittag. Stiepermann hatte bislang nicht einmal im unwichtigsten Vorbereitungsspiel - oder bei den Amateuren getroffen. Vielleicht hatte auch Marvin Matip in Ingolstadt diese Bilanz vor Augen, als er ihm den Ball konfus einfach herschenkte.

Stiepermann umkurvte noch Keeper Ramazan Özcan, und dann führte der Tabellenletzte nach 13 Minuten mit 1:0. Die reformierte Mannschaft fasste Mut. Plötzlich hatte das Aachener Spiel über die schnellen Angreifer Tiefe, die erste Führung nach Monaten brachte das Leben zurück.

Einmal brauchten die Gäste Glück. Der starke Manuel Schäffler umkurvte nach einem Stellungsfehler von Kapitän Kim Falkenberg (Aussem: „Ich wollte einen jungen Spieler die Verantwortung übergeben”) halb Aachen und erzielte den Ausgleich nach 35 Minuten. Schiedsrichter Fischer hatte andere Pläne. Er hatte eine Behinderung von Keeper Waterman durch Nemec gesehen und verweigerte den Treffer.

Der fiel dann doch, und er fiel auf unglaubliche Art. Ingolstadts Leitl gab einen herausgeschundenen Freistoß vor das Tor, Stiepermann flog heran und verlängerte mit der Schulter ins eigene Tor. Der Doppel-Torschütze reklamierte ein Foul, in Wahrheit war er über ein Bein von Teamkamerad Casper gestolpert (42.).

Der skurrile Ausgleich brachte den Gast diesmal nicht aus dem Gleichgewicht, und mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit gingen die munteren Gäste wieder in Führung. Olajengbesi setzte sich nach einer Uludag-Ecke robust gegen Biliskov durch und köpfte das 2:1.

Es kam noch besser, denn Stiepermann düpierte die gesamte Ingolstädter Abwehr und erzielte mit einem Rechtsschuss das 3:1 (53.). Den Titel „Mann des Spieltages” hatte der Angreifer da schon lange sicher.

„Wir haben heute offensiv gespielt, und ich habe einen Trainer, der mit vertraut”, begründete Stiepermann seinen fulminanten Auftritt. Dann zog die 75. Minute herauf, die der Mannschaft, die sich seit Wochen erstmals erkennbar gegen den Abstieg wehrte, noch lange weh tun wird.

Ingolstadt spielte einen Angriff aus, obwohl Aachens Hadouir mit Krämpfen am Boden lag. Das fehlende Fairplay machte sich bezahlt. Olajengbesi rettete in letzter Sekunde gegen Schäffler, doch der Spielleiter hatte eine andere Interpretation. Elfmeter, fünfte Gelbe Karte gegen Olajengbesi.

„Wir haben das Spiel bis dahin unter Kontrolle, bis der Schiedsrichter sich aufmacht, diese Partie zu entscheiden. Das ist nicht gerecht, das ist nur bitter”, blickte der starke Albert Streit zurück. „Dieser Elfmeter hat tiefe Wunden gerissen”, war auch Aussem sauer über den Unparteiischen.

Ingolstadts Kapitän Leitl interessierten solche Debatten nicht, er verkürzte zum 2:3 (77.). Diese Szene hätte deutlich an Wichtigkeit verlieren können, wenn Alper Uludag nach einem feinen Solo präziser in den Fünfmeterraum gepasst hatte. So verpasste der eingewechselte Radu die Entscheidung, Eine letzte Flanke flog in den Aachener Strafraum, Olajengbesi verlor sein einzige Kopfballduell, Schäffler schaffte das 3:3. Die Belohnung für die Aachener blieb aus, auch weil Radu Sekunden vor dem finalen Pfiff nur das Außennetz traf.

Schiedsrichter Fischer blieb stundenlang nach dem Spiel in der Kabine, angeblich verfasste er einen Zusatzbericht über die heftig reklamierenden Aachener am Ende des Spiels.