Aachen: Alemannia: Kein Manager, kein Trainer, kein Team

Aachen: Alemannia: Kein Manager, kein Trainer, kein Team

Am Tag danach wurden die Rollläden heruntergelassen. Erik Meijers Abschied vom Tivoli ist beschlossen und verkündet. Und hinter verschlossenen Türen wird gerechnet und geplant. Alemannia hat weder Sportdirektor, noch Trainer, noch Mannschaft für die nächste Saison, sollte der Klub zum Abstieg verurteilt werden.

In etwa sechs Wochen beginnt bereits die Vorbereitung für diese 3. Liga, die schon am 20. Juli angepfiffen wird. Doch der Klub, der sich monatelang erfolgreich gegen den drohenden Finanztod wehrte, wirkt peinlich unvorbereitet, obwohl er sich mit dem drohenden Schicksal hätte längst anfreunden können.

Vereinsboss Meino Heyen wollte am Donnerstag nicht öffentlich, sondern nur intern reden. Der Verein torkelt dem Abstieg entgegen, und trotz des längstmöglichen Abstiegskampfes sind so viele Fragen offen, dass Günther Jauch seine Quiz-Show damit den kompletten Monat Mai bestücken könnte.

Wer spricht jetzt mit potenziellen neuen Spielern? Wer überzeugt Profis, in Aachen zu bleiben? Was wird aus der Amateur-, was aus der Jugendabteilung? Wer kümmert sich um einen neuen Trainer? Oder ist Ralf Aussem die beste Idee? Macht eine Trennung von Sportdirektor und Trainer in der anderen Liga Sinn? Wären zwei Geschäftsführer in der unteren Liga sinnvoll oder überhaupt bezahlbar? Würde zu einem Neuanfang nicht zwingend auch ein anderer Geschäftsführer als Frithjof Kraemer gehören? All diese Fragen sind offen. Beantwortet werden müssen sie zeitnah von einem Gremium, das naturgemäß kein Netzwerk in der Branche hat.

Die Gegenwart ist schon finster, die Zukunft ist völlig ungeklärt. Die Überforderung der Beteiligten in dieser extremen Situation ist greifbar. Vorerst geklärt wäre der Etat in Liga 3, und schon deswegen wäre der immer noch machbare Klassenerhalt enorm sinnvoll. Angesetzt ist bislang ein Etat von 2,7 Millionen Euro. Mit leerem Beutel lassen sich keine großen Sprünge machen, das ist ein Volumen, mit dem keine größeren Ziele möglich sind.

Unglücklicher Zeitpunkt

Am Mittwoch tagten die Gremien am Tivoli, erst an diesem Abend erfuhren zum Beispiel die Mitglieder des Präsidiums vom feststehenden Rückzug Meijers. Der Zeitpunkt der Verkündung gilt auch intern als unglücklich, weil die letzte Kerze immer noch brennt. Heyen wollte klare Verhältnisse, um nicht hinter Meijers Rücken Gespräche mit Kandidaten führen zu müssen. Die Vergabe des Managerpostens ist die drängendste Personalie: Wer übernimmt die Planung für die nächste Saison? An Bewerbungen mangelt es nicht.

Am Tivoli wird über Kandidaten wie die Ex-Profis Kai Michalke oder Karlheinz Pflipsen gesprochen, die blutige Anfänger im Managerbüro wären. Und natürlich kursieren auch diesmal die Namen von Rolf Dohmen aus Kreuzau und von Ex-Profi Hans-Peter Lipka. Auch Uwe Fuchs soll Interesse an der Aufgabe haben. Gesichert ist die Bewerbung von Eric van der Luer, der Anfang der Saison noch das Nachwuchsleistungszentrum leitete und Co-Trainer war.

„Ich bin nicht entlassen worden wegen schlechter Arbeit”, erinnert der Limburger, „ich bin entlassen worden, weil fälschlicherweise behauptet wurde, dass ich ein schlechtes Verhältnis zu Peter Hyballa gehabt hätte.”

Der Talente-Schmied besitzt inzwischen den großen Trainerschein, hat in den letzten Wochen bei Ajax, auf Schalke, bei Bayern II, bei Christoph Daum in Brügge oder Hyballa bei Salzburg II hospitiert. „Ich hänge an Aachen”, sagt van der Luer, „ich würde jederzeit helfen.”