Aachen: Alemannia gegen Eintracht Frankfurt: Beide brauchen den Sieg

Aachen: Alemannia gegen Eintracht Frankfurt: Beide brauchen den Sieg

Als Ralf Aussem am Sonntagnachmittag aus Karlsruhe abfuhr, hatte sich „ja nichts geändert - außer dass der KSC gewonnen hat” gegen Paderborn. Kurzfristige Folge: Alemannia Aachen liegt erst einmal fünf Punkte hinter dem Relegationsplatz.

„Wir mussten auch vorher unsere Spiele gewinnen”, sagt der Trainer vor der Partie am Montagabend (20.15 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt - die ihrerseits einen Sieg benötigt, um den Aufstieg perfekt zu machen. „Es wäre verkehrt, zu resignieren und zu sagen, alles ist vorbei”, Aussem gibt die Parole aus: „Wir müssen Leidenschaft und Begeisterung auf den Platz bringen, um das unmöglich Erscheinende noch möglich zu machen.”

Benny Auer wird erneut zunächst nur zuschauen. Die Muskulatur im hinteren Oberschenkel war Mitte der Woche verhärtet, es schien ratsam, mal auszusetzen mit dem Training. Die Sache hat sich wieder gelockert, der Mann wäre einsatzfähig. Nun tut es „sehr sehr weh, das von der Bank aus zu verfolgen”, wenn die Kollegen um den Klassenerhalt rennen. Alemannia erlaubt sich den „Luxus”, auf den Kapitän zu verzichten, der in knapp vier Jahren stattliche 56 Tore geschossen hat.

Kein fröhliches „Weiter so”

Wer einen Auer in seinem Kader hat, der weiß, wie dieser Stürmer funktioniert. „In der Box”, sagt auch Ralf Aussem, liegt seine Stärke, er braucht das Rohmaterial der Vorarbeiter. Als der U 23-Coach zum Funkel-Erben avancierte, war klar, dass er kein fröhliches „Weiter so” über die Krefelder Straße ruft: „Ich musste ja was machen.” Bas Sibum verlor zum Beispiel seinen Platz, in der Offensive wurde neu modelliert. Aussem will die Entscheidung nicht gegen Benny Auer verstanden wissen, „sondern für Marco Stiepermann”, der im 4-2-3-1 der geeignetere Mann sei.

Den Kapitän erwischte die Nachricht einen Tag vor dem Spiel in Ingolstadt wie ein nasser Lappen. „Ich hatte eine sehr gute Trainingswoche hinter mir und erwartet, dass ich spiele. Natürlich versucht ein neuer Trainer immer, etwas anderes auszuprobieren. Aber ich war schon enttäuscht.”

Auch unter Michael Krüger und Peter Hyballa war Auer schon mal aus der Startelf geflogen, doch er kam immer noch zu seinen Einsatz-Minuten. Jetzt zum vierten Mal in Folge Reservist zu sein, der in Ingolstadt und gegen Bochum noch nicht mal eingewechselt wurde, das ist für den Stürmer eine neue Erfahrung als Alemannia-Profi.

Ob er Verständnis für die Entscheidung habe - da tut sich Auer schwer mit einer Antwort. „Jeder möchte gern spielen. Aber ich bin der Letzte, der jetzt den Bösen raushängen lässt.” Er versuche, der Mannschaft mit den Mitteln zu helfen, die ihm blieben. „Ich gehe wie Thomas Stehle gerade auf die jungen Spieler zu, spreche ihnen Mut zu. Und im Training mache ich Druck, damit sich diejenigen, die am Wochenende spielen sollen, auch reinhauen, um ihren Platz zu verteidigen.”

Letztlich ist Benny Auer ein Opfer misslungener Zusammenstellung des Kaders. „Es kommt nicht nur auf den Sturmpartner an”, hatte er nach dem Verlust des kongenialen Zoltan Stieber gesagt, das klingt heute wie eine Vorahnung. Denn auch die Lücken, die Marco Höger und Tolgay Arslan hinterließen, wurden nicht geschlossen. „Für einen Typ wie mich ist es dann schwer, noch mal 20 Tore zu schießen.”

In dieser Saison hat Auer sechs Mal getroffen, besonders spektakulär beim abenteuerlichen 3:4 in Frankfurt in der Hinrunde - mit der Hacke. „Ich habe das Tor zuletzt ein paar Mal gesehen - eins der schöneren in meiner Karriere.” Die am Tivoli weitergehen soll: „Ich bin weiter fest davon überzeugt, dass wir auch im August wieder Zweite Liga spielen werden. Weil wir Karlsruhe am nächsten Sonntag auf alle Fälle schlagen und in den Spielen gegen die Eintracht und bei 1860 so viele Punkte holen, um in die Relegation zu kommen.” Das klingt wie beschlossen und verkündet. Und falls nicht? „Damit”, sagt Auer, „beschäftige ich mich nicht.”

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