Aachen: Alemannia: Ein Team geht. Welcher Manager kommt?

Aachen: Alemannia: Ein Team geht. Welcher Manager kommt?

Mit Fußballtennis war die letzte Einheit der Saison zu Ende gegangen, dann räumten die Spieler ihre Spinde und trafen sich auf Einladung von Klub-Chef Meino Heyen zu einem letzten gemeinsamen Mittagessen. „Die anderen”, sagte Ralf Aussem, der Trainer des neuen Drittligisten Alemannia Aachen, „fahren in Urlaub. Und ich muss arbeiten.”

Am Kader - doch noch ist nicht ansatzweise ein Fundament zu erkennen, auf dem der schwarz-gelbe Neubau entstehen soll. Und jeder Tag, der ohne eine Entscheidung auch und vor allem in Sachen Nachfolge von Sport-Geschäftsführer Erik Meijer vergeht, macht die Sache nicht besser.

Auf die nach unten offene Kandidatenliste hat es zum Beispiel Daniel Scheinhardt (41) geschafft, zu Regionalliga-Zeiten für Alemannia am Ball und jetzt Berater in der Agentur von Gerd vom Bruch. „Das ehrt mich, aber mich hat keiner angesprochen”, sagt Scheinhardt, studierter Fußball-Manager, der sich Ende 2008 am Tivoli um die Nachfolge von Jörg Schmadtke beworben hatte.

Rolf Dohmen (60) aus Kreuzau, bis Ende 2009 Manager des Karlsruher SC und seitdem raus aus dem Geschäft, wird auch diesmal in Aachen genannt, ebenso Ex-Profi und Amateur-Trainer Thomas Hengen (37), derzeit Scout beim FC Everton. Zudem fällt der Name Uwe Scherr (45), ehemaliger Bundesliga-Profi und bis Februar 2012 Nachwuchskoordinator bei Schalke 04.

Thomas Eichin (45), ehemaliger Fußballer bei Borussia Mönchengladbach, freut sich zwar, „dass mein Name kursiert. Alemannia wäre ein Verein, wo ich Lust hätte zu arbeiten. Aber momentan stehe ich nicht zur Verfügung.” Bereits vor einem Monat hatte der Geschäftsführer der Kölner Haie - seit 13 Jahren im Eishockey-Geschäft unterwegs - bei Dynamo Dresden abgesagt. „Mein Vertrag läuft bis Ende 2013, und wir haben mit den Haien noch Großes vor.”

Von „unterschiedlichen Personen aus dem Verein” wurde Jörg Jakobs (41) angesprochen. Doch Alemannias ehemaliger Co-Trainer (2002 bis 2009) und jetziger Chefscout von Hannover 96 hat abgewunken. „Ich glaube nicht, dass der Verein die Veränderungen, die notwendig sind für einen Neuanfang, bewerkstelligen kann”, sagt Jakobs. „Aus meiner Sicht hat sich der Verein seit dem Abgang von Jörg Schmadtke auf allen Ebenen verschlechtert und es geschafft, sukzessive auf kompetente Mitarbeiter zu verzichten.”

Grundsätzlich bereit für das Meijer-Erbe wäre Alexander Klitzpera (34), der seine aktive Karriere beim VfL Wolfsburg II wegen Knieproblemen beendet. „Alemannia ist immer eine interessante Sache, eine reizvolle Aufgabe. Ich kenne ja den Verein und die Stadt und weiß, welches Potenzial drinsteckt”, sagt der Ex-Profi.

Klitzpera besitzt die Trainer-A-Lizenz, hat ein Praktikum beim DFB absolviert und in Wolfsburg die Arbeit in einem der besten Nachwuchsleistungs-Zentren kennengelernt. „Für Aachen ist es gerade jetzt wichtig, jemanden zu bekommen, der gute Kontakte hat und Spieler überzeugen kann. Der neue Manager muss in kürzester Zeit eine Mannschaft zusammenstellen, die nicht viel kostet.”

Erik Meijer hatte am Mittwoch seinen letzten Tag in Alemannia-Diensten. „Ich räume jetzt mein Büro und übergebe den Schlüssel an Susanne Czennia”, seine Assistentin. Nach 25 Jahren im Profifußball will der Niederländer „erst mal Ruhe in Körper und Kopf bekommen. Es ist Zeit, Distanz zu gewinnen.” Seinem Nachfolger - wie auch immer der heißen mag - hinterließ Meijer: „Ich hoffe, dass er ein bisschen mehr Glück hat.”

Vielleicht kommt der entscheidende Hinweis ja von Meijers Vor-Vorgänger. Jedenfalls erhielt Jörg Schmadtke von Meino Heyen die Einladung zu einem informellen Gespräch. Alemannias Aufsichtsrats-Vorsitzender erhofft sich Antworten auf einige Fragen: Soll der neue Manager Stallgeruch haben oder nicht? Darf es ein unbeschriebenes Blatt sein, oder muss er etwas vorzuweisen haben? Und wann soll er präsentiert werden?

Dass Schmadtke selbst den Manager-Posten wieder übernimmt, gilt als ausgeschlossen. Wer den 48-Jährigen kennt, der weiß, was er von Rückhol-Aktionen hält.