Aachen: Alemannia: Die Klosterpforte zum Aufstiegs-Glück?

Aachen: Alemannia: Die Klosterpforte zum Aufstiegs-Glück?

„Wir sind ohne Ziele in die Vorbereitung gegangen und hatten schlechte Einheiten. Die Spieler haben sich hängenlassen und nichts dafür getan, damit sie zum Saisonstart fit sind. Aber unser Gegner ist eine Laien-Spielschar, die wir vom Platz hauen werden.

Und dass uns alle als den Top-Favoriten sehen, habe ich nicht anders erwartet. Wir sind schließlich nur durch die Verkettung unglücklicher Umstände in diese Seuchen-Liga geraten.” Ja, das wäre mal eine Pressekonferenz gewesen mit solchen Zitaten.

Ralf Aussem hat all dies natürlich nicht gesagt, sondern das Gegenteil; der Cheftrainer von Alemannia Aachen sprach - auf Linie mit der neuen Lehre von Demut und Bescheidenheit - davon, dass man sich „erst mal orientieren und in der Liga ankommen muss”. Fußball ist und bleibt ein Tagesgeschäft: Die Schwarz-Gelben, nach dem Abstieg nicht mal mehr ein Torso, gelten nun als Aufstiegskandidat Nummer eins. Und Arminia Bielefeld eröffnet Freitagabend (20.15 Uhr/live im WDR) die Jagd.

Noch nie zuvor war die Dritte Liga so attraktiv besetzt, zehn von 20 Startern sind mit einer erstklassigen Vergangenheit unterwegs. Geht es nach der Geld-Tabelle, dann könnte Alemannia alles als Erfolg verkaufen, was oberhalb des Mittelfeldes liegt: Mit dem reinen Etat für die Lizenzspieler reiht Aachen sich nur auf Platz 11 ein. So attraktiv der Name auch ligaweit erscheint - zum Abschluss mit einem neuen Trikot-Werbepartner wird es wohl vor dem ersten Spiel nicht kommen. „Das ist Stand der Dinge”, sagt Finanz-Geschäftsführer Frith-jof Kraemer. „Wenn doch, wäre das eine tolle Überraschung.”

Der Bielefelder Zuschauer kann vermutlich wenig mit dem Schriftzug „Klömpchensklub” auf den Aachener Oberkörpern anfangen, und wenn all das aufgehen sollte, was Ralf Aussem vorschwebt, dann wird auch Arminia vor ein Rätsel gestellt. „Wir schauen, dass wir unser Spiel durchbringen”, sagt der Coach und hält taktische und personelle Details unter Verschluss. Alle 23 Profis stehen zur Verfügung, nach den letzten beiden Tests gegen den 1. FC Köln und Rot-Weiß Essen scheinen nur zwei Fragen offen: Stürmt Timmy Thiele von Anfang an? Und: Schafft Kristoffer Andersen nach seinen Adduktoren-Problemen noch den Sprung in die Startelf?

„Wir werden unsere Idee in den Bus packen, in die Kabine mitnehmen und dann auf den Platz bringen”, sagt Aussem. Erst am Freitagmorgen reist das Ensemble - anders als zu Zweitliga-Zeiten üblich - nach Ostwestfalen an. „Bielefeld ist ja jetzt keine riesige Distanz. Außerdem bin ich sowieso kein Freund davon, in Hotels rumzulungern.” Die Mannschaft wird ein Tagesquartier in der „Klosterpforte” Marienfeld beziehen und etwas Duft von der großen weiten Fußballwelt abbekommen, bevor der Alltag in der Dritten Liga beginnt: Für ein paar Stunden ist Champions-League-Teilnehmer FC Valencia Nachbar in der Herberge.

Live-Bilder aus Bielefeld und Heidenheim

Mit dem Abstieg sind die Zeiten erst mal vorbei, in denen das Pay-TV eine Live-Rundum-Versorgung mit Alemannia-Spielen garantierte. In der Regel gibt es nur Zusammenfassungen samstags im WDR und im Einzelfall in der ARD-Sportschau. Live auf Sendung geht der WDR am Freitag in Bielefeld und der SWR am Samstag (16 Uhr) mit der Partie 1. FC Heidenheim - Karlsruher SC. Ebenfalls gesichert ist die Übertragung Arminia - Preußen Münster (22. September/WDR).

Gute Chancen bestehen, dass der MDR Alemannias Partien gegen Hansa Rostock zeigt.

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