Aachen: Alemannia Aachen ist ein Jubilar mit großer Geschenkpackung

Aachen: Alemannia Aachen ist ein Jubilar mit großer Geschenkpackung

Der Trainer verließ den Platz im leichten Trab. Alemannias Maskottchen Alex wurde abgeklatscht, dann winkte er noch mal ins Publikum und suchte sich seinen Platz. 86 Jahre ist Michel Pfeiffer nun, vor der Partie gegen den MSV Duisburg stand er noch einmal mit vielen seiner ehemaligen Spieler im Mittelpunkt.

Alemannias 1000. Partie in Liga 2 stand an, und natürlich hatte der Klub einige der wichtigsten Protagonisten eingeladen.

Wie Michel Pfeiffer, der den Tivoli am Sonntag mit sehr übersichtlicher Laune verließ. Wie die allererste endete auch die 1000. Partie von Alemannia nur remis. 2:2 gegen Duisburg. „Zu wenig gegen einen unmittelbaren Konkurrenten”, urteilte nicht nur der ehemalige Bundesliga-Trainer enttäuscht.

„Das war heute der Tag für einen Befreiuungsschlag”, war auch Manager Erik Meijer konsterniert. Seine Mannschaft tritt auf der Stelle wie ein Hamster im Rad. „So kommen wir da unten nicht weg.”

Und doch bestanden am Sonntagnachmittag keine Zweifel, dass dieses Ergebnis eher den Hausherren schmeichelte.

Pfeiffers „Nachfolger” Friedhelm Funkel hatte erstmals die gleiche Formation aufgeboten. Die hatte das Drehbuch gut vorbereitet. Erster Eckball durch Achenbach, erster Treffer. Sergiu Radu hatte sich einen spektakulären Termin ausgesucht, um seine Durststrecke nach fast einem Jahr zu beenden. 1000. Spiel, 1:0 nach fünf Minuten, bestaunt von imponierenden 31.180 Zuschauern, die die zweitbeste Kulisse seit Freigabe des neuen Tivolis bildeten.

Nur Sicherheit zog deswegen nicht ein. Funkel nutzte jede Unterbrechungspause, um im direkten Gespräch nachzubessern. „Uns fehlte die Ordnung.” Die Gäste hatten zu viele Räume, besonders Jürgen Gjasula durfte ein paar Ideen zu viel auf den Rasen werfen. Duisburg war das kombinationssicherere Team.

Die Pässe der Aachener hatten zeitweise eine beängstigende Streuung, was das schnelle Umschalten erheblich erschwerte. Die Mannschaft variierte ihr Tempo nicht, viele Bälle wurden nach vorne gedroschen, als gäbe es dafür Payback-Punkte. Bühnenkritiker Pfeiffer vermisste gar „ein System: Wir hatten früher einen Spielmacher. Jetzt versuchen drei, vier Profis das Spiel zu machen, die das gar nicht können.”

Schon vor der Führung hatte der Gast zweimal den Treffer verpasst, dann prüfte Daniel Brosinski mit zwei Fernschüssen den guten Aachener Keeper Boy Waterman (25.). Zum Ausgleich holte der Jubilar die große Geschenkpackung heraus. Olajengbesi verlor nach einer weiten Flanke die Orientierung, legte per Kopf auf für Valeri Domowtschijski - und der Mittelstürmer bedankte sich fröhlich mit dem verdienten Ausgleich (29.) für die Slapstick-Einlage. „Die kassieren Tore, die normale Teams nicht kassieren”, wunderte sich Pfeiffer.

Im Stadion schien Stille befohlen. Immerhin hat die Mannschaft einen robusteren Umgang mit Rückschlägen entwickelt im Laufe der letzten Wochen. Sie meldete sich zurück, sie brachte viel Willen, aber wenig Präzision mit. „Heute wäre mehr drin gewesen, aber nicht so, wie wir uns angestellt haben”, bilanzierte Mittelfeldrackerer Bas Sibum.

Der MSV hinterließ einen guten Eindruck beim Ausflug in den Westen. Den nächsten Abwehrfehler nutzte André Hoffmann, als er unbedrängt, als hätte er eine ansteckende Krankheit, zum 1:2 einköpfen konnte (67.). Mit dem folgenden Anstoß meldete sich der Jubilar rüstig zurück.

Manuel Junglas schickte Benny Auer präzise auf die Reise. Der Torjäger scheiterte noch an Keeper Florian Fromlowitz, der den Ball allerdings vor die Schoner von seinem Kapitän Branimir Bajic abwehrte, und von da aus trudelte er zur Überraschung der Beteiligten gemächlich zum 2:2 (68.) über die Linie.

Zehntausende Zuschauer bekamen schon in dieser Phase der Saison einen Eindruck, wie nervenaufreibend so ein Abstiegskampf sein kann. Die Partie wogte hin und her. Aber sie blieb hektisch. „Wir haben nie die Ruhe hineinbekommen”, war auch der Eindruck von Bas Sibum.

Die Mannschaft lief an, es mangelte nicht an Hingabe, aber an Durchschlagskraft: Lediglich der emsige Junglas hätte noch einmal die Jubelmaschine anwerfen können, sein Schuss wurde in letzter Sekunde abgeblockt (84.). „Die Mannschaft ist mit dem Druck und der tollen Kulisse nicht klargekommen”, vermutete Meijer, als das 1000. Spiel bereits ins Archiv getragen wurde.

„Das war zu wenig”, pflichtete ihm sein Kapitän Auer am Ende des Festtages bei, der dann doch nicht so rund gelaufen war. „Es wird noch ein weiter, weiter Weg”, sprach das Orakel Funkel. „Die Mannschaft ist nicht gefestigt, wir stehen nicht zufällig so tief in der Tabelle.”

Kollege Pfeiffer hatte da eine kleine Idee, wie man das Aachener Spiel zumindest perspektivisch beruhigen könnte: „Zwei Tore Vorsprung, das müsste reichen.”