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Mönchengladbach: Abfangjäger Compper jagt sein Vorbild

Mönchengladbach : Abfangjäger Compper jagt sein Vorbild

Für vorne links suchen Jos Luhukay und Christian Ziege noch einen Sprinter. Hinten haben sie bereits einen. Marvin Compper ist einer der Schnellsten, wenn nicht sogar der Flotteste im Borussen-Kader. Doch diese Qualität sieht er selbst als noch nicht vollkommen ausgeschöpft.

„Ich muss meine Geschwindigkeit öfter einbringen.” Diese mentale Handbremse hat er gemein mit Moses Lamidi, dem auch der Ruf eines Turbo-Stürmers vorauseilt.

Mit Andeutungen wird man jedoch nicht zum Stammspieler. Da ist Compper schon weiter. Aber auch der 22-Jährige muss beweisen, dass er in seine Leistung Konstanz bringen kann. Der Halb-Ghanaer ist ein Produkt der Gladbacher Jugendarbeit. Wie sein „Vorläufer” der vergangenen Spielzeit, Marcell Jansen.

Dessen Karriere ist für Compper weniger ein Mühlstein denn ein Vorbild. „Ich muss mich an seinen Leistungen messen lassen.” Da springt jemand in große Fußstapfen. Aber der Linksfuß setzt sich selbst unter Druck. „Das muss Ansporn sein, da muss ich auch hinkommen.” Auch in den Offensivbereich, wo sich der Neu-Bayer Jansen zuletzt so spektakulär tummelte. Aber bei allem Sturm und Drang, Compper will andere Wege gehen. Buchstäblich. Während Jansen oft den direkten Weg beinah durch den Gegenspieler durch suchte (und fand), gibt Comppers inneres Navigationsgerät eine andere Route vor. „Ich denke, ich muss eher außen rum.”

Weniger überlegen

Die körperliche Handbremse lösen - die mentale auch: Und wieder das Vorbild und der Ansporn von Heißsporn Jansen: „Marcell ist forscher, unbekümmerter. Ich muss auch versuchen, mehr instinktiv zu spielen.” Eine Vielzahl von Gedanken führten bei ihm dagegen zu oft zur Blockade und zum Fehler. „Der erste Gedanke ist oft der bessere”, weiß Compper.

Weniger überlegen um seine Überlegenheit ausspielen zu können. Seine Schnelligkeit ist dann am wirkungsvollsten, wenn er sie allen Beiwerks entkleidet, die Attacke auf das Wesentliche reduziert: Ball am Gegner vorbeilegen - und ab geht die Post! Was David Odonkor gelernt und was ihn in die Nationalmannschaft torpediert hat, müssen sich auch Lamidi und ebenso Compper aneignen.

Allerdings hat der Linksfuß auch sein Kerngeschäft, die Defensivarbeit zu erledigen. Und hierbei wird sein Speed noch mehr gefragt sein als letzte Saison. In der 2. Liga werden sich viele Gegner hinten reinstellen, wenn sie auf den Absteiger treffen. Die Lücke zwischen Torhüter Christofer Heimeroth und der Viererkette wird somit wesentlich größer, da diese naturgemäß weiter aufrücken wird - ein gefundenes Fressen für Konterstürmer, die diesen Freiraum bei Befreiungsschlägen oder Konterattacken nutzen wollen: Abfangjäger Compper, übernehmen Sie!

Nur ein „Hobby”...

Immer wieder kommt dessen Vorsatz: „Ich muss mich mehr einbringen.” Die theoretische Lernfähigkeit ist bereits gut entwickelt. Kein Wunder bei seinem einzigen „Hobby”, für das ihm sein Beruf Zeit lässt: seine Freundin. „Sie studiert Deutsch und Französisch - fürs Lehramt.” Und hilft ihm auch durch schlechte (Fußball-)Zeiten.

In wie weit seine Berufsgenossenschaft als Mannschaftsgebilde, als Hilfsmittel bei sportlichen Durststrecken funktioniert, wird sich in seinen Augen erst noch zeigen. „Der Zusammenhalt muss sich zeigen, wenn´s nicht gut läuft”, will er sich von der derzeit so guten Stimmung nicht blenden lassen. Mit seinen (Ab-)Läufen aber kann er diesen Minikrisen auch sportlich entgegen wirken.