Mönchengladbach: 4:1 - Borussia im Spielrausch

Mönchengladbach: 4:1 - Borussia im Spielrausch

An der offensiven Brillanz wollte Lucien Favre in den nächsten anderthalb Jahren arbeiten. Der Crashkurs in der (zu) kurzen Woche bis zum Freitagsspiel zeigte gegen den VfL Wolfsburg bereits Wirkung. Der ehemalige Deutsche Meister wurde beim 4:1 förmlich auseinandergenommen.

Im Training hatte Favre noch eine andere Abwehr-Version probiert: Neuzugang Oscar Wendt auf links, Filip Daems rückte in die Mitte neben Dante, Harvard Nordtveit durfte auf der Doppel-Sechs bleiben. Der Borussen-Trainer entschied sich dennoch gegen eine linke Dreierbande in der Viererkette - und für Marx, Thorben mit Vornamen.

Sowohl Daems als auch Wendt und Dante sind Linksfüßer. Favre zog stattdessen Rechtsfuß Nordtveit in die Zentrale zurück, Marx übernahm die Rolle neben Roman Neustädter vor der Abwehr. Im Sturm setzte der Schweizer wieder auf Raul Bobadilla.

Felix Magath ist viel berechenbarer - in seiner Unberechenbarkeit. Wolfsburgs Coach liebt es, mit Überraschungen aufzuwarten, nicht zuletzt auch um seinen Ruf als Zauber-Trainer zu pflegen. So bugsierte er Neuzugang Thomas Hitzlsperger gleich in die Startelf - nach einer Trainingseinheit.

Favre mag Spieler, die schon bestens wissen, was er will. Und so fand sich wieder kein Frischling in der Startelf. Kennzeichen dieser eingespielten Mannschaft ist es, dass es sehr schwer ist, gegen sie ein Tor zu erzielen. Eigentlich. Schon früh widerlegte die Favre-Elf diese in der Rückrunde der letzten Saison erworbenen Qualität. Daems ließ Christian Träsch den Ball Richtung Strafraumgrenze zurückziehen, Neustädter machte die Lücke nicht schnell genug zu, Makoto Hasebe, mit dem er noch zuvor im Kopfball-Duell zusammengerasselt war, schoss zur Wolfsburger Führung ein (12.).

Es sah nicht gut aus für die Borussen. Doch Simon Kjaer machte aus dieser Phase eine Momentaufnahme: Der dänische Innenverteidiger, der auch weiterhin eine Schwachstelle in der Gästeelf blieb, rutschte aus, Bobadilla nahm den freien Ball dankend an, sprintete in den 16er und vollbrachte seine größte Leistung: Der Argentinier ballerte nicht aufs Tor, er legte völlig untypisch und selbstlos für Marco Reus auf, der zum Ausgleich einschob (14.).

Gladbach fand besser ins Spiel, doch auch der zweite Treffer fiel recht glücklich. Der nach 23 Minuten (!) für den nicht verletzten Hasan Salihamidzic eingewechselte Wolfsburger U23-Spieler Michael Schulze hielt Reus kurz fest, als die Szene bereits tot war. Schiedsrichter Markus Schmidt legte die Kann-Situation zugunsten Borussias aus, Daems verwandelte den Strafstoß zum 2:1 (32.).

Nun verdiente sich die Favre-Elf die Führung. Der Positionstausch von Juan Arango mit Reus zeigte späte, aber immer stärkere Wirkung. Und auch Bobadilla drehte beflügelt auf. Nachem er Hanke nach brillantem Solo auf rechts mustergültig vorgelegt hatte, der Ex-Schalker aus drei Metern aber hoch übers Tor schoss (41.), erledigte der Rückkehrer es selbst. Eine Arango-Ecke köpfte er zum 3:1 ins Netz (45.).

Den Spielrausch nahm der Gastgeber mit in die zweite Hälfte. Die Magath-Elf wusste nicht, wie ihr geschah. Ausdruck dieser Überforderung im Gladbacher Kombinationswirbel: Josué köpfte den Ball an den Pfosten - des eigenen Tores (53.). Reus zielte besser: Eine Außenristflanke von Arango kickte er locker ein (67.). Stadionsprecher Thorsten Knippertz hatte Probleme. „Ich bin sprachlos.” Und brachte trotz der lähmenden Bewunderung noch heraus: „4:1!”

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