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Kapstadt: 4:0 für Deutschland: Mit Lust in einen Elfer-Krimi

Kapstadt : 4:0 für Deutschland: Mit Lust in einen Elfer-Krimi

Auf ein Elfmeterschießen möchte es Joachim Löw im WM-Viertelfinale gegen Argentinien nicht ankommen lassen, aber große Sorgen müsste sich der Bundestrainer nicht machen. 4:0 für Deutschland heißt es bei Fußball-Weltmeisterschaften vor dem K.o.-Spiel am Samstag in Kapstadt - keine Nation ist besser.

„Im Elfmeterschießen haben wir immer eine große mentale Stärke”, bemerkte der aktuelle Kapitän Philipp Lahm. Von 18 Schüssen ging einzig und allein der von Uli Stielike 1982 gegen Frankreich nicht ins Netz. Und der Clou ist: Nach dem Elfer-Glück führte der Weg anschließend gleich dreimal bis ins Endspiel.

Im Training ließ Löw auch Elfmeter üben, wohlwissend, „dass man nicht diesen Druck und die mentale Anspannung simulieren kann”. Die fünf möglichen Schützen hat er auch nur bedingt im Kopf. „Die Spieler vorher zu bestimmen, macht wenig Sinn. Das muss man nach den 120 Minuten entscheiden. Wer fühlt sich gut? Und wer ist dann überhaupt noch auf dem Platz?”, schilderte Löw. Das Bestreben sei, „die Partie vorher zu unseren Gunsten zu entscheiden”, sagte der Bundestrainer.

Festgelegt hat sich Löw nur, dass nach dem Fehlschuss von Lukas Podolski beim 0:1 im Gruppenspiel gegen Serbien Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger „den ersten Elfmeter im Spielverlauf” schießen würde. Podolski gehörte zu jenen vier deutschen Schützen, die vor vier Jahren gegen Argentinien im Elfmeterschießen nervenstark trafen.

Die vier deutschen Elfmeterschießen bei WM-Turnieren:

8. Juli 1982, Sevilla, Halbfinale: Deutschland - Frankreich 5:4

Nach einer dramatischen Verlängerung, in der die deutsche Elf einen 1:3-Rückstand aufholt, kommt es zum ersten WM-Elfmeterschießen überhaupt. Torhüter Harald Schumacher macht den einzigen deutschen Fehlschuss von Stielike mit einer Parade gegen Six wieder wett. Der Kölner pariert danach auch noch den Schuss von Bossis. Dann tritt Horst Hrubesch an den Kreidepunkt und drischt den Ball an Schlussmann Ettori vorbei ins Netz. Deutschland steht zum vierten Mal im Finale. Das verliert die Elf von Jupp Derwall gegen Italien mit 1:3.

21. Juni 1986, Monterrey, Viertelfinale: Deutschland - Mexiko 4:1

Nach dem Platzverweis von Thomas Berthold rettet sich das deutsche Team gegen den WM-Gastgeber in Unterzahl ins Elfmeterschießen. Wieder wird Schumacher zum Helden. Schon in der regulären Spielzeit hatte „Toni” mit einem großartigen Reflex gegen Servin das 0:0 gerettet. Im Elfmeter-Krimi hält der Kölner die Schüsse von Quirarte und wiederum Servin, sein Club-Kollege Pierre Littbarski versenkt den entscheidenden Elfer. Im Finale leitet ausgerechnet Elfmeter-Töter Schumacher mit einem Fehler die 2:3-Niederlage gegen Argentinien ein.

4. Juli 1990, Turin, Halbfinale: Deutschland - England 4:3

Der Klassiker entscheidet sich erst im Elfmeter-Drama - und wieder ist ein Kölner Torhüter der Held. Die ersten drei Schützen auf beiden Seiten treffen, dann kommt der große Moment von Bodo Illgner. Es ist 22.41 Uhr, als er den Schuss von Englands Verteidiger Pearce mit dem Knie abwehrt. Nach dem 4:3 von Olaf Thon drischt Waddle den Ball über das Tor in die Zuschauerränge. Deutschland steht um 22.43 Uhr zum sechsten Mal im WM-Finale und holt mit einem 1:0 gegen Argentinien zum dritten und bislang letzten Mal den Weltpokal. Das Siegtor für die Beckenbauer-Elf in Rom schießt Abwehrspieler Andreas Brehme - in der 85. Minute und bezeichnenderweise vom Elfmeterpunkt.

30. Juni 2006, Berlin, Viertelfinale: Deutschland - Argentinien 4:2

Jürgen Klinsmann kann sich auf vier bombensichere Schützen - Neuville, Ballack, Podolski, Borowski - und einen Torhüter-Helden namens Jens Lehmann verlassen. Auf einem Spickzettel, den Lehmann von Torwarttrainer Andreas Köpke zugesteckt bekommt und den er im rechten Stutzen versteckt, stehen auch die Lieblingsecken von Ayala und Cambiasso - beide scheitern an der deutschen Nummer 1. „Es ist alles aufgegangen”, jubelt Köpke. Nach dem vierten Elfmeter-Krimi mit Happy End wird die DFB-Elf erstmals kurz vor dem Endspiel gestoppt; sie unterliegt im Halbfinale nach Verlängerung gegen Italien (0:2).