Vorbericht: Borussia Mönchengladbach gegen VfL Wolfsburg

Hofmann eine Option : Wolfsjagd oder Teil 2 der Mönchengladbacher Reaktion

In den späten Bökelberg-Zeiten galt in den Wintermonaten der Stadtteil Rönneter für viele Borussen als Sibirien von Mönchengladbach. So unwirtlich war der Trainingsplatz am Rande der Stadt, dass Hans Meyer gerne in seine Erzählungen aus seiner damaligen Zeit als Trainer einzuflechten pflegt, sie hätten bei der Anreise vom altehrwürdigen Stadion nicht selten die Wölfe mit Stangen abwehren müssen.

Auf Schlitten war der damalige Borussen-Tross dennoch nicht unterwegs. Auch schon in den Vor-Borussia-Park-Zeiten war der Traditionsklub motorisiert. Und so passt die Meyersche Anekdote bestens als Allegorie auf die aktuelle Tabellensituation und die sportliche Aufgabe des Drittplatzierten der Fußball-Bundesliga: Am Samstag muss Borussia Mönchengladbach die „Wölfe“ auf Distanz halten. Der Bundesligist aus Wolfsburg, der fleißig versucht, mit dem „natürlichen“ Maskottchen das Image als Werksklub zu übertünchen, reist als Tabellensechster an, der mit einem Sieg den Rückstand auf die Gladbacher auf fünf Punkte verkürzen könnte.

Das Heulen der Niedersachsen klingt in dieser Spielzeit für viele Gegner wieder schauriger. Borussias Trainer Dieter Hecking, als ehemaliger Wolfsburg-Coach noch immer ein Kenner der dortigen Szene, glaubt zu wissen, woraus die „Wölfe“ ihr Schreckenspotenzial schöpfen: „Aus den vergangenen zwei Jahren kann man auch Stärke ziehen.“ Den Abstieg im letzten Moment durch die Relegation verhindert, kommt die Mannschaft von Bruno Labbadia „als drittstärkstes Auswärtsteam“ in den Borussia-Park, wie Sportdirektor Max Eberl warnt.

Noch vor zwei Wochen hätte der Manager womöglich weniger beeindruckt geklungen. Mit dem 0:3 gegen Hertha BSC aber menschelte seine Mannschaft zu Hause erstmals in dieser Saison. Und so erwarten Trainer und Sportdirektor unisono eine zweite Reaktion auf die erste Heimniederlage. Die erste erfolgte recht beeindruckend mit dem 1:1 bei der Überraschungsmannschaft der Saison, Eintracht Frankfurt, am vergangenen Wochenende. Am Samstag gilt es, den Heimnimbus wieder aufzubauen. „Mit Moral, Ideen und der Unterstützung der Fans“, wie Eberl empfiehlt. Auch mit Alassane Pléa? Der französische Torjäger, der für einen Neuling so überraschend schnell und problemlos seine Aufgabe erfüllt hatte, holt derzeit offensichtlich die eigentlich normalen Anpassungsschwierigkeiten nach.

Pléa erst mal erneut auf der Bank?

Zudem machte ihm Mitte der Woche eine Magen-Darm-Infektion zu schaffen. Am Freitag aber konnte er wieder normal trainieren. Dennoch könnte Hecking auf den Stürmer wie bereits in Frankfurt in der Startformation verzichten. Was nüchtern betrachtet auch kein schlechtes Zeichen ist: In der Hinrunde euphorisch als das fehlende Puzzleteil der Hecking-Mannschaft gefeiert, muss der Trainer der Gladbacher es als fast beruhigend empfinden, dass trotz dieser großen Wertigkeit sein Team nicht von Pléa abhängig ist.

Erleichtern könnte diesen Emanzipationsprozess die Rückkehr der Offensivkräfte Jonas Hofmann und Raffael. Der Ex-Dortmunder ist bereits am Samstag eine Option für die Startelf, aber nicht ohne von Hecking einen kleinen Stachel verpasst zu bekommen. „Er könnte es ein bisschen besser machen als in den zwei Spielen vor seiner Verletzung.“ Diese fehlende Tiefe habe Hofmann in der Woche beim Training bereits gezeigt.

Hofmann als Wolfsjäger: Viele Zuschauer würde der 27-Jährige am Samstag damit nicht zum Heulen bringen. Die Population der Territoriumseindringlinge ist traditionell klein: Nur rund 200 Karten wurden abgesetzt.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Johnson, Ginter, Elvedi, Wendt - Hofmann, Strobl, Zakaria - Herrmann, Stindl, Hazard