Borussia Mönchengladbach: Stindl dankt Sommer, Hecking dem Team

Borussia Mönchengladbach : Stindl dankt Sommer, Hecking dem Team

Gladbachs Torhüter rettet dem Tabellendritten das 1:0 in Leverkusen. Sein Trainer lobt das Spiel gegen den Ball und Bayer-Coach Bosz.

Die Leute im kleinen Mönchengladbacher Fanblock glaubten zu wissen, wem sie diesen herrlichen Fußballnachmittag zu verdanken hatten. „Yann Sommer“, riefen die gut 3000 Anhänger ehrfürchtig, weil ihr Torhüter ein Ruhepol war während der Leverkusener Sturmwellen, die wieder und wieder auf das Tor der Borussia zurollten.

Sommer hatte zwei, drei Mal mit großartigen Reflexen reagiert, mit einer fehlerfreien Leistung hatte der Schweizer entscheidend zu einem kostbaren 1:0-Auswärtssieg beigetragen. „Ich freue mich, dass das so gelaufen ist, dass wir zu Null spielen konnten, und wenn die Fans den eigenen Namen rufen, ist das immer was Schönes“, sagte der Torhüter nach getaner Arbeit. Dieter Hecking allerdings wehrte sich mit großer Deutlichkeit gegen solche Huldigungen, die nur Einzelnen galten.

Natürlich fand auch der Trainer Sommers Leistung gut, viel wichtiger war ihm aber der homogene Auftritt der „gesamten Mannschaft“, die „ein sehr gutes Spiel gegen den Ball gemacht“ habe. In einer komplizierten Auswärtspartie bei einem starken Gegner, einem direkten Konkurrenten um die Europapokalteilnahme haben sie mit Hingabe und strategischem Geschick drei Punkte erkämpft, für die Sommer die alte Floskel von den „Big Points“ hervorkramte.

Ein bisschen Glück war auch erforderlich für den Coup, aber all die kleinen Details dieses Mönchengladbacher Fußballnachmittags fügten sich am Ende zum Gesamtbild von einer klassischen Spitzenmannschaft zusammen. Sie spielten nicht überragend, wirkten aber sehr entschlossen, waren „offensiv effizient und defensiv sehr gut organisiert“, lautete das Resümee Sommers.

Grübeln statt jubeln: Leverkusens neuer Trainer Peter Bosz. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Das Tor des Tages war Alassane Pléa gelungen, als Vollendung eines klugen Spielzuges durch genau jene Räume, in denen nach der System­umstellung bei Bayer 04 Schwachstellen zu erwarten waren: vor der Viererkette, in der der einzige defensive Mittelfeldspieler Charles Aranguiz auf die Mithilfe seiner Offensivkollegen angewiesen ist. Doch sowohl Kai Havertz als auch Julian Brandt verpassten in jener 37. Minute die Möglichkeit, den Chilenen effizient zu unterstützen.

Hecking ist sich allerdings sicher, dass Peter Bosz solche Feinheiten in den kommenden Wochen in den Griff bekommen wird. „Ich glaube, dass mit dieser Mannschaft wunderbar umzusetzen ist, was er vor hat“, sagte der Gladbacher Fußball-Lehrer über die Werkself und ihren neuen Chefcoach. „Man hat phasenweise schon erahnen können, worauf das hier hinauslaufen kann. Aber wir haben es richtig gut gemacht, vor allem in der Arbeit gegen den Ball.“

Zwar mangelte es dem Tabellendritten immer wieder an Klarheit und Ruhe, wenn sich eigene Kontergelegenheiten ergaben, aber der kollektive Wille, auch Phasen unter immensem Druck zu überstehen, war beeindruckend. „Von der Moral und der Einstellung war das genau das, was wir dazugelernt haben“, sagte Lars Stindl stolz. Der Kapitän erinnert sich gut daran, dass sein Team solche Auswärtsspiele in den vergangenen Jahren eher nicht gewonnen hat. Weil es an Zähigkeit mangelte und an Durchsetzungskraft vor dem gegnerischen Tor. Mit Pléa haben sie nun aber einen ausgewiesenen Auswärtsspezialisten im Team.

Acht seiner zehn Bundesligatore sind dem Franzosen jenseits des heimischen Borussia-Parks gelungen. „Ich weiß auch nicht woran das liegt, aber das war auch schon in Nizza so ähnlich“, sagte der Torjäger. Das Fundament des Erfolgs bleibt aber die funktionierende Defensive. Gemeinsam mit dem BVB und RB Leipzig hat Borussia Mönchengladbach die wenigsten Gegentreffer aller Klubs zugelassen (18). Den Konkurrenten aus Sachsen, der am Abend gegen Dortmund verlor, haben sie nun bereits um fünf Zähler distanzieren können.

So ein Zwei-Punkte-Schnitt, wie ihn die Gladbacher mit 36 Zählern aus 18 Partien bisher erspielten, hat Statistikern zufolge bisher immer für die Qualifikation zur Champions League gereicht. Wobei sie von solchen Rechnungen an diesem Januarsamstag erstmal nichts wissen wollten. „Wir haben einen sehr guten Gegner heute auf Distanz gehalten, so muss man das sehen“, sagte Stindl.