Spielbericht: Borussia Mönchengladbach gegen FC Augsburg

Gladbach gelingt 5:1-Sieg : Herrmanns Leiden wird hoch belohnt

Der Gladbach-Stürmer Patrick Herrmann steuerte bei der Eroberung der Tabellenführung gegen den FC Augsburg gleich zwei Tore bei. 50.000 Zuschauer verfolgten mit dem 5:1-Sieg den Sturm zur Tabellenführung.

Der „Artikel des Spieltags“ wurde fast schon traditionell auf der Anzeigetafel im Borussia-Park angepriesen. Ein Fan-Hoodie – Fußball ist ein Geschäft. Die Spieler von Borussia Mönchengladbach bewiesen an diesem frühen Sonntagnachmittag ausgeprägten sportlichen Geschäftssinn – und servierten den rund 50.000 Zuschauern ihre persönlichen Bestseller: fünf Tore, ein 5:1-Sieg über den FC Augsburg und die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga.

„Ein toller Tag für die Fans“, frohlockte Tony Jantschke, den die Rotation in die Viererabwehrkette gespült hatte. „Bisher haben wir sie zu Hause ja noch nicht so richtig verwöhnt.“ Und auch für den Nachtisch hatte er an diesem regnerischen Tag, an dem nicht nur die Kombinationen der Rose-Schüler flüssig liefen, einen Vorschlag: „Unsere Fans dürfen sich heute jeweils fünf Bierchen gönnen – für jedes Tor eins.“ Besonders euphorisch sah der Routinier bei dieser Empfehlung nicht aus.

„Nicht besonders wichtig“

Der 29-Jährige ist ein recht nüchterner Typ. „Die Tabellenführung ist mir nicht besonders wichtig.“ Lieber legte er ein paar Finger in die Wunden, die selbst ein Gegner außer Rand und Band den Gladbachern nach der Pause zufügen konnte. „Es war völlig unnötig, dass wir uns bei drei Kontern ziemlich dämlich angestellt haben. Zumal das Zurücksprinten richtig weh tut.“ Noch mehr als Jantschke musste Patrick Herrmann leiden. Nachdem Denis Zakaria mit seinem Blitztor (2./Außenristvorlage von Marcus Thuram) den Knoten platzen ließ, legte der Ur-Gladbacher mit zwei Toren nach (8., 13./beide von Alassane Pléa vorbereitet).

3:0 nach 13 Minuten, das interne Mannschaftstreffen, in dem man die wenig befriedigende Leistung beim 1:1 bei Basaksehir Istanbul aufgearbeitet hatte, zeigte K.o.-Wirkung – für Augsburg. Der Aufwand allerdings auch: Wenige Minuten vor Schluss der Partie quälte sich Herrmann noch an zwei Gegenspielern vorbei, um sich dann zu verhaspeln und mit schmerzerfülltem Gesicht stehenzubleiben.

Nichts ging mehr, für den Mann, der sich wenige Monate zuvor noch mit Abwanderungsgedanken beschäftigte. „Alles hat sich zum Guten gewandelt“, sagte der Flügelstürmer nun nach seinem Doppelpack. Freud und Leid eng beisammen, für Herrmann nur wenige Minuten: Der Liebling der Gladbach-Fans wurde selbstverständlich von der Nordkurve zum Vorsinger erkoren. Sein Trainer Marco Rose wird den Atem angehalten haben, als der wiedererstarkte Offensivspezialist mit letzter Kraft den Zaun erklomm und das Megaphon in Empfang nahm.

Das Risiko wurde belohnt, unverletzt stieg der Vorarbeiter der Spitzenreiter nach getaner Arbeit wieder herunter. Weniger Glück hatten zuvor Matthias Ginter und Stefan Lainer. Beide Borussen-Säulen mussten schwer angeschlagen vorzeitig in die Kabine und anschließend zur MRT-Untersuchung. Der Abwehrchef hatte sich bei einem Sturz die Schulter verletzt, der Rechtsverteidiger zog sich eine Blessur an den Bändern zu.

Bei Pléa schmerzt der Fuß

Und auch Alassane Pléa, dem das 4:0 gelungen war (39.), musste kurz nach der Pause raus. Der im Europa-League-Spiel verletzte Fuß schmerzte zu sehr. Der für den Franzosen eingewechselte Breel Embolo setzte mit dem 5:1 den Schlusspunkt (83.). Die zweite Hälfte war eigentlich ideal als Schonzeit für Istanbul-Strapazierte wie Thuram und Herrmann. Stattdessen wurde sie zur Übungsdreiviertelstunde, wie man in Unterzahl defensiv stabil bleibt. Immer wieder mussten Borussen-Profis außerhalb behandelt werden. Nur bei der Ginter-Absenz profitierten die Gäste, Florian Niederlechner kam mit dem 1:4 zum Augsburger Ehrentreffer (80.).

Trotz der „Wermutstropfen“ freute sich auch Rose. „Wir haben in unserem Prozess einen guten Tag gehabt, der auch Spaß gemacht hat. Heute war auf dem Platz alles zu sehen, was wir uns vorstellen“, urteilte der Borussen-Coach. Und anstatt verbal die Brust schwellen zu lassen, lenkte der gebürtige Leipziger lieber den Blick aufs Wesentliche: „Wir haben 16 Punkte!“ Die welken nicht, anders als der Blumenstrauß, den Herrmann nachträglich für sein 300. Pflichtspiel für Gladbach vor dem Anstoß erhalten hatte. Daraus leitete der Doppeltorschütze ein florales Erfolgsrezept ab. „Wenn mir nun vor jedem Spiel ein Blumenstrauß überreicht wird ...“

Zwei Wochen lang Tabellenführer wegen der Länderspielpause – dabei gab es nicht wenige, die nach dem ominösen Türkei-Trip gegen ausgeruhte Augsburger Böses geahnt hatten. Die Erleichterung war auch bei Sportdirektor Max Eberl zu spüren, der auf die positive Entwicklung und das Problem bei einer Erneuerung hinwies. „Uns fällt nichts leicht.“ Dazu passen auch die Polizeiübergriffe der türkischen Polizei am Donnerstag. Eberl steht immer noch zu seiner harschen Kritik („Polizei-Diktatur“!). Auch wenn er damit für Unruhe in seiner Familie sorgte. „Das war die größte Sorge meiner Mutter, dass ich aus der Türkei rauskomme.“