Roses Nussecken machen es möglich: Selbst Eberl wird nun forscher

Roses Nussecken machen es möglich : Selbst Eberl wird nun forscher

Bei Nussecken scheint Trainer Marco Rose seinen Sportchef von höheren Zielen in Gladbach überzeugt zu haben. Im Trainingslager des Bundesligazweiten gibt auch der sonst stets mahnende Max Eberl die Zurückhaltung auf: In der Kabine wird vom Titel gesprochen.

Schluss mit der Zurückhaltung! Beim Bundesligazweiten Borussia Mönchengladbach wird in der Ära von Trainer Marco Rose nun gar Sportchef Max Eberl forscher. „Natürlich träumen wir auch. Wir haben Ambitionen“, sagte Eberl am Montag im Trainingslager in Jerez zu den Meisterchancen Gladbachs und bekannte: „Wir versuchen, das nach außen normal zu formulieren. Wir haben aber in der Kabine vielleicht auch Ansprüche, die nicht so nach außen dringen.“

Solche Aussagen sind vor allem von Eberl neu. Der Sportchef hatte in den vergangenen Jahren stets sein Mantra „Wir wissen, wo wir herkommen“ verkündet, wenn der fünfmalige deutsche Meister mal wieder in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga mitmischte. Eberl spielte damit auf die gegen den VfL Bochum gewonnene Relegation 2011 an.

Unter Rose ist Träumen nun wieder erlaubt. Der charismatische und ehrgeizige Coach führte die Borussia mit 35 Punkten zur besten Club-Hinserie seit 43 Jahren. Damals wurde Gladbach zum bislang letzten Mal Meister. Mit nur zwei Zählern Rückstand auf Herbstmeister RB Leipzig gehen die Gladbacher nun in die Rückserie. „Diese Ausgangslage, die wir uns geschaffen haben, gilt es zu veredeln“, sagte Eberl, der sich offenbar erst an Roses offensivere Kommunikation der Ansprüche gewöhnen musste.

„Wir sollten uns große Ziele setzen, das ist wichtig“, hatte Rose zuletzt dazu im „Zeit“-Interview gesagt. Auch durch das Interesse am neuen Trainer angesichts der Gladbacher Erfolgs sind öffentliche Auftritte Eberls in der Hinserie auffallend weniger geworden. Dafür sitzt der Sportchef nun öfter zur Kaffeezeit mit seinem neuen Coach zusammen, um sich auch mal kontroverser auszutauschen. „Es ist wichtig, dass ein Trainer und ein Sportdirektor ein Verhältnis haben, bei dem man hinter verschlossenen Türen auch mal 'Arschloch' sagen kann, und dann geht es aus der Tür raus und man geht den gemeinsamen Weg“, sagte Eberl über sein Verhältnis zum „großartigen Menschen“ Rose, der bei Gebäck für seinen neuen Weg warb. „Er bringt immer Nussecken mit“, verriet Eberl lachend.

In Andalusien arbeitet Rose nun mit Vehemenz an der Gier seines Teams. Bei der intensiven Taktikschulung für sein bei Borussia neues Pressing-System platzte dem 43-Jährigen am Montag gleich mehrfach der Kragen. „Ihr müsst durchspielen, durchspielen, durchspielen“, raunzte Rose die beeindruckten Spieler an, die diverse Kraftausdrücke entgegen geschleudert bekamen. „Das ist wichtig und gut“, bewertete Abwehrchef Matthias Ginter das intensive Coaching Roses. „Das ist genau diese Gier, die wir als Mannschaft brauchen.“

Der Nationalspieler bewertete das Feuer im Training in Spanien als gute Voraussetzung dafür, einen Einbruch in der Rückrunde wie in den beiden Jahre zuvor zu vermeiden. Unter dem damaligen Coach Dieter Hecking war im traditionellen Winter-Trainingslager in Jerez vor Jahresfrist deutlich weniger Zug in den Einheiten als nun unter Rose.

In der Rückrunde haben die Borussen nun mehr Möglichkeiten für Roses intensives Training: Als einziger Titelkandidat haben die Rheinländer keine Mehrfachbelastung mehr und sind nur noch in der Bundesliga gefordert. „Es wird sehr, sehr spannend werden. Wir können uns alle drauf freuen“, versprach Ginter für das Titelrennen. Als Führungsspieler sei es seine Aufgabe, auf mögliche Warnsignale zu achten, die ein Nachlassen wie im vergangenen Jahr ankündigen würden. Wie viele er davon aktuell ausgemacht habe? „Gar keine“, meinte Ginter entschieden. „Es ist alles cool bei uns.“

(dpa)